Bauen im Bestand und Nachverdichtung sind die zentralen Hebel für die Immobilienwirtschaft. Um neuen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, ohne die grüne Wiese zu versiegeln, setzen Planer auf Konzepte wie Aufstockungen, Dachbodenausbauten und die Revitalisierung von Leerständen und Industriebrachen.
Die Immobilienbranche steht vor einer zentralen Herausforderung: Wie schaffen wir dringend benötigten Raum, ohne immer neue Flächen zu verbrauchen? Verdichtung, Erweiterung und Erneuerung bestehender Immobilien rücken damit stärker denn je in den Fokus. Ob Aufstockung, Umnutzung, Sanierung oder intelligente Nachverdichtung, der Bestand bietet enorme Potenziale. Gleichzeitig müssen Wirtschaftlichkeit, Baurecht, technische Machbarkeit sowie die Akzeptanz von NutzerInnen und Nachbarschaft zusammenspielen.
Es geht darum, dem Flächenfraß entgegenzutreten. Etwa, indem man wieder in die Ortskerne geht, Brownfields entwickelt, Baulücken verbaut, verdichtet und Grundrisse so gestaltet, dass sie möglichst vielen Menschen lebenswerten Wohnraum bieten und gleichzeitig so wenig Boden wie möglich versiegeln. Tiefgaragen statt Parkplätze, Gemeinschaftsgärten mit Spielplatz und Gemüsebeeten – für ein Extra an Lebensqualität.
Laut einer Gallup-Studie im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich halten 70 Prozent der Befragten den Bodenverbrauch für ein sehr dringliches oder dringliches Problem, beim Ortskernsterben sehen sogar 82 Prozent akuten Handlungsbedarf. Besonders ältere Befragte beurteilen die Entwicklung kritisch. Gefragt nach den besten Maßnahmen gegen Bodenverbrauch und Leerstand, werden laut Studie mehr Förderungen für die Sanierung gebrauchter Immobilien am stärksten befürwortet, gefolgt von der Überbauung bestehender Flächen – etwa von Supermärkten – und einem Verbot von Fachmarktzentren auf der grünen Wiese.
Der Trend zur Zersiedelung verschärft nicht nur ökologische Probleme, sondern auch infrastrukturelle. Immer längere Wege, steigende Kosten für Gemeinden und leere Ortskerne sind die Folge. Laut Gallup geben 46 Prozent der Befragten an, selbst in einer Gemeinde mit sterbendem Ortskern zu leben – also dort, wo Geschäfte und Gastronomie geschlossen haben und nichts Neues entsteht. In kleineren bis mittleren Gemeinden bis 50.000 Einwohner:innen fühlen sich sogar 62 Prozent betroffen.
Auch in den Städten ist das bauen im Bestand ein heißes Thema.