FAKTEN:
Leichte Stabilisierung der Konsumausgaben, aber weiterhin schwache Handelskonjunktur
Steigende Kosten und Kaufzurückhaltung belasten den stationären Handel massiv
Online-Handel gewinnt weiter deutlich Marktanteile
Hohe Insolvenzzahlen prägen den österreichischen Handel
Expansion erfolgt zunehmend selektiv und konzentriert sich auf Gewinnersegmente
Handelsimmobilien entwickeln sich stärker zu Erlebnis- und Mixed-Use-Standorten
Hohe Kosten, verhaltene Konsumausgaben, zunehmender Wettbewerbsdruck durch den Online-Handel sowie geopolitische Unsicherheiten belasten den stationären Handel weiterhin massiv. Gleichzeitig verändert sich der Markt strukturell zunehmend in Richtung preisorientierter Konzepte, Nahversorgung und multifunktionaler Handelsstandorte.
1. DIE BASIS: DIE SITUATION IM ÖSTERREICHISCHEN HANDEL
Die heimische Wirtschaft hat nach mehreren äußerst schwierigen Jahren zwar erstmals wieder ein leichtes Wachstum erzielt, von einer echten wirtschaftlichen Trendwende kann jedoch weiterhin keine Rede sein.
1.1 BIP-Entwicklung
Nachdem das österreichische BIP im Jahr 2023 um -0,8 % zurückging und die heimische Wirtschaftsleistung 2024 nochmals um -0,8 % gefallen ist (Statistik Austria), entwickelte sich auch das Jahr 2025 schwächer als ursprünglich erwartet. Laut Statistik Austria ist das reale Bruttoinlandsprodukt 2025 lediglich um +0,6 % gewachsen (Statistik Austria, März 2026).
1.2 BIP-Prognose
Während man noch Ende 2024 davon ausgegangen ist, dass sich die Wirtschaftslage 2025 spürbar erholen würde, haben sich diese Prognosen erneut als zu optimistisch erwiesen. Das WIFO war ursprünglich von einem Wachstum von +1,8 %, das IHS von +1,5 % ausgegangen. In weiterer Folge mussten die Prognosen jedoch mehrfach nach unten revidiert werden. Zwar gehen WIFO und IHS aktuell davon aus, dass die österreichische Wirtschaft 2026 moderat wachsen wird, gleichzeitig bleiben die Risiken hoch.
1.3 Geopolitik
Vor allem geopolitische Unsicherheiten, steigende Energiepreise, die schwache Industriekonjunktur in Europa sowie die Auswirkungen des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran sorgen wieder für zunehmende Unsicherheit (WIFO/IHS Prognose April 2026; Handelsverband, März 2026).
1.4 Problemursachen
Besonders stark betroffen bleiben zentrale Bereiche der österreichischen Wirtschaft. Industrie und Bauwirtschaft kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Finanzierungskosten und rückläufiger Investitionstätigkeit.
1.5 Konsumausgaben
Wie schon in den Vorjahren wirkt sich die schwache Konjunktur auch auf die privaten Konsumausgaben aus. Die erhoffte Trendwende war zwar in Ansätzen sichtbar, insgesamt bleibt die Konsumdynamik jedoch verhalten. Laut WIFO ist die Konsumnachfrage der privaten Haushalte 2025 real lediglich moderat gewachsen.
1.6 Einzelhandelskonjunktur
Gleichzeitig entwickelte sich auch die Einzelhandelskonjunktur weiterhin schwach. Laut Statistik Austria stiegen die Umsätze des österreichischen Einzelhandels (ohne Kfz) im Jahr 2025 nominell um +2,9 %, real lag das Wachstum allerdings lediglich bei +0,7 % (WIFO Konjunkturreport Einzelhandel 2026; Statistik Austria, März 2026). „Es ist nach wie vor ein vorsichtiges Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Gleichzeitig sehen wir aber, wie fragil diese Entwicklung bleibt. Hohe Kosten, geopolitische Risiken und die anhaltende Kaufzurückhaltung sorgen dafür, dass von einer echten Entwarnung für den österreichischen Handel noch keine Rede sein kann“, sagt Mag. Stefan Krejci, MRICS, von REMAX Commercial Austria.
AUSWIRKUNGEN AUF HANDELSIMMOBILIEN
2.1 Auch in Toplagen neue Konzepte möglich
Auch 2025 ergaben sich in absoluten Toplagen Einstiegsmöglichkeiten für neue Konzepte. Betriebsaufgaben, Flächenoptimierungen und Standortveränderungen bestehender Händler führen dazu, dass selbst in hochfrequentierten Innenstadtlagen immer wieder attraktive Flächen verfügbar werden.
2.2 Neue Mietinteressenten
Die Nachfrage kommt vor allem von klar positionierten Handelskonzepten wie preis- orientierten Retailketten, internationalen Lifestyle-Marken sowie modernen Entertainment- und Freizeitnutzungen. Neueinstiege kommen dabei vielfach aus der internationalen Markenwelt und dienen neben dem klassischen Vertrieb zunehmend auch dem Branding sowie der stärkeren Sichtbarkeit in frequenzstarken Lagen. Darüber hinaus bleibt auch das Interesse aus den Bereichen Gastronomie, Freizeit und E-Mobilität hoch. Vor allem Systemgastronomen wie KFC, L’Osteria, Le Burger oder Kaiser’s suchen weiterhin gezielt nach gut positionierten Standorten in Einkaufszentren, Innenstadtlagen und Fachmarktzentren. KFC eröffnete zuletzt unter anderem einen neuen Flagship-Standort in Wien Mitte – The Mall, während Kaiser’s neue Standorte im City Center Amstetten sowie in der Innenstadt von St. Pölten angekündigt hat.
