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von Gerhard Popp

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Buwog: Offensivspiel im Viola Park

3 Minuten Lesezeit

Visualisierung des Buwog-Projekts Favio in der Theodor-Sickel-Gasse 2 im Viola Park, Wien-Favoriten
© © B18 Architekten ZT GmbH
In der Theodor-Sickel-Gasse 2 im Viola Park plant die Buwog das Projekt „Favio“ mit 281 Eigentumswohnungen.

Die Buwog hat im Stadtentwicklungsgebiet Viola Park in Wien-Favoriten das Wohnprojekt „Favio“ übernommen. In der Theodor-Sickel-Gasse 2 sollen laut Aussendung 281 Eigentumswohnungen, Gewerbeeinheiten und ein Nahversorger entstehen; Bau- und Vertriebsstart sind noch für heuer im Herbst geplant. Laut Immo Analytics ist die Zahl der Wohnungskäufe in Wien gleichzeitig im dritten Quartal um mehr als 20 Prozent eingebrochen.

Kaufpreis? Kein Thema

Wer verkauft hat, verrät die Aussendung der Vonovia-Tochter vom 12. Oktober nicht. Auch zu Kaufpreis, Deal-Struktur, Generalunternehmer und Fertigstellungstermin fehlen Angaben. Die Visualisierungen stammen von B18 Architekten. Auf der Projektseite der Buwog heißt es, das Vorhaben befinde sich „derzeit noch in der Planungsphase“; InteressentInnen können sich vormerken lassen.

Bekannt ist das Produkt in der Theodor-Sickel-Gasse 2: Geplant sind laut Buwog 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen für Singles, Paare und Familien, alle mit Balkon, Terrasse oder Eigengarten. Die U1-Station Altes Landgut sei „in wenigen Minuten fußläufig erreichbar“, dazu kommen die Buslinien 15A, 68A und 68B. Direkt angrenzend liegt der Laaer Wald. Buwog-Geschäftsführer Andreas Holler: „Wir sind laufend auf der Suche nach spannenden Liegenschaften und Projekten, um der drohenden Wohnungsnot in Ballungszentren entgegenzuwirken. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir diese attraktive Entwicklungsmöglichkeit am Laaer Berg in Favoriten erwerben konnten, die unser Portfolio bereichert und zukünftigen Bewohner:innen bald ein neues Zuhause bietet.“

Viola Park: Ein Stadtteil vor dem Stadion

Grundlage des Viola Park ist laut Stadt Wien ein städtebaulicher Wettbewerb aus dem Jahr 2012, den das Büro König Larch gewonnen hat. Zwischen dem Laaer Wald und der Generali-Arena entstehen laut Stadt rund 800 Wohnungen, gemeinnützig wie frei finanziert. Dazu kommen ein Senior:innen-Wohn- und Pflegeheim mit rund 200 Wohneinheiten, ein Sportgymnasium, Kindergärten und Nahversorgung.

Neue Nachbarn in der Theodor-Sickel-Gasse

Die Nachbarschaft wächst parallel. Auf Bauplatz 3 in der Theodor-Sickel-Gasse errichtet die AEAG laut Wohnberatung Wien (Stand Februar 2026) 102 geförderte Mietwohnungen, davon 65 SMART-Wohnungen, geplant von Skyline Architekten. Baubeginn ist Ende 2026, Bezug Ende 2028. In der Theodor-Sickel-Gasse 8 errichtet die NEULAND für das Kuratorium FORTUNA ein Wohn- und Pflegeheim, dessen Fertigstellung für Mitte 2027 geplant ist.

Wohnungsmarkt Wien: Die 300.000-Euro-Abseitsfalle

Laut Immo Analytics sank die Zahl der verbücherten Wohnungskäufe am Wiener Wohnungsmarkt im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahresquartal um jeweils mehr als 20 Prozent, nachdem sie im ersten und zweiten Quartal noch deutlich über den Vorjahreswerten gelegen war. Wohnungen bis rund 300.000 Euro werden weiter gehandelt. In den darüberliegenden Segmenten sei der Markt dagegen „faktisch zum Erliegen gekommen“; Wohnungen zwischen 300.000 und 600.000 Euro seien „selbst für gut verdienende Haushalte“ zunehmend schwer leistbar. Geschäftsführer Gregor Pfeiffer: „Die Zinserhöhungen haben den zarten Aufschwung des Wiener Wohnungsmarktes im ersten Halbjahr jäh gestoppt und Finanzierungen deutlich erschwert. Im aktuellen Umfeld bestimmen zunehmend die Finanzierungsmöglichkeiten, welche Preise am Markt überhaupt noch realisierbar sind.“

Zum Hintergrund: Die EZB hat im Juni und im September 2026 die Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte angehoben, der Einlagensatz liegt seit 16. September bei 2,50 Prozent. Die KIM-Verordnung ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen, die FMA sieht ihre Vorgaben laut WIK-Rundschreiben aber weiterhin als Richtwert für die Kreditvergabe. Neubau-Eigentumswohnungen im Erstbezug kosten in Wien laut EHL je nach Lage zwischen rund 5.900 und 8.100 Euro/m².

Antizyklisch oder konsequent?

Die Buwog liest die Lage anders. Schon im Jänner hatte Holler angekündigt: „Obwohl sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (noch) nicht optimal sind, sehen wir es als unsere Verantwortung als Bauträger, unsere Bau-Aktivitäten wieder in großem Volumen fortzusetzen.“ Für heuer kündigte die Buwog sieben Baustarts in Österreich an.

Einkaufstour mit System

Die Taktung ist hoch. Am 13. Mai war Spatenstich für 112 Eigentumswohnungen in der Langen Allee, im September folgten „Terrazza22“ und das „Forsthaus“. Anfang Oktober ging die baureife Liegenschaft PlusEnergieQuartier21 in der Floridsdorfer Pilzgasse aus einem Bieterverfahren an die Buwog. Verkäuferin war eine insolvente SÜBA-Tochter, vermittelt hat EHL.

Bleibt eine Erinnerung an den Februar 2024. Damals sagte Daniel Riedl, als Vonovia-Vorstand für das Buwog-Geschäft in Österreich zuständig: „Es rechnet sich aktuell nicht Wohnungen zu bauen. Wir verkaufen aktuell zu wenige Wohnungen pro Monat, und erst wenn sich das ändert, lohnt es sich wieder zu bauen.“ Die Frage für den Vertriebsstart von Favio lautet also: Rechnet sich die Buwog mit den Zinsen von heute den Absatz von 2027 und 2028?

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