Meilenstein im Village im Dritten: 235 Wohnungen erreichen Dachgleiche

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Im Stadtquartier Village im Dritten gehen die Eigentumswohnungen der letzten Bauphase ins Finale: Auf den Baufeldern 14A und 14B sind die Rohbauarbeiten für insgesamt 235 Wohnungen abgeschlossen. Bei der Gleichenfeier überreichten ARE-Geschäftsführer Gerald Beck und Bezirksvorsteher Erich Hohenberger das Gleichengeld an STRABAG-Direktionsleiter Martin Kaftan. Bei der zugleich letzten möglichen Kranfahrt zog das ARE-Team im Gespräch mit Walter Senk Bilanz – über neun Jahre, vier Krisen und ein Energiekonzept, das ausgerechnet von der Energiekrise profitierte.

Die ARE Austrian Real Estate entwickelt 15 der insgesamt 22 Baufelder im Quartier. Mit der Dachgleiche auf 14A und 14B ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Zwischen dem Bert-Brecht-Park und der Otto-Preminger-Straße entstehen 235 freifinanzierte Eigentumswohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, zwischen 42 und 131 Quadratmeter groß. Alle Einheiten verfügen über private Freiflächen – vom Eigengarten bis zur Dachterrasse. Die Fertigstellung ist für Frühling 2027 geplant; ab Frühjahr 2027 sollen die ersten Bewohner:innen einziehen.

Zwei Baufelder, zwei Handschriften

Trotz gemeinsamer Quartiersqualitäten hat jedes Baufeld seinen eigenen Charakter. Baufeld 14A rückt unter dem Motto „Natürlich draußen" die Freiflächen in den Mittelpunkt: Wohngebäude in Holz-Hybrid-Bauweise, Balkone mit Pflanztrögen und großflächige Zip-Screens zur Beschattung. Die „Vogelwarten" im Dachgeschoß bleiben mit Pflanzen und Nistkästen ausschließlich den Tieren vorbehalten – Bewohner:innen beobachten sie durch ein großes Sichtfenster, das zugleich Tageslicht in Stiegenhäuser und Gänge bringt. Baufeld 14B, das „Unikat für Freigeister", setzt auf außergewöhnliche Grundrisse: Sichtbetondecken für loftartige Atmosphäre, teils intensiv bepflanzbare „Gartenloggien" und – als gemeinschaftliches Herzstück – ein zweigeschoßiger Kletterraum mit Parkblick.

Für Gerald Beck sichert die ARE damit nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sondern auch Arbeitsplätze am Bau. Bezirksvorsteher Erich Hohenberger verwies auf die Geschichte des Areals: Wo vor 150 Jahren noch ein Hafenbecken des Wiener Neustädter Kanals und später ein Bahnhof lagen, entstehe heute ein durchmischter Stadtteil aus geförderten und frei finanzierten Wohnungen, Gemeindebau und großem Park.

„Auf Augenhöhe miteinander, nicht gegeneinander"

Beck kam erst später zum Projekt – kannte es aber bereits von der anderen Seite des Verhandlungstisches, über eine frühere Beteiligung an fünf Baufeldern. Eine Erfahrung, die nachwirkt: „Es ist gut, wenn man faire Verträge abschließt, weil man dann immer auf Augenhöhe miteinander und nicht gegeneinander arbeitet." Dass man eines Tages selbst der Gegenseite gegenübersitzen könne, sei das beste Argument für partnerschaftliche Vorgangsweise.

Vier Krisen in neun Jahren – eine half sogar

Neun Jahre Laufzeit bedeuten neun Jahre Ausnahmezustand: Corona, Ukraine-Krieg, Ölpreisschock. „Das trifft Großprojekte natürlich immer besonders", sagt Gesamtprojektleiter Gregor Wiltschko. Doch eine Krise wirkte paradoxerweise als Beschleuniger – die Energiekrise. Das bereits 2020/2021 gestartete Energiekonzept habe dadurch „noch einmal einen richtigen Push" bekommen: „Und da waren dann alle Feuer und Flamme, das auch durchzuziehen."

Das Ergebnis ist ein Quartier, das einen Großteil seiner Energie selbst erzeugt. ARE und Wien Energie haben ein baufeldübergreifendes Gesamtsystem für Wärme, Kälte und einen Teil des Stroms entwickelt: 500 Erdwärmesonden mit 150 Metern Tiefe, mehrere Dach-Photovoltaikanlagen mit über einem Megawatt installierter Leistung, Wärmepumpen und ein Fernwärmeanschluss. Bis zu 80 Prozent der Heizenergie sollen so aus lokalen Quellen stammen. „Es hat sich als richtig herausgestellt, Entscheidungen zu treffen, die damals vielleicht nicht so populär waren", resümiert Wiltschko.

Von der Gstätten zum Stadtteil – und ein bisschen Demut

Wo heute ein fertiges Quartier steht, war zu Beginn wenig mehr als eine klassische Gstätten, eine innerstädtische Brachfläche. „Das schaut natürlich heute komplett anders aus", sagt Wiltschko – und die eigenen Erwartungen seien „sogar übertroffen" worden.

Bei allem Stolz schwingt Demut mit. Eine Quartiersentwicklung mitten in Wien, so der Tenor, mache man „vielleicht einmal im Leben". Gerd Pichler, Head of ARE Development, der das Projekt einst als Projektleiter begann und es inzwischen abgegeben hat, bringt das Loslassen entspannt auf den Punkt: Er sei heute weniger im operativen Geschäft, die täglichen „Wehwehchen" der Baustelle landeten gar nicht mehr auf seinem Tisch. „Gott sei Dank." Das Projekt sei in sehr guten Händen.

Was bleibt

Rund um den zwei Hektar großen Bert-Brecht-Park gruppieren sich am Ende rund 2.000 Wohnungen samt Büro- und Gewerbeflächen, Nahversorgung sowie Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen – nahezu autofrei und fahrradfreundlich. Das Quartier füllt sich bereits mit Leben: Erste Nahversorger wie Supermarkt und Drogeriemarkt haben geöffnet, Apotheke und Fitnessstudio haben unterschrieben. Auch die Bauweise wirkt über das Projekt hinaus – ein eigens von der STRABAG entwickeltes Gerät hebt komplette Fassadenelemente wie Baukastenteile direkt an ihren Platz. Für Beck ist diese Vorfertigung schlicht die Zukunft des Bauens. Den passenden Rahmen liefert die Auszeichnung vom Februar 2026: das DGNB-Erschließungszertifikat der ÖGNI in Gold für nachhaltige Stadtquartiere.

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