ImmoLeute mit Andreas Hawlik und Ronald Goigitzer

ImmoLeute mit Andreas Hawlik und Ronald Goigitzer

RG

von Ronald Goigitzer

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ImmoLeute: Die Menschen hinter den Immobilien - In der Immobilienbranche kennen wir Projekte, Unternehmen und Marken. Wir wissen, wer welches Quartier entwickelt hat, wer hinter einem spektakulären Bürogebäude steht oder wer gerade den nächsten großen Deal abgeschlossen hat. Was wir meistens nicht kennen, sind die Menschen dahinter. Genau deshalb gibt es ImmoLeute - die Gespräche führt Ronald Goigitzer (heart of company ivalu).

ImmoLeute: Die Menschen hinter den Immobilien

In der Immobilienbranche kennen wir Projekte, Unternehmen und Marken. Wir wissen, wer welches Quartier entwickelt hat, wer hinter einem spektakulären Bürogebäude steht oder wer gerade den nächsten großen Deal abgeschlossen hat. Was wir meistens nicht kennen, sind die Menschen dahinter.

Genau deshalb gibt es ImmoLeute - die Gespräche führt Ronald Goigitzer (heart of company ivalu).

In der neuen Videoreihe sprechen wir mit Persönlichkeiten der Immobilienwirtschaft – allerdings bewusst nicht über Quadratmeter, Renditen oder Projektpipelines. Stattdessen geht es um das, was man in klassischen Fachinterviews selten erfährt: Welche Entscheidungen haben ein Leben geprägt? Wer waren die Vorbilder? Welche Werte begleiten erfolgreiche Menschen durch ihren Berufsalltag? Worauf blicken sie zufrieden zurück und was würden sie ihrem 20-jährigen Ich heute mit auf den Weg geben?

Den Auftakt macht Architekt Andreas Hawlik, der gleich bei der ersten Frage zeigt, dass er die Dinge gerne etwas anders sieht. Auf die Frage, worauf er in seinem Leben stolz sei, antwortet er nämlich: auf nichts. Stolz sei kein Gefühl, das ihm wichtig ist. Viel bedeutender seien Zufriedenheit und Glück. Und beides findet er weniger in einzelnen Erfolgen als in seiner Familie und darin, ein eigenes Architekturbüro aufgebaut zu haben.

Im Laufe des Gesprächs erzählt Hawlik von seinen prägenden Jahren in Berlin, wo er nicht nur architektonisch wichtige Erfahrungen sammelte, sondern auch seine Frau kennenlernte. Er spricht über Mentoren, die ihn fachlich und menschlich beeinflusst haben, über die Kunst, gute Architektur mit wirtschaftlichem Denken zu verbinden, und darüber, warum ihn ausgerechnet die Medizin als alternatives Berufsfeld gereizt hätte. Komplexe Aufgaben, sagt er, hätten ihn immer fasziniert.

Natürlich bleibt auch die Architektur selbst ein Thema. Hawlik spricht darüber, was er mit seinen Gebäuden hinterlassen möchte: keine kurzfristigen Prestigeprojekte, sondern Bauwerke, die auch Jahrzehnte später noch geschätzt werden. Seine Handschrift beschreibt er dabei nicht als einheitlichen Stil, sondern als eine Familie von Handschriften – angepasst an Ort, Aufgabe und Menschen.

Persönlich wird es auch, wenn es um seine beste Investition geht. Überraschenderweise nennt er kein Büro, keine Immobilie in Österreich und kein berufliches Projekt, sondern ein kleines Haus in Griechenland. Ein Ort, an dem Ruhe wichtiger ist als Rendite – auch wenn das Grundstück mittlerweile durch archäologische Funde zusätzlich an Besonderheit gewonnen hat.

Besonders spannend sind Hawliks Gedanken zur Zukunft. Er empfiehlt jungen Menschen, sich bei der Berufswahl zwei einfache Fragen zu stellen: Wird dieser Beruf in zwanzig Jahren noch gebraucht? Und macht er mir wirklich Freude? Denn nichts sei schlimmer, als einen Beruf auszuüben, der keine innere Motivation auslöst.

