Werbung
Anzeige
Überspringen in  s

ImmoKI, ImmAzing, VALERI: AVM-Vergleich Österreich 2026

368

 Artikel

5

 Erwähnungen

5 Follower folgen
4 Minuten Lesezeit

Der österreichische Markt für automatisierte Immobilienbewertung hat seit Februar 2026 einen dritten Anbieter. ImmoKI tritt in Wien gegen ImmAzing der DataScience Service GmbH und VALERI der Raiffeisen-Immobilien-Gruppe an. Drei Unternehmen, drei Zielmärkte, drei Methodiklogiken – und eine gemeinsame Leerstelle bei der unabhängig validierten Trefferquote.

ImmoKI, ImmAzing, VALERI: AVM-Vergleich Österreich 2026

Der österreichische Markt für automatisierte Immobilienbewertung hat seit Februar 2026 einen dritten Anbieter. ImmoKI tritt in Wien gegen ImmAzing der DataScience Service GmbH und VALERI der Raiffeisen-Immobilien-Gruppe an. Drei Unternehmen, drei Zielmärkte, drei Methodiklogiken – und eine gemeinsame Leerstelle bei der unabhängig validierten Trefferquote.

Alexander Armin Silber MRICS, seit über zwei Jahrzehnten im Wiener Immobilieninvestment und Kopf der Silfin-/Caelia-Gruppe, hat ImmoKI am 22. April beim FrühsTech on PropTech von French Startups Vienna bei DLA Piper erstmals öffentlich vorgestellt. Das Unternehmen ist seit zwei Monaten am Markt, die Entwicklung lief nach eigenen Angaben rund anderthalb Jahre.

ImmoKI: der Wiener Newcomer

ImmoKI bedient die automatisierte Bewertung von Wohnimmobilien. Der Claim „Simplified Deal Execution" beschreibt das Zielbild: ein Marktwert, der schnell und datenbasiert ermittelt wird. Die Zwei-Domain-Struktur ist hybrid aufgestellt – immoki.at adressiert den österreichischen Consumer-Kanal, immoki.co positioniert sich für „Enterprise Property Valuations DACH/CEE".

Methodisch geht ImmoKI einen auffällig puristischen Weg. Silber ohne Umschweife: Es sei keine KI, die die Bewertung mache. Die Bewertung selbst sei ein selbst entwickeltes statistisches Modell mit regelbasiertem Algorithmus. KI-Tools kämen nur bei der Aufbereitung der Reports zum Einsatz. Für gleiche Inputs komme immer das gleiche Ergebnis heraus. Das ist im aktuellen Marktklima, in dem „KI" als Suffix beliebig angeheftet wird, eine bemerkenswerte Selbstpositionierung.

Der zweite Differenzierungspunkt ist Back-Testing. Silber nennt es im O-Ton „Recreation Testing" – ImmoKI prüft die eigenen Bewertungen gegen laufende Transaktionen zurück, mit Kennzahlen, die nach Eigenangabe offengelegt werden können. Publiziert sind diese Zahlen zum Redaktionsschluss nicht.

Personell ist Silber die identifizierbare Figur: MRICS-zertifiziert, Donau-Universität Krems, seit 2012 im Immobilieninvestment mit der Silfin-Gruppe, die sich 2022 in Caelia Group umbenannt hat. Der von Silber im Interview erwähnte britische CEO wurde in der Redaktion nicht nachrecherchiert.

ImmAzing: der methodische B2B-Kern

Die DataScience Service GmbH (DSS), ein INiTS-Spin-off aus 2016 mit Sitz in der Wiener Neubaugasse, ist das methodisch tiefste österreichische AVM-Angebot. ImmAzing kombiniert Generalized Additive Models in der hedonischen Regression mit Deep-Learning-Modulen für Bildbewertung und Machine-Learning-Modellen für Energieausweis-Extraktion. Die Gründer Wolfgang Brunauer – vormals Unicredit Bank Austria Credit Risk – und Ronald Weberndorfer haben den Ansatz in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert. Das Unternehmen wurde mit EU-Mitteln aus Horizon 2020 unterstützt und beschäftigt rund 35 Mitarbeiter.

