Sie versprechen Heizkostenreduktion mit Technik und KI im mehrgeschoßigen Wohnbau. Beginnen wir mit der Technik. Wie funktioniert das?
Kevin Bauer: 80 Prozent der Zentralheizungen im mehrgeschoßigen Wohnbau sind ineffizient, weil keiner die Heizungen richtig einstellt. Dieses Problem lösen wir, indem wir die Heizanlagen mittels IoT digitalisieren und mit KI für jedes Objekt die optimalen Einstellungen identifzieren und integieren.
Gabriel Brandstetter: Wir haben eine inhouse entwickelte IoT-Box, mit der wir die bestehende Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie weitere noch fehlende Datenpunkte mittels seperater Sensorik digitalisieren und die Daten mit unserer Cloudplattform connecten, visualisieren und remote auch in die Steuerung der Heizung eingreifen können. Unsere KI wird auf Basis der Daten aus den Gebäuden trainiert, analysiert die Gebäude und schlägt dann spezifische Optimierungen für das Gebäude vor.
Heißt das, Sie sind bei der technischen Umsetzung auf den jeweiligen Energieanbieter angewiesen?
KB: Eine gute Zusammenarbeit hilft uns sehr und macht die Umsetzung von Optimierungsprojekten einfacher. Speziell bei Fernwärme sind die Wärmezähler im Eigentum des Fernwärmelieferanten. Können wir die bestehenden Wärmezähler connecten, ist die Umsetzung von Optimierungen viel einfacher und vor allem für den Endkonsumenten, also den Mieter, kostengünstiger.
GB: Bei Gas-Zentralen und Wärmepumpen sind die Optimierungen viel einfacher, denn die sind fast immer zu 100 Prozent im Eigentum des Gebäudebesitzers. Wichtig ist, dass der Gebäudebesitzer Herr der eigenen Heizzentrale ist und in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum Energieanbieter steht.
Wie läuft die Abstimmung in der Praxis ab? In Wien gibt es rund 25 Energielieferanten – mit Wien Energie als Marktführer. Ich stelle mir das nicht so einfach vor.
GB: Wir müssen beim Energieanbieter natürlich herausfinden, wer der Ansprechpartner für die Wärmezähler sowie für die Regelung ist und dort dann anfragen, ob wir die bestehende Infrastruktur im Auftrag des Gebäudebesitzers connecten „dürfen“.
KB: Manchmal sind die Ansprechpartner sehr kooperativ und manchmal genau das Gegenteil, da Transparenz bzw. Energieoptimierungen aus Sicht des Energieanbieters nicht gewünscht bzw. oft auch als extra Aufwand gesehen werden. Je größer die Unternehmen, desto schwieriger die Kooperation.
Das klingt nach Hürde und nicht nach Hilfe.
KB: Es ist schon ein sehr großer bürokratischer Aufwand, den wir uns hier antun, ja. Technisch ist das alles nicht komplex, organisatorisch ist es insbesondere im Bereich der Fernwärmeanbieter sehr mühsam mit wenig befriedigenden Ergebnissen. Sehr absurd, da nahezu alle Energieanbeiter öffentliche Unternehmen sind und Energieoptimierung im Allgemeininteresse sein sollte – insbesondere in Zeiten wie diesen.
Viele Wiener Gebäude verfügen über veraltete Rohrsysteme und andere ältere Gebäudetechnik. Funktioniert das Wohnio-System auch in solchen Bestandsanlagen zuverlässig und kann es dort ebenfalls Heizkosten senken?
GB: Das Wohnio-System funktioniert in allen Gebäuden mit Zentralheizungen, egal ob Gas-Zentrale, Fernwärme, Pellets oder Öl. Es ist auch egal, wie alt die Anlage ist – sowohl bei Zwei-Rohr- als auch bei Ein-Rohr-Systemen. Nur bei Gasetagenheizungen können wir leider nicht helfen.
Was können Sie uns über den KI- und IoT-Teil Ihrer Lösung verraten?
KB: Via IoT connecten wir die Heizzentralen und bringen die Daten auf unsere Plattform. Dort werden die Gebäude dann analysiert, und mittels KI identifzieren wir dann die optimalen Heizungseinstellungen für das jeweilige Gebäude.
Welche Investitions- und Installationskosten fallen für ein Wohnhaus typischerweise an?
GB: Die Investitionskosten sind sehr gering und im niedrigen vierstelligen Bereich, wenn der Energieanbieter nicht blockiert. Wenn der Energieanbieter nicht kooperiert, steigen jedoch die Kosten für den Eigentümer, der diese dann natürlich an den Endverbraucher weiterverrechnet.
Wie schnell amortisiert sich das Wohnio-System in mehrgeschoßigen Wohnbauten?
KB: Bei einem Gebäude mit zum Beispiel 30 Wohneinheiten, die um die Jahrtausendwende errichtet wurden, amortisiert sich unsere Lösung normalerweise innerhalb von maximal drei Jahren.
Und wann spüren die Bewohner die erste Heizkostenreduktion?
KB: Bei der ersten Heizkostenrechnung. Weniger Verbrauch bedeutet niedrigere Kosten. Sparen wir rund 15 Prozent Energie ein, ist das im Durchschnitt eine höhere Einsparung als die Reduktion der Steuer auf Grundnahrungsmittel.