So entsteht ein Gespräch, das weit über Architektur hinausgeht. Es geht um Entscheidungen, Optimismus, Familie, Verantwortung und darum, warum der Blick über den Tellerrand manchmal das Beste ist, was einem passieren kann.

ImmoLeute zeigt die Immobilienbranche einmal von ihrer persönlichsten Seite. Nicht die Projekte stehen im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sie möglich machen.

Transkript

0:11 Andreas, wir sitzen heute zusammen zum neuen Format Immo Leute. Heute geht es nicht um die Arbeit, sondern heute geht es die Person Andreas Hawlik hinter dem Architekten oder die Person ist ja der Architekt. Ich fange gleich mit etwas an, was dich ein bisschen triggern wird, weiß ich. Worauf bist du stolz, wenn du auf dein Leben bis jetzt zurückblickst? Du kennst mich schon ganz gut, Ronnie. Ich sage immer, Dummheit und Stolz wachsen an einem Holz. Also Stolz ist jetzt kein Wert oder kein Gefühl, den ich gut finde. Ich finde, viel wichtiger ist, dass man

0:51 zufrieden mit etwas ist oder glücklich mit etwas ist. Und zufrieden bin ich durchaus mit der Situation, ein Büro geschaffen zu haben, in die Selbstständigkeit gekommen zu sein, eine Familie zu haben mit zwei großartigen Kindern und einer großartigen Frau. Also diese ganze Situation macht mich insgesamt glücklich und zufrieden. Nicht stolz. Genau. Sehr wichtig. Ja, aber ich meine, du bist Architekt. Immobilien sind so irgendwie dein tägliches Brot. Was würde dich sonst reizen,

Vollständiges Transkript anzeigen

1:32 abseits der Immobilienwirtschaft? Also ich glaube, mich würde, wenn ich ganz etwas anderes gelernt hätte, wahrscheinlich die Medizin am meisten reizen. Warum? Weil es ein unheimlich komplexes Feld ist. Also Herausforderungen grundsätzlich reizen mich. Also je komplexer, desto lieber an und für sich. Und ich glaube, die Medizin ist einfach so etwas, was nie zur Gänze ergründet werden kann.

2:12 Okay. So ähnlich wie, man muss dann auch wieder ein neues Haus irgendwo bauen und wieder von vorne anfangen. Gibt es eigentlich in deiner Vergangenheit eine Person, zu der du aufschaust, die ein bisschen Mentor war? Und wenn ja, wer wäre das? Also ich bin nach dem Studium nach Berlin gegangen, um sozusagen meine Lehrjahre im Ausland zu verbringen. Auf die Walz quasi. Auf die Walz, ja. Und dort wurden dann aus einem Jahr oder zwei Jahren, die ich mal so angedacht habe, insgesamt fünf Jahre.

2:53 Ich bin bei Collignon Fischert in Berlin gewesen, ein Büro, das es in der Form jetzt heute nicht mehr gibt. Aber diese beiden Architekten waren für mich sicher sehr prägend. Was ist dir da in Erinnerung, wo du sagst, okay, das nehme ich bis heute in mein Leben mit? Beide hatten sozusagen im Büro ihre Schwerpunkte. Der Florian Fischert, war ein großartiger Entwerfer. Oliver Collignon war ein sehr guter Manager und Rechner und die beiden haben sich an und für sich sehr gut ergänzt. Sie kamen beide von Richard Rogers aus London. Das

3:35 sind sozusagen die Eigenschaften, die für mich da ganz wesentlich waren. Wie der Florian gezeichnet hat, wie der Oliver es geschafft hat, mit Bauherren über Verträge zu verhandeln. Das sind beides ganz wesentliche Dinge, wo man sehr viel lernen kann. Möchtest du die Arabiata kosten zumindest? Da haben wir die. Ein bisschen weg vom Beruflichen. Wenn du zurückdenkst, wie würden dich deine besten Freunde beschreiben? Was würden die als Highlight aus deinem Leben erzählen?

