1.Teil am 8.6.
Versorgung mit Energie
Ein großes Thema ist auch die energetische Infrastruktur, um Kälte oder Wärme zu erzeugen, allerdings auch im Hinblick darauf, welche Energie die Betriebe selbst benötigen. Die Infrastruktur muss so aufgestellt sein, dass sie so flexibel wie möglich ist und im Laufe der Jahre angepasst werden kann. „Das muss man alles mitbedenken“, so Petra Patzelt und Georg Winkler unisono. Ein gutes Beispiel für diese rasante Entwicklung brachte Petra Patzelt: „Es beschäftigt uns alle natürlich die Datencenter-Thematik.“ Da geht es nämlich sehr stark um Energie, und Andreas Hawlik bestätigte: „Wenn ich mich als junges Unternehmen an einem Standort ansiedle, was brauche ich? Ein super Internet, Strom und eine gute Klimaanlage.“ Und natürlich den Zugang zu Daten. „Jeder, der mit Daten zu tun hat, möchte eine zentrale Versorgung“, so Robert Grüneis.
Wie entstehen Technologiezentren?
In Niederösterreichs Wirtschaftsagentur ecoplus geht man spezielle Wege. „Wir ermöglichen alles, um spannende Projektgruppen für Niederösterreich zu interessieren“, meinte Petra Patzelt und nannte ein konkretes Beispiel. In Wolkersdorf gab es in der Zeit, als sich der Norden von Wien noch nicht so entwickelt hatte, lange Jahre eine Reservefläche für ecoplus. Die Region wurde als Potenzialraum gesehen. Gestartet wurde das dortige ecocenter als Mehrmieterobjekt, mit flexiblen Mietflächen, eigener Gastronomie, Start-up-Center und Besprechungsräumen, und es gab den Unternehmen die Chance, den Standort in Coworking-Bereichen zu „erfahren“. Für interessierte Firmen, die sich am Standort vergrößern wollen, wären die nächsten Schritte ein eigenes Büro und dann eigene Produktionsbereiche und vielleicht ein eigenes Grundstück und ein eigenes Objekt.
Während in Niederösterreich von Anfang an ein Gesamtkonzept angeboten wurde, stellt sich die Situation in Wien etwas anders dar. In Wien könnten Technologiezentren auch auf kleineren Flächen funktionieren. Georg Winkler: „Potenzial dafür gäbe es an alten Bürostandorten oder Produktionsflächen in zentralen Lagen. Diese stehen unter großem Umwidmungsdruck Richtung Wohnen, könnten mit entsprechender Modernisierung aber auch gewerblich nachgenutzt werden.“ Für neue Standorte wiederum gibt es vor allem im 22. Bezirk Flächenreserven, oftmals auch gut erschlossen entlang der U2, wie zum Beispiel das Technologiezentrum Seestadt mit aktuell drei Bauteilen.
Gewerbliche Mischgebiete für die Ansiedlung von Technologiezentren
Auch die im Stadtentwicklungsplan festgelegten gewerblichen Mischgebiete („rosa Zone“) samt der Möglichkeit einer Durchmischung mit Wohnen wären für die Ansiedlung von Technologiezentren sehr interessant. „Im Gegensatz zu Produktionsbetrieben oder Logistikflächen sind die Nutzer in der Regel emissionsarm und können eher das höhere Mietpreisniveau zahlen, das sich bei hybriden Projekten aufgrund hoher Grundstücks- und Baukosten ergibt“, so Georg Winkler.
Bisher hat die Umsetzung von gewerblichen Mischgebieten aber noch nicht funktioniert. Das Problem bestand darin, dass sich für die möglichen Standorte hauptsächlich Wohnbauträger interessiert haben und die entsprechenden Gewerbeflächen nicht im Fokus standen. Zudem müssen die Bauträger auf die stadtplanerischen Vorgaben (z. B. entsprechender Anteil an gefördertem Wohnbau) Rücksicht nehmen, wodurch sich die Finanzierung solcher Projekte zusätzlich erschwert.