Die Datenbasis: alle verfügbaren Kaufverträge seit 2008, nach Eigenangabe rund 100.000 Transaktionen pro Jahr, ergänzt um Grundbuch-, Kataster- und Geodaten. ImmAzing liefert den Wohnimmobilienpreisindex der Oesterreichischen Nationalbank seit über 15 Jahren – eine institutionelle Rückendeckung, die weder ImmoKI noch VALERI vorweisen können.

Produktseitig operiert DSS als reiner B2B-Anbieter: API, mobile App, Portfolio-Monitoring, PDF-Exposés mit Marktwert sowie Ober- und Untergrenze. Bestätigte Bank-Referenzen sind Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Volksbank Wien und der Kreditvermittler INFINA. Die Preise beginnen bei 49 Euro monatlich für fünf Objekte. Eigene Backtest-Kennzahlen – MAPE, Median-Fehler, Perzentil-Abweichungen – publiziert DSS trotz methodischer Tiefe nicht.

VALERI: das B2C-Tool des Marktführers

VALERI, das Online-Bewertungstool der Raiffeisen-Immobilien-Gruppe, ist im April 2021 gestartet. Raiffeisen Immobilien ist mit rund 37 Millionen Euro Honorarumsatz die umsatzstärkste Makler-Dachmarke Österreichs und bedient damit die breiteste Endkundenschnittstelle. Technischer Entwicklungspartner der Tiroler Variante ist ImmoVarianz; für die bundesweite valeri.at-Plattform ist der Anbieter nicht öffentlich ausgewiesen.

Die Datenbasis ist strukturell kleiner: rund 7.000 eigene Vermittlungen und 4.000 Bewertungsgutachten pro Jahr aus dem Raiffeisen-Netzwerk. Ein systematischer Grundbuch-Abgleich – in Österreich Goldstandard, da Angebotspreise strukturell nach oben verzerren – wird nicht dokumentiert. Als Verfahren kommt de facto ein Vergleichswertansatz auf Inhouse-Transaktionen zum Einsatz. Das Tool ist kostenlos, liefert eine Preisspanne als PDF, verlangt aber die Herausgabe von Kontaktdaten: klassische Lead-Generation.

Der Disclaimer auf den Raiffeisen-Seiten ist explizit: Der Online-Rechner ersetze keine fachkundige Bewertung. Das ist redaktionell zu würdigen – eine B2C-Indikation tritt nicht mit dem Anspruch eines LBG-Gutachtens an.

Die gemeinsame Leerstelle

Keiner der drei Anbieter publiziert öffentlich verifizierbare Accuracy-Kennzahlen. ImmoKI verspricht die Offenlegung, der Beweis steht aus. ImmAzing hat die Substanz für belastbare Backtests, verzichtet öffentlich darauf. VALERI positioniert sich ohnehin nicht mit diesem Anspruch.

Der regulatorische Rahmen bleibt klar: § 3 Liegenschaftsbewertungsgesetz und ÖNORM B 1802-1:2022 schließen statistische Werteinschätzungen aus dem Gutachtenbegriff aus. Ein AVM-Output ist nicht gerichtsfest. Für Bankbewertungen gilt Artikel 208 CRR in der Fassung der CRR III (Verordnung 2024/1623, Geltung seit 1. Januar 2025): Statistische Methoden sind für Monitoring zugelassen, nicht als alleinige Origination-Bewertung. Die EBA Guidelines on Loan Origination (EBA/GL/2020/06, Abschnitt 7.4) verlangen Back-Testing und unabhängige Validierung. Eine aufsichtliche Whitelist existiert nicht – Banken müssen eigenverantwortlich validieren.

