Unter dem Begriff „Fachmarktagglomerationen“ werden in Österreich sowohl Fachmarktgebiete als auch Fachmarktzentren (Retail Parks) zusammengefasst. Obwohl diese Standorte häufig als Konkurrenz für den innerstädtischen Handel und lebendige Ortskerne gesehen werden, ist ihre Zahl seit den frühen 2000er-Jahren deutlich gestiegen. Die aktuelle Standort + Markt-Dokumentation „Fachmarktagglomerationen Österreich 2025/26“ weist mittlerweile 300 Fachmarktagglomerationen aus (2024: 289), darunter 120 Retail Parks.
Trotz anhaltender Herausforderungen durch Inflation, Kaufzurückhaltung und den digitalen Wandel vereinen diese Handelsstandorte weiterhin rund 26 Prozent der österreichischen Kaufkraft auf sich und bleiben damit ein wesentlicher Bestandteil der Handelslandschaft. Der leichte Rückgang des Kaufkraftanteils um 0,7 Prozentpunkte gegenüber der letzten Erhebung vor zwei Jahren ist laut den Studienautoren Roman Schwarzenecker und Brigitte Moser vor allem auf die Insolvenz von kika/Leiner zurückzuführen. Gleiches gilt für den deutlichen Anstieg der Leerstandsquote von 7,4 auf 10,2 Prozent – den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000.
„Wir beobachten eine strukturelle Marktbereinigung“, erklärt Moser. Diese sei unter anderem durch temporäre Flächenrückgänge und Verschiebungen im Branchenmix geprägt.
Schwarzenecker verweist auf eine klare Trendwende in den vergangenen Jahren: „Während die Leerstandsquoten bis 2021/22 bei rund vier Prozent stabil geblieben sind, kam es ab 2023/24 zu einem spürbaren Anstieg. Die Fachmarktgebiete erreichen 2025/26 mit elf Prozent einen neuen Höchstwert, während Retail Parks mit vier Prozent vergleichsweise stabil auf niedrigem Niveau bleiben.“ Neben der Insolvenz von kika/Leiner, die für knapp zwei Drittel der leerstehenden Flächen verantwortlich ist, wirkten sich auch die Schließungen von Quester-Filialen, einzelner Sportfachhändler sowie der Rückzug des Diskonters GiFi auf die Entwicklung aus.
Deutliche Veränderungen im Branchenmix
Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt markante Verschiebungen in der Flächenverteilung der Fachmarktagglomerationen. In Fachmarktgebieten entfielen 2015 noch 41 Prozent der Flächen auf den Bereich Wohnen und Einrichtung, heute sind es nur noch 29 Prozent, auch hier schlägt sich der kika/Leiner Rückzug deutlich nieder. Gleichzeitig gewann der Kurzfristbedarf deutlich an Bedeutung und beansprucht mittlerweile 21 Prozent der Flächen – fünf Prozentpunkte mehr als noch vor zehn Jahren.
Auch bei Retail Parks setzt sich dieser Trend fort: Der Kurzfristbedarf erreicht inzwischen einen Anteil von 23 Prozent (2015: 17 Prozent) und gewinnt kontinuierlich gegenüber dem Bekleidungshandel, dessen Anteil im selben Zeitraum von 35 auf 29 Prozent zurückging.
Multifunktionale Nutzung gewinnt an Bedeutung
Angesichts der weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien derzeit zudem keine größeren Expansionspläne des Handels (und somit auch keine zusätzliche Flächenversiegelung) erkennbar. „Das makroökonomische Umfeld dürfte auch in den kommenden Jahren anspruchsvoll bleiben“, so Schwarzenecker. Ähnlich wie bei Einkaufszentren erwarten die Studienautoren auch bei Fachmarktagglomerationen eine zunehmende Multifunktionalität. Damit dürften weitere Umnutzungen (beispielsweise für medizinische Einrichtungen oder einem Entertainmentangebot) von Flächen einhergehen. Wir rechnen durch die derzeit auch schon beobachtbare "Aufarbeitung" der kika/Leiner Flächen in den nächsten Jahren eher mit einem Rückgang der Leerstandsquote und eine Transformation zu diesen erwähnten Umnutzungen.