Ein weiterer Grund, warum sich kaum ein Bauträger an Technologiebauten wagt, ist die lange Dauer der Genehmigungsverfahren. Georg Winkler: „Die Planbarkeit in Wien ist deutlich schwieriger als im Umland. Man muss sich vonseiten der Stadt etwas überlegen, um die Verfahren zu beschleunigen und Errichtungen zu erleichtern.“ Er empfahl One-Stop-Shops für betriebliche Verfahren, in denen alle Anfragen zusammenlaufen und alle notwendigen Schritte entschieden werden können: „Derzeit gibt es mehrere verschiedene Anlaufstellen, die das Ganze jeweils unterschiedlich handhaben.“ Dass es nicht mehr Technologiezentren in Wien gibt, fand Georg Winkler „insofern schade, als es in der Stadt eine entsprechende Zahl an Fachkräften und Personal gibt“.
Zu ebener Erde und erster Stock
Der Vorteil von Technologiezentren besteht auch darin, „dass man sie in die Höhe bauen kann“, so Andreas Hawlik. Bei Produktion oder Logistik wird das kaum realisiert, da es zu weitaus höheren Errichtungskosten führt, die man letztendlich nicht auf die eingemieteten Unternehmen überwälzen kann. Ein weiteres Problem: „Sogar für den Produktionslogistikbetrieb ist mittlerweile der zweite Stock schon deutlich schlechter als das Erdgeschoß, obwohl früher durchaus in den oberen Stockwerken produziert wurde – denken wir an die fünfgeschoßige Anker-Brotfabrik“, meinte Evgeni Gerginski. Ein zweites Geschoß zu bauen ist natürlich in Wien wegen der Knappheit von Grund und Boden naheliegend, aber auch in Niederösterreich wird dieser Aspekt immer wichtiger. Petra Patzelt: „Ausschlaggebend dafür sind aber weniger die Grundkosten als die Versiegelung.“ Daher setzt man verstärkt auf Re-Use-Flächen und eben auf mehrere Geschoße: „Büro, Produktion, Lager, Labor. Brachflächen-Re-Use ist ein wichtiges Thema und Anliegen – Nachnutzung statt Neuversiegelung und mehrgeschoßiges Bauen sind auch Aspekte einer ökologischen Kreislaufwirtschaft.“
Trotz ihrer relativ günstigen Bauweise können sich die Technologiezentren aber nicht von den Baukosten abkoppeln. Daher war Robert Grüneis überzeugt: „Serielles Bauen wird auch bei Technologiezentren Einzug halten. Speziell bei Quartierslösungen.“ Allerdings gehört das seiner Meinung nach gemeinsam durchdacht. Länge, Breite, Höhe könne man standardisieren, aber damit alleine sei es nicht getan: Die Bauindustrie müsse sich mit jenen austauschen, die Quartiere entwickeln, und mit denen, welche die Flächen nutzen – vor allem aber auch mit den Behörden, „damit nicht am Bedarf vorbeinormiert wird“.
Alte Konzepte neu überdenken
Zum Schluss der Diskussion kamen die Beteiligten noch auf Entwicklungen von Technologiezentren zu sprechen, die letztendlich nicht funktioniert haben. „Man müsste eigentlich alte Konzepte noch einmal aufgreifen, sie analysieren und überlegen, warum sie nicht funktioniert haben, etwa das Konzept produktive Stadt“, fand Evgeni Gerginski. In einer so schnelllebigen Zeit kann es durchaus sein, dass der Standort zwar gepasst hat, aber die Zeit vielleicht noch nicht reif dafür war. „Wenn diese Konzepte damals nicht funktioniert haben, heißt das ja nicht, dass sie heute auch nicht gelingen“, so Georg Winkler: „Die Voraussetzungen ändern sich.“
Auch Robert Grüneis vertrat die Meinung, dass es sich lohne, Projekte noch einmal neu zu überdenken: „Ich finde es schade, dass man aufhört, daran weiterzuarbeiten. Was waren die Gründe, die so ein Modell bisher verhindert haben, und was wären jetzt die richtigen Konzepte, damit es funktioniert? Ich glaube, es wäre wertvoll, in der Zukunft einmal darüber nachzudenken.“