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Immobilienwirtschaft – WKÖ-Oberndorfer: 2026 als Wendepunkt für den Wohnungsmarkt

vor 11 Stunden

3 Minuten

Roman Oberndorfer Fachverbandsobmann der WK Immobilien
Roman Oberndorfer Fachverbandsobmann der WK Immobilien
© WKO
Roman Oberndorfer

Fachverband Immobilien warnt vor Investitionsbremsen und Rechtsunsicherheiten – Branche fordert stabile Rahmenbedingungen und sieht Chancen bei ausgewogener Mietrechtsreform.

„Das Jahr 2026 beginnt für die Immobilienwirtschaft mit außergewöhnlichen Herausforderungen, die nicht nur einzelne Details betreffen, sondern die grundlegenden Rahmenbedingungen für Vermietung, Verwaltung, Vermittlung und Investitionen nachhaltig verändern“, hielt Roman Oberndorfer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Montag, vor Medienvertreter:innen fest.
Konkret betreffen diese Herausforderungen neue gesetzliche Eingriffe in bestehende Vertragsstrukturen, wachsende regulatorische Anforderungen, eine weiterhin angespannte Finanzierungslage sowie zunehmende Rechtsunsicherheit bei langfristigen Investitionsentscheidungen. Diese Faktoren wirken sich unmittelbar auf Neubau, Sanierung, Bestandserhaltung und das Angebot an leistbarem Wohnraum aus.
Der Immobilienwirtschafts-Branchensprecher sieht das Jahr 2026 daher jedenfalls als „Wendepunkt für den Wohnungsmarkt“.

Rückblick: Markt seit Jahren unter Druck

Die österreichische Immobilienwirtschaft steht nicht erst seit 2025 unter massivem Druck. Neben stark gestiegenen Bau- und Errichtungskosten, massiv erhöhten Zinsen und sehr restriktiven Kreditvergaberichtlinien haben auch stetig zunehmende regulatorische Anforderungen das Marktumfeld deutlich verschärft.

Nach Jahren sehr hoher Nachfrage wurde der Markt ab 2022 spürbar gebremst. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die Zinsentwicklung, die KIM-Verordnung sowie hohe Baukosten. Viele potenzielle Käufer:innen mussten ihre Kaufentscheidungen nicht aus mangelndem Interesse, sondern aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten verschieben.

Trotz dieser Rahmenbedingungen hat die Branche Verantwortung übernommen: Immobilien wurden errichtet, Wohnungen laufend verwaltet und instandgehalten, Mietverhältnisse stabil betreut und Sanierungen dort umgesetzt, wo sie wirtschaftlich noch darstellbar waren.

„Die Leistungen der gewerblichen Immobilienwirtschaft werden oft unterschätzt. Dabei sichern Bauträger, Immobilienmakler und Immobilienverwalter die Versorgung mit Wohnraum und die Qualität unseres Bestands entscheidend“, rief Fachverbandsobmann Oberndorfer in Erinnerung.

Vorschau 2026: Neue gesetzliche Rahmenbedingungen

Mit Jahresbeginn 2026 sind das Mietenwertsicherungsgesetz (MieWeG) sowie neue Befristungsregelungen für Wohnimmobilien in Kraft getreten. Zusätzlich steht eine umfassende Mietrechtsreform auf der politischen Agenda der Bundesregierung.

Diese Kombination aus bereits umgesetzten Maßnahmen und angekündigten weiteren Eingriffen führt in der Branche zu spürbarer Rechtsunsicherheit – mit direkten Auswirkungen auf bestehende Mietverträge, Investitionsentscheidungen, Finanzierungsmodelle, Sanierungen sowie das künftige Wohnungsangebot.

„Investitionen in Wohnraum benötigen stabile, verlässliche und langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen. Jede zusätzliche Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus“, betonte Oberndorfer.

Neubau, Sanierung und Finanzierung unter Druck

Die Auswirkungen der aktuellen Rahmenbedingungen zeigen sich besonders deutlich im Neubau- und Sanierungsbereich:

•          Die Neubauzahlen befinden sich österreichweit auf einem historischen Tiefstand.

•          Viele Sanierungsprojekte werden verschoben oder ganz abgesagt.

•          Die Sanierungsrate liegt deutlich unter den politischen Zielsetzungen.

•          Hohe Baukosten treffen auf steigende regulatorische Anforderungen.

Ein zentraler Engpass bleibt die Finanzierung. Restriktive Kreditvergaben, hohe Eigenkapitalanforderungen und große Zurückhaltung der Banken bremsen selbst wirtschaftlich solide und nachhaltige Projekte.

„Ohne verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es keinen Neubau, keine Sanierung und damit kein ausreichendes Wohnungsangebot“, unterstrich Oberndorfer.

Mietenwertsicherungsgesetz: Kritik an der Umsetzung

Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder hat das Mietenwertsicherungsgesetz von Beginn an kritisch, aber konstruktiv begleitet. Ziel war eine zeitlich begrenzte Entlastung, ohne langfristige Schäden für den Wohnungsmarkt zu verursachen.

Zentrale Forderungen der Branche – insbesondere der Verzicht auf eine Parallelrechnung sowie eine klare Befristung – fanden jedoch keinen Eingang ins Gesetz.

„Das Mietenwertsicherungsgesetz ist in der Praxis sehr komplex, schafft zusätzliche Bürokratie und verunsichert bestehende Mietverhältnisse. Gleichzeitig bleibt die Wertsicherung unverzichtbar, um langfristige Verträge fair zu gestalten und Investitionen abzusichern“, erklärte Oberndorfer.

Rechtssicherheit durch das ZIAG

Positiv bewertet der Fachverband hingegen das Zivilrechtliche Indexierungs-Anpassungsgesetz (ZIAG), das für mehr Klarheit bei Wertsicherungsvereinbarungen sorgt.

„Mit dem ZIAG wird bestätigt, was in der Praxis jahrzehntelang als selbstverständlich galt. Es schafft Rechtssicherheit, Planbarkeit und schützt das Vertrauen in bestehende Verträge“, erläuterte Rudolf North, Geschäftsführer des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Schlüsselthemen Ausbildung und Nachwuchs

Die Immobilienwirtschaft benötigt hochqualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig steht die Branche vor zunehmendem Fachkräftemangel und sinkenden Lehrlingszahlen.

Ein zentrales Instrument der Nachwuchsgewinnung ist die Bundeslehrlingstagung, die heuer vom 22. bis 25. September 2026 an der Landesberufsschule Tamsweg stattfindet. 321 Lehrlinge haben in der Vergangenheit von den Branchenexperten lernen können.

„Die Veranstaltung verbindet fachliche Inputs und Praxisexkursionen und vermittelt jungen Berufsanwärterinnen und -anwärtern praxisnahes Fachwissen, Motivation sowie branchenspezifische Kompetenzen. Sie ist ein wichtiger Baustein, um den Fachkräftenachwuchs für die Zukunft zu sichern“, so Oberndorfer.

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