Boom im europäischen Hotelinvestmentmarkt
Alexander Trobitz FRICS, Head of Hotel Services und Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH, zeichnete ein differenziertes Bild: Die Schere zwischen Performance und Stillstand wird größer, die Wahl des richtigen Formats entscheidend. „Es geht darum, ob es ein Konzept ist, das nachhaltig am Markt funktioniert und von diesem Betreiber an diesem Standort so erfolgreich geführt werden kann, dass es einen Rent Coverage Ratio von mindestens 1,4 bis 1,5 erwirtschaftet. Sonst bekomme ich das Haus nicht verkauft", so Trobitz. Als Analyseinstrument empfahl er das Dreieck aus Standort, Betreiber und Konzept. Herwig M. Peham MRICS, Head of Investment bei EHL Investment Consulting, ergänzte mit eindrücklichen Zahlen: Wien verzeichnete 2025 über 20 Millionen Nächtigungen, Hospitality machte im ersten Quartal 2026 bereits 27 Prozent des österreichischen Transaktionsvolumens aus. „Wir sehen eine sehr starke Pipeline im Hospitality-Bereich", so Peham.
Betreibermodelle: Rechtliche Gestaltung als Erfolgsfaktor
Dr. Peter Wagesreiter, LL.M. (UPenn), Partner bei HSP.law, verwies auf eine wesentliche Marktverschiebung: „Es gibt kaum mehr einen Miet- oder Pachtvertrag fixen Mietzins, weil die Wirtschaftslage unberechenbar ist und der Mietzins verstärkt umsatz- oder gewinnabhängige Komponenten bekommt. Managementverträge finden immer öfter die Form, dass die großen Brands nur ihre Marke und ihr Know-how stellen, der Betrieb dann aber von dritten großen Betreiberfirmen geführt wird." Die Bonität potenzieller Betreiber:innen werde heute wesentlich genauer geprüft, eine Bankgarantie statt einer Patronatserklärung sei zunehmend Standard.
Podiumsdiskussion: Markt und Modelle im Gespräch
Die abschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Mag. Franz Pöltl FRICS, EHL Investment Consulting, vereinte Alexander Trobitz (BNP Paribas Real Estate), Bastian Helfrich (hero group, doverys hospitality), Dr. Daniel Jelitzka sowie DI Fisnik Mehmedi (Viridis Real Estate Services, Lumya Living). Dr. Jelitzka mahnte zur Sorgfalt: „Das NOI [Anm.: Net Operating Income] muss performen – das schönste Projekt hilft nichts, wenn ich nur einen Debt Service Coverage Ratio von 1,2 habe. Und am Schluss muss ja auch der Exit funktionieren." Bastian Helfrich betonte die Notwendigkeit echter Differenzierung: „Man braucht eine Unterscheidungskraft. Es ist umso wichtiger, einem Objekt echten Hotelcharakter zu geben." Fisnik Mehmedi ergänzte: "Nutzer:innen denken nicht in Asset-Klassen. Sie erwarten räumliche Qualität, Service, Flexibilität und ein Umfeld, das zu ihrem Lebensstil passt. Genau deshalb wachsen die Grenzen zwischen verschiedenen Hospitality-Konzepten – von Short Stay bis Long Stay – zunehmend zusammen. Internationale Investor:innen haben diesen Wandel längst erkannt und stellen ihre Portfolios entsprechend breiter auf." Einigkeit herrschte darin, dass Hospitality strukturelle Vorteile biete, die andere Asset-Klassen nicht aufweisen könnten. Jelitzka brachte es auf den Punkt: „Wir haben eine Asset-Klasse, bei der Betreiber:innen auf Kostensteigerungen und Energiepreise täglich reagieren können. Das nimmt Druck vom Eigentümer."
Über den ImmoDienstag
Seit 2014 lädt der ImmoDienstag regelmäßig zu einer Info- und Netzwerkveranstaltung in Wien ein. Was einst als Geheimtipp galt, ist heute ein Fixpunkt und anerkannter Expert:innentreffpunkt der österreichischen Immobilienwirtschaft.
Das Format vereint kompakte Vorträge und eine Podiumsdiskussion zu aktuellen Themen und künftigen Entwicklungen der Branche mit ausreichend Raum für persönlichen Austausch beim abschließenden Networking. Der ImmoDienstag ist kostenlos und richtet sich exklusiv an Bauträger:innen, Immobilienentwickler:innen und Immobilieninvestor:innen. Die verfügbaren Plätze sind vorrangig Kund:innen und potenziellen Kund:innen der veranstaltenden Partner vorbehalten und werden je nach Zielgruppe und Verfügbarkeit geprüft.
Verantwortlich für das Format zeichnen EHL Immobilien, HSP.law, HAWLIK GERGINSKI Architekten und TPA Steuerberatung.