4:16 Also ich hoffe, dass mich meine besten Freunde natürlich gut beschreiben. Ich glaube, sie würden sagen, dass ich jemand bin, der mit beiden Beinen im Leben steht und auf einer klaren Bahn unterwegs ist. Das ist, glaube ich, etwas ganz Wichtiges, dass man ein Ziel vor Augen hat oder auch wenn man kein Ziel vor Augen hat, einen Weg vor Augen hat und auf diesem Weg bleibt. Das heißt, du machst dir quasi deine Regeln und nach denen gehst du. Ja. Und welche Regel würdest du ganz bewusst oder

5:00 nicht würdest, aber welche Regel missachtest du ganz bewusst? Na ja, als Fahrradfahrer zählen definitiv keine bunten Linien oder Lichter im Straßenverkehr. Okay. Also du bist einer der Fahrradraudis. Ich bin ein Fahrradraudi, ganz klar. Nicht nur im Wald, sondern auch auf der Straße. Sondern auch in der Wiener Innenstadt. Okay, müssen wir aufpassen. Jetzt aber doch. Also jetzt haben wir alle ein bewegtes Berufsleben und da macht man viele Dinge richtig und manches auch falsch. Was wäre es, was du gerne quasi hinterlassen

5:40 möchtest, wenn du auf dein Berufsleben zurückschaust? Ja, prinzipiell muss man sich seiner Endlichkeit ja immer bewusst sein. Also die kann jeden Tag kommen und insofern muss alles, was man macht, so sein, dass man es auch ruhigen Gewissens hinterlassen kann. Ja, und wie wenn es das Letzte wäre. Wie wenn es das Letzte wäre. Wir kämpfen auch oft ins letzte Hemd. Nein, was wollen wir hinterlassen? Wir wollen wirklich anständige Projekte hinterlassen, die eine lange Lebensdauer haben, die von den Leuten geschätzt werden. Das muss eigentlich so sein

6:21 und das passiert manchmal auch, dass jemand irgendwo vorbeifährt und sagt: „Hey, da habt ihr auch was gebaut", ohne dass er weiß, dass wir das geplant haben. Also ja, haben wir gebaut. Stimmt auch meistens. Sieht man das? Gibt es eine Andreas Hawlik Handschrift? Es gibt schon, glaube ich, so etwas. Wir haben sicher eine Reihe von Gebäuden. Ich sage einmal, es gibt vielleicht Familien von Handschriften. Okay. Ja. Wenn du jetzt quasi noch einmal auf dein Leben zurückblickst, was würdest du deinem 20-jährigen Ich mitgeben?

7:01 Die Frage ist durchaus aktuell. Ich habe einen 18-jährigen und einen 16-jährigen Sohn. Aha. Kann man denen was mitgeben? Doch, denen kann man schon was mitgeben. Die nehmen es auch an, grundsätzlich. Aber was würde ich ihnen mitgeben? Ich glaube, bei der Berufswahl, sich zwei Fragen zu stellen. Einerseits: Ist das, was ich lerne, in 20 Jahren noch relevant? Okay. Das ist beim Architektenberuf eine spannende Frage. Vor 30 Jahren

7:41 hat man diese Frage sicher anders beantwortet als heute. Wenn man shrinking cities denkt und so weiter, dann ist das echt ein Thema. Klar. Und das Zweite ist: Was macht dir wirklich Spaß? Was macht dir Freude? Und das sind die zwei ganz wesentlichen Dinge. Nichts ist, glaube ich, blöder, als wenn man einen Beruf erlernt, der einem nicht eine intrinsische Motivation gibt. Das heißt, du hast noch Freude an dem, was du tust. Ich habe auf jeden Fall Freude an dem Beruf, den ich habe, ja. Gut. Vielleicht da auch so ein

8:23 bisschen eine Retrospektive: Was war aus deiner Sicht die beste Investition deines Lebens? Und ganz bewusst nicht Geld. Worin hast du Energie oder Zeit investiert, wo der Return on Investment für dich, um nicht zu sagen, auf den du stolz sein kannst, sondern wo du glücklich und zufrieden darauf zurückblicken kannst? Also wir haben über mehrere Jahre ein Grundstück in Griechenland gesucht. Wir haben dann ein Grundstück gekauft und ein kleines Haus gekauft und mittlerweile erweist sich das Haus als super Investition, weil das Grundstück

9:04 ist mittlerweile archäologische Fundstätte geworden. Oh, okay. Das kleine Häuschen, ein ganz simples Häuschen in Griechenland. Das ist etwas, wo man wirklich zufrieden sein kann, aufs Meer schauen kann. In vier Minuten ist man am Strand und das ist sicher eine der besten Investitionen, die ich gemacht habe. Schlagst du in Griechenland auch so etwas wie Wurzeln? Ist man dann schon irgendwie auch in der... Weil gerade wenn man baut, kommt man ja durchaus mit der Community, nehme ich an, ins Gespräch. Also das ist durchaus schwierig, sage ich einmal.