Vergleichstabelle

Dimension

ImmoKI (Wien)

ImmAzing / DSS

VALERI / Raiffeisen

Launch

Februar 2026

2016 (DSS), ImmAzing seit 2018

April 2021

Zielmarkt

B2C .at + B2B DACH/CEE

B2B (Banken, Makler, SV)

B2C (Lead-Gen)

Sitz

Wien

Wien, 1070

Wien (Raiffeisen-Gruppe)

Methodik

regelbasiertes statistisches Modell

hedonisch (GAM) + Deep Learning + ML

Vergleichswert auf Inhouse-Transaktionen

Datenbasis

nicht publiziert

~100.000 Kaufverträge/Jahr seit 2008

~7.000 Vermittlungen + 4.000 Gutachten/Jahr

Back-Testing

angekündigt, noch nicht publiziert

nicht publiziert

nicht publiziert

OeNB-/TU-Wien-Kooperation

nein

ja (WIPX seit 15+ Jahren)

nein

Mitarbeiter

nicht öffentlich

~35

Teil Raiffeisen-Gruppe

Banken-Referenzen

keine dokumentiert

RLB NÖ-Wien, Volksbank Wien, INFINA

nicht einschlägig

UK-Exposure

strategisch, CEO britisch

nein

nein

Fazit

Drei Anbieter, drei Positionen. ImmAzing bleibt der methodisch ambitionierteste B2B-Rechenkern mit der tiefsten Datenbasis. VALERI ist das transparent positionierte Lead-Tool des Marktführers. ImmoKI ist der Newcomer mit dem konsequentesten Anti-KI-Statement des Feldes – und dem ausdrücklichen Versprechen, Back-Testing-Kennzahlen offenzulegen. Ob Silber dieses Versprechen einlöst, ist der entscheidende Prüfpunkt der nächsten zwölf Monate.

Wer im Frühjahr 2026 einen AVM-Partner auswählt, sollte von allen drei Anbietern dasselbe einfordern: publizierte, unabhängig validierte Trefferquoten. Ohne diese Zahl bleibt jede Bewertung eine Behauptung. Mit ihr wird aus PropTech ein prüfbares Werkzeug.

Transkript

0:00 Mein Name ist Alex Silber. Ich bin Immobilienprofessional seit über 20 Jahren. Ich war in Banken, Investmentfonds. Ich habe als Broker gearbeitet und auch als Berater. Und seit zwei Monaten haben wir ein neues Immobilien-Start-up und seit circa eineinhalb Jahren arbeiten wir daran, dieses Modell oder dieses Start-up zu entwickeln und zu bauen. Dann bleiben wir gleich beim Start-up. Worum geht es? Es geht um automatische Immobilienbewertung für Wohnimmobilien. Ganz kurz: schnell, einfach und kosteneffizient. Ihr habt da einen Claim mit Seamless Deal Execution.

0:41 Das ist dann die Folge daraus, würde ich sagen. Wenn man einfach und schnell bewerten kann oder den Marktwert kennen kann, ist es natürlich auch immer die Basis, Deals oder Transaktionen schneller abwickeln zu können, sowohl für Private als auch für Profis. Wir haben es heute in den Fragen auch schon einmal gehört: Je nachdem, welche Bewertungsplattform man nimmt, kriegt man immer ein bisschen einen anderen Wert raus. Wie stellt ihr denn in eurem Programm sicher, dass es ein valider, guter Wert ist? Wir können natürlich auch keinen Wert zaubern. Wir machen keine Märchenstunde, sondern es ist alles

Vollständiges Transkript anzeigen

1:22 datenbasiert bei unserer Bewertung. Und wo wir uns auch unterscheiden von anderen: Wir machen Backtesting, also Regression Testing. Das heißt, wir testen zurück. Unsere Werte, die wir aufrufen und bewerten, testen wir mit aktuellen Transaktionen zurück und das auf einer großen Basis und haben hier Kennzahlen, die wir auch offenlegen können, die beweisen, dass wir objektiv gesehen richtig liegen. Ist mir gerade aufgefallen: Wir haben noch gar nicht gesagt, wie das Unternehmen heißt. Imoki GmbH. Das war ein Wortspiel zu der Zeit, wie wir uns den Namen überlegt haben, war KI noch sehr viel präsenter und das war

2:02 sozusagen aus einer Gelegenheit heraus, einfach einen Namen zu finden. Obwohl wir natürlich, es ist keine KI, die unsere Bewertung macht, sondern wir haben natürlich KI-Tools, die uns helfen, unsere Reports zu verfeinern und zu präsentieren. Aber die Bewertung an sich ist ein statistisches Modell, das wir selbst entwickelt haben. Das ist nicht eine KI, die im Hintergrund arbeitet oder ratet oder Märchen erzählt. Das heißt, da braucht es einen regelbasierten Algorithmus, damit sichergestellt ist, dass immer das Gleiche herauskommt. Ja, genau. Warum hast du dich entschieden, heute hier am French Start-up Vienna