Gleichzeitig expandieren internationale Retail- und Lifestyle-Konzepte wie Søstrene Grene, Mango oder BYD mit neuen Store- und Showroomkonzepten in stark frequentierten Handelslagen. Søstrene Grene eröffnete 2025 einen neuen Store auf der Wiener Mariahilfer Straße, während BYD mit neuen Retail- und Showroomflächen unter anderem in der Shopping City Seiersberg präsent ist. Auch das Luxus- und Premiumsegment zeigt sich trotz des herausfordernden Marktumfeldes weiterhin vergleichsweise stabil. Internationale Marken investieren selektiv in neue Standorte oder modernisieren bestehende Flächen, wobei insbesondere Toplagen und touristisch geprägte Handelsstandorte wie Wien, Salzburg oder das Designer Outlet Parndorf gefragt bleiben. Zuletzt wurden unter anderem neue bzw. modernisierte Flächen von Marken wie Mango, Wolford oder Peek & Cloppenburg in hochfrequentierten Handelslagen eröffnet beziehungsweise erweitert.
2.3 Flächenreduktion scheint unaufhaltsam
Weder neue Markteintritte noch selektive Expansionen können den langfristigen Trend der Flächenreduktion aufhalten, der bereits deutlich vor der Covid-Pandemie eingesetzt hat. Einen umfassenden Überblick über die Verkaufsflächenentwicklung in Österreich liefert der jährlich erscheinende „City Retail Health Check“ von Standort + Markt gemeinsam mit dem Handelsverband. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im Mode- und Schuhhandel. Laut Standort + Markt gingen allein in diesem Segment die Verkaufsflächen in den vergangenen zehn Jahren um rund -18 % zurück (Standort + Markt / City Retail Health Check 2025).
2.4 Flächenreduktion in den 20 größten Städten
2025 setzte sich der langfristige Trend sinkender Verkaufsflächen fort. Bereits im Jahr 2024 waren die Verkaufsflächen in den 20 größten Städten Österreichs erneut rückläufig (-0,4 %, ohne Berücksichtigung der Vio Plaza-Eröffnung in Wien). Besonders betroffen bleiben klassische innerstädtische Handelslagen sowie kleinere Städte. In sieben von zehn Innenstadtbereichen der größten Städte Österreichs sowie in 13 von 16 untersuchten Kleinstädten reduzierten sich die Verkaufsflächen weiter. Gleichzeitig stieg die Leerstandsquote in den 24 größten Innenstadtbereichen Österreichs von 4,9 % auf 5,5 %. In Kleinstädten liegt dieser Wert mittlerweile bereits bei 15,6 % (Standort + Markt / City Retail Health Check 2025).
2.5 Angebotsstruktur in Innenstädten wandelt sich
Dadurch verändert sich auch die Angebotsstruktur vieler Innenstädte nachhaltig. Vor allem der klassische Modehandel hat in den vergangenen Jahren massiv an Fläche verloren. Gleichzeitig stoßen auch einzelne Gastronomiebereiche zunehmend an Sättigungsgrenzen. Hoffnungsträger vieler Innenstädte bleiben daher Dienstleistungsangebote, Gesundheitsnutzungen sowie ergänzende Freizeit- und Nahversorgungskonzepte.
2.6 Nachnutzung ehemaliger Großflächen
Bei der Nachverwertung ehemaliger Handelsimmobilien kommt es künftig noch stärker auf Kreativität und Nutzungsflexibilität an. Gerade gut gelegene Bestandsimmobilien bieten Potenzial für alternative Konzepte und hybride Nutzungsformen wie dies beispielsweise durch das Unternehmen Supernova und den ehemaligen Kika/Leiner Standorten unter Beweis gestellt wurde.
2.7 Schwierige Kombination aus Wirtschaftsinitiative und öffentlicher Infrastrukturentscheidung
Erfolgreiche Handels- und Innenstadtentwicklungen werden zukünftig noch stärker davon abhängen, ob Eigentümer, Nutzer und öffentliche Hand gemeinsam tragfähige Konzepte entwickeln. Gerade bei Nachnutzungen, Frequenzprojekten und Innenstadtbelebungen zeigt sich zunehmend, dass nachhaltige Lösungen nur dann entstehen, wenn wirtschaftliche Nutzbarkeit, städtebauliche Qualität und politische Rahmenbedingungen gemeinsam gedacht werden. „Gastronomie, Sport- und Wellnessangebote sowie öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen können bei der Nachnutzung ehemaliger Handelsflächen eine entscheidende Rolle spielen“, erklärt Raimund Baumgarten, MBA, REMAX Commercial, Experte für Hotel und Gastronomie.„Stand-Alone-Handelsimmobilien – insbesondere ehemalige Lebensmittel- oder Fachmarktstandorte – entwickeln sich zunehmend zu interessanten Objekten für Handwerks-, Service- und Gewerbebetriebe mit kombiniertem Lager-, Verkaufs- und Bürobedarf“, ergänzt der REMAX-Experte.
2.8 Auswirkungen auf Mietvertragsstrukturen
Die Veränderungen am Markt wirken sich zunehmend auch auf Mietvertragsstrukturen aus. Laufzeiten werden tendenziell flexibler gestaltet, Vertragsmodelle individueller verhandelt und auch bei Mietkonditionen oder Ausbauvereinbarungen steigt die Bereitschaft der Vermieter zu maßgeschneiderten Lösungen. „Wir sehen, dass sowohl Vermieter als auch Mieter heute deutlich flexibler agieren müssen als noch vor einigen Jahren. Gute Standorte bleiben gefragt, gleichzeitig steigen aber die Anforderungen an Nutzungskonzepte, Frequenz und langfristige Standortqualität“, erklärt Mag. Stefan Krejci, MRICS von REMAX Commercial.
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