9:45 Die Welt des Bauens und Planens ist in Griechenland eine ganz andere. Jedermann, auch ohne irgendeine Befugnis, kann Real Estate und Construction auf sein Schild draußen schreiben, Architecture, glaube ich, auch. Und das führt halt dazu, dass dort alle Leute glauben, sie können ein Haus bauen und so schaut es im Detail dann auch aus. Und jetzt fährst du hin und erzählst denen allen, wie es wirklich geht. Ich erzähle denen dann, wie es wirklich geht. Es gibt natürlich einige wenige, die es wirklich können, die das auch teuer verkaufen, ihr Know-how,

10:27 viele Bauherren das aber dort nicht in Anspruch nehmen. Nur die, wo Geld wirklich keine Rolle spielt. Und sprichst du selbst schon mehr Griechisch als Kali nichta, kali spera und efcharistó? Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich, wenn ich was lesen kann. Okay. Meine Frau, die lernt ganz brav, aber das habe ich mir noch aufgehoben. Lesen ist ein gutes Stichwort. Vielleicht gibt es ein Lieblingsbuch, das du hast? Oder auch, welchen Buchtitel könnte dein Leben haben? Aktuell mein Lieblingsbuch. Ich weiß jetzt gar nicht den Titel. Rosling, Factfulness. Ja.

11:08 Ist ein geniales Buch. Genau, wie man die Welt objektiv betrachten lernt. Also vielleicht könnte das Buch über mein Leben Joyfulness heißen. Das ist ein cooler Ansatz. Ja, ich meine, das Factfulness ist ja voll mit Dingen, wo man eigentlich sagt: „Okay, früher war gar nichts besser eigentlich, wenn man es nimmt und in Wahrheit Kindersterblichkeit gesunken und wie viele Menschen hungern und so weiter. Würdest du sagen, du bist schon ein Mensch, oder, der mit Optimismus durch die

11:49 Welt geht? Was wird die Zukunft bringen aus deiner Sicht? Auf jeden Fall. Also ich glaube definitiv, dass die Menschheit mit jeder Herausforderung wächst und sich weiterentwickelt. Und wenn es nicht irgendwelche Verrückte gibt, die auf den Knopf drücken, dann wird das auch weiter so gehen. Also was wird die Zukunft bringen? Also ich glaube definitiv, die Bevölkerung wird schrumpfen, zum Wohle des Planeten in Wahrheit. Und ich glaube, langfristig die Kolonialisierung des Weltalls wird anorganisch passieren.

12:30 Okay, wie darf ich das verstehen? Also sozusagen autark lebende Maschinen. Okay. Spannend. Vielleicht abschließend: Gibt es eine Entscheidung, wo du sagst, die hat wirklich mein Leben verändert? Also es war sicher ein ganz prägender Schritt, nach dem Studium nach Berlin zu gehen, dort berufliche Erfahrung zu sammeln. Ich habe meine Frau dort kennengelernt. Also dieser Komplex sozusagen, der damals ja wirklich ein Schritt jetzt zwar ins Ungewisse, aber auch nicht ins ganz Gefährliche war. Also Berlin, zumindest die gleiche Sprache.

13:13 Aber das kann ich jedem raten, einen solchen Schritt zu machen. Das verändert ... Über den Tellerrand. Definitiv. Über den Tellerrand hinausschauen, sich so weiterzuentwickeln, ist das Beste, was man tun kann. Gut, jetzt darfst in den Tellerrand schauen und die Arrabbiata endlich genießen. Ich hoffe, sie ist noch warm. Danke, lieber Andreas, fürs Gespräch. Gerne.

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