Ein Wettbewerb, den die Branche kennen sollte
Wer in der Immobilien- und Bauwirtschaft arbeitet, kennt die großen Preise – die Concrete Design Competition steht seltener auf dem Radar. Zu Unrecht. Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre ausgelobt, in Österreich von Beton Dialog Österreich, eingebettet in ein Konsortium europäischer Zement- und Betonverbände. Neben Österreich sind Deutschland, die Niederlande, Belgien und Irland dabei. Angesprochen sind Studierende aus Architektur, Ingenieurwesen, Planung und Design – also jene, die in wenigen Jahren die Projekte der Branche verantworten werden.
Heuer standen die Arbeiten unter dem Motto „Transform“. Knapp 50 Studierende reichten 31 Projekte ein; fünf Teams wurden ausgezeichnet, das Preisgeld lag bei insgesamt 5.000 Euro. Für die Branche ist das weniger ein Studierendenwettbewerb als ein Frühindikator: Woran die Hochschulen heute arbeiten, landet morgen in der Ausschreibung.
„Transform“ – mehr als ein Motto
Das Motto trifft einen Nerv. „Beton ist der Hebel, ohne den uns die Transformation des Bauwesens nicht gelingen wird“, bringt es Claudia Dankl auf den Punkt. Die Roadmap der Zementindustrie zielt auf Klimaneutralität bis 2050 – und die führt zwangsläufig über die Reduktion von CO₂-Emissionen im Baustoff selbst. Wo also ansetzen? Die eingereichten Arbeiten geben eine klare Richtung vor: Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Robotik.
Für Juryvorsitzenden Werner Sobek heißt „Transform“, „Bauwerke mit minimalem Materialaufwand zu errichten, die vollständig rückbaubar und sortenrein recycelbar sind“. Kein Pathos, keine Marketing-Vokabel – eine Arbeitsanweisung. Bemerkenswert ist, dass sie sich exakt in den Projekten der Studierenden wiederfindet.
Tragfähigkeit aus der Form
Am deutlichsten zeigt das der erste Preis, den ein Team der FH Kärnten holte. Das Projekt ist ein Betongewölbe von rund 2,25 Quadratmetern, umgesetzt als Prototyp. Die Grundidee ist so einfach wie konsequent: Ein Bauteil trägt nicht, weil viel Material verbaut ist, sondern weil seine Geometrie die Kräfte klug verteilt. Material sitzt nur dort, wo die Statik es braucht – der Rest bleibt hohl.
Gefertigt wurde das Gewölbe mit 3D-Druck, Lasercutter und einer aufblasbaren Schalung; entworfen wurde es parametrisch, über ein frei skalierbares digitales Modell. Die eigentliche Hürde war die doppelt gekrümmte Form, die sich – wie die Schale einer Orange – nicht flach abwickeln lässt. Eine herkömmliche Schalung scheitert daran. Die Lösung des Teams war bewusst Low-Tech und mit kleinem Budget: eine aufblasbare Baufolie, auf die betoniert wurde. So entsteht ein monolithisches Bauteil, das sich leicht errichten und ebenso leicht rückbauen lässt. „Materialeffizienz kann man vor allem auch schön zeigen“, sagt Lilli Platzer aus dem Siegerteam – ein Satz, der programmatisch für den gesamten Wettbewerb steht.
Auch die weiteren Preise zielten in diese Richtung: laut Aussendung ein robotergedruckter, materialoptimierter Betonträger (Hochschule Campus Wien) sowie eine Bewehrung aus Basaltfasern statt Stahl (TU Wien).
Und die Praxis? Ruft nach Mut
Josef-Dieter Deix, COO der PORR AG, ergänzte die Hochschulperspektive um den Blick aus der Umsetzung. Beton sei für ihn die nächste Evolutionsstufe der Werkstoffe – die Herausforderung liege aber nicht allein in der Technologie. Es scheitere, sinngemäß, oft an Normung und Mut: Zu viel Sicherheitsdenken werde zur Bremse für Innovation. Sein Plädoyer: Pilotprojekte zulassen, die später zu Standards werden. Ein Gedanke, der in der Branche anschlussfähig ist – dort, wo Regelwerke Innovation ebenso oft ermöglichen wie ausbremsen.
Weiterdenken am Campus
Für die Preisträgerinnen und Preisträger ist der Abend nicht das Ende. In der letzten Augustwoche folgt eine internationale Masterclass am PORR Campus in Wien; sechs der nationalen Preisträgerinnen und Preisträger treffen dort auf die Gewinnerteams aus den vier weiteren Ländern, um gemeinsam Prototypen zu entwickeln. Bleibt die Frage, die über dem ganzen Wettbewerb schwebt: Greift die Praxis auf, was der Nachwuchs hier prototypisch vorführt? Die Antworten hängen, im Wortsinn, bereits an der Wand – 31 Projekte, die zeigen, dass nachhaltiges Bauen mit Beton keine Zukunftsmusik ist, sondern eine Frage der Haltung.