2005 wurde die ÖBB Liegenschaft an die damalige Bank Austria Creditanstalt-Gruppe verkauft, die sie ihrerseits weiterverwertet hat. Verkäufer ist nun eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Die Übernahme umfasst auch das Shoppingcenter und die Büroflächen am Bahnhof. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht noch unter den üblichen Bedingungen und ihr Vollzug ist – nach fusionskontrollrechtlicher Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde – für Ende Dezember vorgesehen. Damit werden Bahnanlagen und Immobilie nach über zwanzig Jahren wieder in einer Hand zusammengeführt.
Wien Mitte ist gemessen an den Fahrgästen der viertgrößte Bahnhof Österreichs und einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Landes: Fünf Schnellbahnlinien, der Flughafenzug CAT, zwei U-Bahn-Linien sowie Straßenbahn- und Buslinien treffen hier aufeinander. Täglich halten 575 Züge, rund 75.000 Menschen steigen ein, aus oder um.
Mehr Handlungsspielraum für den Bahnhof
Bahnanlagen und Gebäude sind baulich und technisch eng miteinander verbunden. Anpassungen an Zugängen, Stiegen, Belüftung oder Leitungen mussten in den letzten Jahren immer mit den Eigentümern abgestimmt werden. Künftig können die ÖBB die Entwicklung des Standorts aus einer Hand steuern: von der Wegeleitung über die technische Ausstattung bis zu den Flächen über den Gleisen. Das schafft Handlungsspielraum für die kommenden Jahrzehnte, in denen die S-Bahn-Stammstrecke mehr Züge aufnehmen wird.
Zukünftig soll die Funktion des Bahnhofs wieder stärker im Namen, an den Zugängen und in der Gestaltung deutlicher erkennbar sein. Für Mieterinnen und Mieter ändert sich nichts: Alle bestehenden Verträge gelten unverändert weiter.
Ein Standort mit langer Geschichte
1848 wurde der Bahnhof als Bahnhof Hauptzollamt eröffnet, 1934 ging er in das Eigentum der Bahn über. Ab den späten 1950er-Jahren wuchs über den Gleisen Schritt für Schritt ein eigenes Stück Stadt: erst ein Bürogebäude, dann Markthalle und Busbahn-hof. 2005 wurde die ÖBB Liegenschaft an die damalige Bank Austria Creditanstalt-Gruppe verkauft.
Errichtet wurde der heutige Komplex von der Wien Mitte Immobilien GmbH, je zur Hälfte im Eigentum von BAI und Bank Austria: 2007 war Spatenstich, 2012 die Teileröffnung, im April 2013 ging der Standort vollständig in Betrieb. 2015 verkaufte die Bank Austria den Komplex an eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Mit dem Rückkauf durch die ÖBB kehrt die Liegenschaft nach über zwanzig Jahren zur Bahn zurück.