Lage, Lage, Lage – die wichtigste Regel am Immobilienmarkt bekommt eine neue Dimension. Steigende Temperaturen, immer mehr Hitzetage und längere Trockenperioden verändern zunehmend, was Käuferinnen und Käufer unter einer besonders guten Lage verstehen. Im Premiumsegment rücken Faktoren wie angenehmes Mikroklima, Höhenlage, verlässliche Wasserversorgung, Wald- und Seenähe sowie eine möglichst unabhängige Energieversorgung stärker in den Mittelpunkt.
PREMIUM-LIVING.COM beobachtet dabei eine Verschiebung zugunsten sogenannter „Klima-Gewinner-Regionen“: Höher gelegene alpine Destinationen, Lagen an stabilen Alpenseen oder grüne, gut durchlüftete Mikrolagen im Umfeld der Städte gewinnen gegenüber stark versiegelten und besonders hitzeexponierten Standorten an Attraktivität.
„Die Vorstellung davon, was eine Premiumlage ausmacht, erweitert sich gerade deutlich. Aussicht, Infrastruktur und Exklusivität bleiben wichtig – aber immer öfter kommen Fragen dazu: Wie heiß wird es hier im Sommer? Kühlt es nachts ab? Gibt es ausreichend Grün und Wasser? Genau diese Faktoren werden bei langfristigen Kaufentscheidungen immer relevanter“, weiß Bernd Gabel-Hlawa, CEO und Founder von PREMIUM-LIVING.COM.
Österreich: Höhenlagen, Seen und grüne Mikrolagen gewinnen
Besonders interessant werden Lagen ab etwa 800 bis 1.000 Metern Seehöhe. Während Tropennächte in Ballungsräumen zunehmen, profitieren höher gelegene Regionen stärker von nächtlicher Abkühlung. Zu den gefragten österreichischen Märkten zählen etwa Kitzbühel, Kirchberg und Jochberg, Zell am See und Kaprun, das Montafon und der Arlberg sowie Schladming, das Ausseerland und die gegend rund um den red Bull-Ring.
Gleichzeitig gewinnt Wassersicherheit an Bedeutung. Regionen rund um tiefe Alpenseen und mit stabiler Quellwasserversorgung rücken stärker in den Fokus. Dazu zählen unter anderem Attersee und Traunsee, der Millstätter See und der Weißensee sowie Wolfgangsee und Fuschlsee.
„Wir erleben eine Renaissance der Sommerfrische, allerdings unter völlig neuen Vorzeichen. Früher war sie vor allem eine Frage des Lebensstils. Heute kommt eine sehr rationale Komponente hinzu: Menschen suchen Orte, an denen sie auch langfristig eine hohe Lebensqualität erwarten können“, erklärt Benedikt Gabriel, CEO und Founder von PREMIUM-LIVING.COM.
Auch in Wien entscheidet die Mikrolage
Der Trend betrifft keineswegs nur Ferien- und Zweitwohnsitze. Auch innerhalb der Ballungsräume differenziert sich die Qualität einzelner Mikrolagen stärker aus. In Wien profitieren etwa grüne und gut durchlüftete Lagen in Döbling, Währing und Hietzing sowie Standorte in unmittelbarer Nähe zum Wienerwald. Im Umland werden höher gelegene und stark durchgrünte Gebiete wie Hinterbrühl, Gießhübl oder Bad Vöslau interessanter.
Damit gewinnen Kriterien an Gewicht, die in klassischen Immobilienbewertungen bislang häufig nur eine Nebenrolle spielten: Versiegelungsgrad, Verschattung, Luftzirkulation, Baumbestand, Hanglage oder die Nähe zu größeren Grünräumen.
„Bei einer hochwertigen Immobilie darf man heute nicht mehr nur das Gebäude und den Quadratmeterpreis betrachten. Eine fundierte Standortanalyse muss auch das Mikroklima mitdenken. Zwei Objekte können nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen und langfristig trotzdem völlig unterschiedliche Qualitäten entwickeln“, so Gabel-Hlawa.
Forest Living, Biophilic Design und Autarkie: Luxus wird neu definiert
Nicht nur die Lage, auch Architektur und Ausstattung verändern sich. Luxus definiert sich zunehmend weniger über repräsentative Materialien allein, sondern über Klimaresilienz, Ressourcensicherheit und intelligente Planung.
Einer der prägenden Trends ist Forest Living: Häuser in Wald- und Waldrandlagen, großzügige Glasflächen, regionale Hölzer und eine Architektur, die Innen- und Außenraum stärker miteinander verbindet. Parallel dazu gewinnt Biophilic Design an Bedeutung. Begrünte Dächer und Fassaden, bepflanzte Innenhöfe und Wasserflächen werden gezielt eingesetzt, um das Mikroklima rund um ein Gebäude zu verbessern.
Auch Autarkie entwickelt sich vom ökologischen Zusatznutzen zum Premiummerkmal. Regenwassermanagement, Photovoltaik mit Stromspeichern, Geothermie und intelligente Kühlkonzepte sollen Gebäude unabhängiger und langfristig resilienter machen. Selbst der klassische Pool bekommt Konkurrenz: Naturpools und Schwimmteiche integrieren sich stärker in Landschaft und Ökosystem.
„Eine Immobilie, die im Sommer ohne enormen Energieeinsatz angenehm bleibt, mit Wasser sorgsam umgeht und ihre Umgebung in die Architektur einbezieht, bietet eine Qualität, die Käufer zunehmend zu schätzen wissen“, sagt Gabriel.
Vom Zweitwohnsitz zum Klima-Refugium
Parallel dazu zeichnet sich ein weiterer Wandel ab: Aus dem klassischen Wochenendhaus wird zunehmend ein voll ausgestatteter, ganzjährig nutzbarer zweiter Lebensmittelpunkt. Hochwertige Infrastruktur und Möglichkeiten für Remote Work erlauben es, längere Zeiträume an einem zweiten Wohnort zu verbringen – etwa die besonders heißen Sommermonate in einer kühleren alpinen oder seenahen Region.