2:37 Frühstück zu präsentieren? Wir wurden gefragt und wir haben gefunden, das ist eine gute Gelegenheit, erstmals in der Öffentlichkeit unsere Idee und unsere Firma und unser Modell zu präsentieren. Und wie so oft ist es einfach ein privater Zufall. Einer der Organisatoren ist ein Segelfreund von mir. Jetzt ist, wenn man mit Leuten von zum Beispiel der TU oder verschiedenen Fachhochschulen redet, dann hört man immer wieder: „Frankreich ist so das Zentrum der KI-Szene in Europa und auch der Tech-Szene ein bisschen geworden." Siehst du das auch so? Können wir von Frankreich viel lernen oder können wir auch

3:13 was zurückgeben? Man kann generell vom Ausland viel lernen, vor allem wenn man selber ins Ausland geht und sich anschaut, was andere dort besser machen. Ich persönlich glaube, dass England eher das Zentrum ist für unsere Peer Groups, für Valuation KIs. Frankreich ist sicher auch sehr weit, haben wir gesehen, aber es ist generell gut, sich mit dem Ausland auszutauschen. Österreich ist ein kleines Land, da geht es nicht ohne Austausch. Österreich ist ja eigentlich relativ Start-up-freundlich von der Gründung her mit der FlexCo auch jetzt relativ einfach, hat aber ein Problem dann, wenn sie größer werden, die Scale-ups im Land zu behalten, weil einfach

3:51 zu wenig Kapital da ist. Was wäre denn da deine Forderung an die österreichische Politik, zu sagen, da müsst ihr was machen und was? Natürlich, Kapitalmarkt ist ein großes Thema. Wir schauen immer nach dem, einer meiner Co-, also der Co-Founder Engländer ist und ich selbst in England ständig bin. In England ist es kein Problem, Start-ups oder Firmen zu finanzieren. Bei uns schon. Und da können wir uns natürlich mehr abschauen von England. Und hier ist vor allem, wir brauchen einen liberalen Kapitalmarkt, der weg von der Bankfinanzierung geht. Banken sind sehr zurückhaltend, gerade jetzt, und deswegen brauchen wir einen

4:25 alternativen Kapitalmarkt und da muss der Staat Rahmenbedingungen schaffen, durch Steuererleichterungen, durch Deregulierung und um sozusagen das Kapital, das bei den Leuten sitzt, zu motivieren. Die Österreicher haben letztes Jahr 20 Milliarden Euro gespart, im Jahr davor 19 Milliarden Euro. Das sitzt alles auf Sparkuthaben bei den Banken, die es nicht mehr nach außen geben. Und dieses Kapital muss natürlich motiviert werden, auch in Start-ups zu investieren. Nicht nur, weil ich glaube, es ist nicht gut, wenn meine Großmutter in ein Start-up investiert, aber es gibt genug Kapital, das motiviert werden kann, in Start-ups auch investiert zu

5:01 werden. Zum Schluss ein kurzes Gedankenspiel: Wenn du heute Abend vor dem Schlafengehen im Bett liegst, was geht dir aus dem Vormittag noch mal durch den Kopf? Franzosen sind sehr gastfreundliche Menschen, genauso wie die Österreicher, und deswegen verstehen wir uns so gut. Die Location war toll und die Audience war gut und auch meine Mitpräsentatoren waren sehr interessant für mich, wo auch wir wieder was gelernt haben.

Hat ihnen dieses Video gefallen?

Diskussion zum Artikel

Sei der/die Erste, der/die diesen Artikel diskutiert.

Logo

In einem sich stetig wandelnden Immobilienmarkt ist zeitnahe und präzise Information von unschätzbarem Wert für strategische Entscheidungen und nachhaltige Investitionen.

Kategorien

Quicklinks

Rechtliches

© 2026 Die unabhängige Immobilien Redaktion. Made with ♥️ by  Gerhard Popp