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Meine 5 Cents – Expo Real: Von gestern lösen und an morgen bauen

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Weinglas steht auf einem Ziegelmauer
© NaturesCharm

Weniger Champagner, mehr Realität: Die Expo Real zeigt eine Branche, die aufgehört hat, alten Zeiten nachzutrauern – und beginnt, aus der neuen Lage wieder etwas zu machen.

Zweieinhalb Tage Expo Real in München. Wie war die Stimmung? Aus meiner Sicht weder besonders gut noch besonders schlecht. Eigentlich ziemlich nah an der Realität. Und ich finde, das ist schon etwas.

In meinen Gesprächen gab es weniger Gejammer und Gesudere. Auch weniger Hoffnung darauf, dass irgendwann einfach wieder alles so wird wie früher. Dafür mehr Bereitschaft, mit der Situation zu arbeiten, wie sie eben ist.

Vielleicht ein ungewöhnlicher Vergleich, aber für mich hat das etwas von einer Scheidung. Irgendwann merkt man, dass das Kämpfen und Festhalten am Alten keine Zukunft mehr hat. Man muss die Situation akzeptieren, sich möglichst vernünftig, vielleicht sogar freundschaftlich von der Vergangenheit lösen und überlegen, was man jetzt Neues aufbauen will.

Diesen Eindruck habe ich von der Messe mitgenommen.

Die Jahre, in denen vieles fast von selbst gegangen ist, sind vorbei. Ein gutes Verständnis für Finanzierung und wirtschaftliche Parameter hat zeitweise erstaunlich weit gereicht, um in unserer Branche erfolgreich zu sein. Der Markt hat einem auch einiges verziehen.

Jetzt wird wieder deutlicher, wie viel man darüber hinaus verstehen muss: wie Menschen wohnen wollen, wie Unternehmen arbeiten, wie ein Gebäude im Alltag funktioniert und was davon langfristig wirtschaftlich sinnvoll ist. Das war eigentlich immer unser Geschäft. Es ist nur eine Zeit lang etwas in den Hintergrund gerückt.

Ich denke dabei auch an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Wohnen und Sicherheit stehen weit unten, weil sie grundlegend sind. Wir schaffen mit unseren Gebäuden die Voraussetzung dafür, dass Menschen leben und arbeiten können und Unternehmen produzieren und wirtschaften. Damit tragen wir einen wesentlichen Teil der Realwirtschaft. Ich glaube, es tut uns gut, uns diese Aufgabe wieder öfter vor Augen zu führen.

Die große Champagnerlaune habe ich heuer weniger gespürt. Wobei Bier, Wein und die Freude am Wiedersehen durchaus ihren Platz hatten. Zum Glück – man darf die Lage realistisch sehen und trotzdem einen guten Abend miteinander verbringen.

Diese nüchternere Phase wird uns vermutlich noch länger begleiten. Ich glaube aber, dass wir damit gut leben und auch gut wirtschaften können. Dafür müssen wir unsere Energie in die heutigen Möglichkeiten stecken, statt ständig den damaligen nachzutrauern.

Für mich waren diese zweieinhalb Tage deshalb durchaus ermutigend. Nicht weil plötzlich alles wieder leicht wäre, sondern weil ich in vielen Gesprächen das Gefühl hatte: Die Leute nehmen die Situation an und wollen etwas daraus machen.

Also: auf zu neuen Ufern. Mein Glas bleibt jedenfalls halb voll. Auch wenn weniger Champagner drin ist.

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