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ÖHGB: Strom treibt Preise, nicht Mietzinse!

vor 3 Tagen

3 Minuten

ÖHGB-Präsident RA Dr. Martin Prunbauer
ÖHGB-Präsident RA Dr. Martin Prunbauer
© Schedl
ÖHGB-Präsident RA Dr. Martin Prunbauer

ÖHGB fordert ehrliche Analyse statt irreführender Schlagworte: Energiekosten sind Haupttreiber der Inflation. Mietpreisbremse bestraft das falsche Segment.

Die Veröffentlichung der Jahresinflation für das Jahr 2025 durch die Statistik Austria wirft erneut ein massives Problem in der öffentlichen Inflationsdebatte auf: Die aktuellen Zahlen im Warenkorb „Wohnen, Wasser und Energie“ machen deutlich, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der Kosten für Wohnen ist. In diesem offiziellen Warenkorb sind Bereiche zusammengefasst, die sich unterschiedlich entwickeln. Tatsächlich sind darin die Strompreise 2025 um satte 37,3 Prozent gestiegen.

„Beim Verbraucher entsteht der Eindruck, dass die Hauptmietzinse inflationstreibend wirken und so das Wohnen teuer machen“, so ÖHGB-Präsident RA Dr. Martin Prunbauer, der vor falschen Schlussfolgerungen warnt.

Gestiegene Betriebskosten und Gebühren verstärken den Eindruck

Besonders problematisch ist, dass im Wohnsegment nicht nur die Hauptmietzinse erfasst werden, sondern auch Betriebskosten, in denen etwa auch Strom (etwa für die Außen- und Stiegenhausbeleuchtung) und Gebühren und Abgaben enthalten sind, die im Gegensatz zu den Mietzinsen kontinuierlich angehoben wurden.

Dauerhafte Einnahmenverluste durch ausgesetzte Indexierungen

Die letzte Anpassung der Richtwerte fand mit 1. April 2023 statt. Auch die Kategoriebeträge, die für Altmietverträge (Abschluss vor dem 1.4.1994) gelten, wurden zuletzt im Juli 2023 angehoben.

Durch die Aussetzung der Wertanpassung seit 2023 und die Begrenzung der Anpassung im Jahr 2026 auf 1 Prozent bei den regulierten Mieten werden der Vermietung insgesamt rund 8 Prozent entgangen sein. Prunbauer: „Diese enormen Verluste können nicht nachgeholt werden.“

Reale Mietzinse im Vergleich zur Preisentwicklung gesunken

Besieht man sich anhand der durch die Statistik Austria aktuell präsentierten Zahlen die Preissteigerung der Hauptmietzinse im Vergleich zur allgemeinen Preissteigerung zwischen 2020 und 2025 im Durchschnitt, so sind die Hauptmietzinse real sogar deutlich gesunken.

Einkommensentwicklung übertrifft Mietanstieg

Die Zahlen bestätigen, dass sich die Mietkostenbelastung österreichischer Haushalte über die vergangenen Jahre kaum verändert hat. Die Tariflöhne stiegen jedenfalls stärker als die Mieten. Prunbauer fasst zusammen: „Die Einkommen haben sich im gleichen Zeitraum positiv entwickelt. Diese sind gestiegen, nicht aber die Mieten in gleichem Ausmaß.“

Politik auf Kosten von Eigentum und Investitionen

Dass Vizekanzler und Wohnbauminister Babler es für gut hält, durch das 5. MILG (Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz) die Hauptmietzinse erneut einer weiteren Regulierung zu unterwerfen, ist unverständlich. „Die Mietpreisbremse greift hier ins Leere“, so Prunbauer, der präzisiert: „Es wird ein Segment bestraft, das für die hohe Inflation gar nicht verantwortlich ist.“

Das wirkt wie eine Gießkanne für alle Mieter und Mieterinnen, egal ob reich oder arm und hemmt dringend notwendige Investitionen in Wohnraum. Die Mietpreisbremse ist weder sozial treffsicher noch ökonomisch sinnvoll. Der Schaden ist enorm – vor allem für den Wohnungsneubau, aber auch für Investitionen. All das führt auch zu erheblichen Nachteilen für die Mieter. Dass der Vizekanzler stolz verkündet, der Mietpreisdeckel sei nicht budgetwirksam, übersieht, dass die Politik hier Maßnahmen zu Lasten Dritter – rund 50 Prozent der Österreicher leben im Eigentum – setzt, die mittelfristig auch den wohnungssuchenden Mietern erheblich schaden. Die Betriebskosten - erheblich Kosten der öffentlichen Hand - werden aber nicht reduziert.

Neubau und Wohnraummangel

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

Baubewilligungen für Wohnungen sanken von 86.410 (2019) auf 51.473 (2024). Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung von 8.932.664 (1.1.2021) auf 9.216.459 (1.10.2025).

„Wir brauchen mehr Wohnungen, nicht politische Bremsen“, warnt Prunbauer. „Wer Investoren durch falsche Signale abschreckt, verschärft die Wohnungsnot, während die Kosten für Energie und die Gebühren weiterhin steigen.“

Der ÖHGB fordert eine klare Kommunikation: Verbraucher müssen verstehen, was wirklich die Preise treibt, und die Politik sollte gezielt dort eingreifen, wo es Sinn macht, statt das Mietsegment zu bestrafen.

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