Gestartet wurde die Diskussion mit einem Beispiel von vor 15 Jahren. Damals hatte das Architekturbüro – noch unter dem Namen „Huss Hawlik Architekten“ – an einem Wettbewerb für ein Technologiezentrum der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus in Wieselburg teilgenommen – und in der Runde stellte sich die Frage: Was würde man heute anders machen? „Die Funktionalität der Technologie- und Forschungszentren von ecoplus hat sich nicht diametral verändert, wenn man nur die baulichen, technischen und infrastrukturellen Aspekte betrachtet“, meinte Petra Patzelt. Zusätzlich zu funktionalen Räumlichkeiten, die je nach Branche und Technologie auch unterschiedlichen Anforderungen genügen müssen, wurde ein wesentlicher Aspekt schon damals berücksichtigt. Die Technologieparks von ecoplus sind immer „an tertiäre Ausbildungseinheiten wie Forschungsinstitute, Ausbildungseinrichtungen und Unternehmen angebunden“. Das Konzept gilt für die Technologie- und Forschungszentren in Krems, Tulln, Wiener Neustadt und Wieselburg. Petra Patzelt: „Technologiezentrum, Universität und Forschungseinrichtungen – diese Kombination ist ein Erfolgsrezept für Innovation und Kooperation. Die Unternehmen, Absolventen und Forscher können sich vernetzen, werden von uns auch aktiv und intensiv dabei unterstützt – und aus diesen Kooperationen können wieder neue Unternehmen und Projekte entstehen. Es ist wichtig, die Menschen abzuholen und Raum zu schaffen für Begegnung und Austausch. Das ist es, womit man die Technologieparks aufladen muss. Zusätzlich zu funktionalen Räumlichkeiten muss Inspiration möglich sein. Das ist ein wichtiger Aspekt bei uns.“
Ideen brauchen ihre Zeit
Es ist der richtige Zugang für die Zukunft, wie sich vor 15 Jahren in Wieselburg herausstellte. Andere Innovationen waren noch etwas verfrüht, merkte Andreas Hawlik an: „Wir haben damals im Wettbewerb einen Stahlbetonskelettbau samt Fassade aus Holz mit Riegelelementen vorgeschlagen. Das ist leider nicht gut angekommen, wird aber heute ganz anders gesehen.“ Die Nachhaltigkeit der Struktur und der Baustoffe ist mittlerweile State of the Art. Rückblickend meinte Andreas Hawlik: „Da hat sich im Bewusstsein, wie man Gebäude plant und errichtet, sehr viel verändert.“ Der Wettbewerb wurde zwar gewonnen, jedoch in Massivbau umgesetzt. Und dennoch sind es immer wieder diese Ideen – wenn sie oft genug gestreut werden –, die letztendlich ihren Eingang in die Gedanken finden und in den Entwürfen umgesetzt werden. Heute würde an der Holzfassade nicht mehr gezweifelt werden.
Nachhaltigkeit pendelt sich ein
Nachhaltigkeit und Leistbarkeit dürfen keine Gegensätze sein, sondern ergänzen und verstärken im besten Fall einander. Zuletzt wurde – nach einem starken Boom – das Thema Nachhaltigkeit wieder hintangestellt. „Ich sehe es eher wie ein Pendel, es schwingt sich ein“, meinte Evgeni Gerginski in der Diskussion: „Am Anfang wollte jeder überall der Erste sein, nur damit man sagen konnte, ich bin der Nachhaltigste, und jeder hat etwas anderes darunter verstanden.“ Nach dem ersten großen Schwung kommt man jetzt schön langsam zu Vorgaben und Richtlinien. Es wird daran gearbeitet, ein Level zu finden, was das allgemeine Verständnis für Nachhaltigkeit betrifft, welche Normen wirklich gelten. „Das wird sich sicher auf einem vernünftigen Niveau einpendeln“, war Evgeni Gerginski überzeugt. Andreas Hawlik ergänzte: „Das Bewusstsein für Bauen mit nachhaltigen Baustoffen ist gewachsen. Das war vor 15 Jahren einfach noch nicht so gegeben. Es hat sich viel getan, um Gebäude ökologisch, also mit geringem CO2-Fußabdruck, zu errichten. Nicht nur das Bauen selbst und die Baustoffe spielen mittlerweile eine wesentliche Rolle. „Ich würde das noch um die Aspekte Recycling und Kreislaufwirtschaft erweitern“, so Petra Patzelt.
Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich sein
Nachhaltigkeit ja, aber „Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich sein – sie muss sich rechnen“, waren sich Robert Grüneis und Georg Winkler einig. Gegenwärtig gilt das mehr denn je. „Es setzt sich zunehmend die Einsicht durch, dass Nachhaltigkeit wirtschaftlich wird beziehungsweise sein muss“, meinte Robert Grüneis. Das betrifft die Materialien ebenso wie den Energieverbrauch. Vor allem bei Letzterem sehe man an den Preisentwicklungen, „dass eine ökologisch ausgerichtete Energieversorgung einfach immer wirtschaftlich ist. Das ist ein Fakt“, so Robert Grüneis. Speziell bei Quartiersentwicklungen spielt der Blick auf die Gesamtheit eine wesentliche Rolle: „Wir betrachten die Energiesysteme, das Gebäude selbst, die Sonnenausrichtung, die Konstellation der Objekte innerhalb des Quartiers sowie die Materialien und deren Beschaffung. Wenn wir ein neues Baumittel verwenden, so stellt sich für uns bereits die Frage, wie ich es in 15, 20 oder 30 Jahren wieder in den Kreislauf zurückführen kann? Das ist der klassische Zugang.“ Allerdings gab Robert Grüneis zu bedenken: „Wenn man sich der Kreislaufwirtschaft widmet, muss man auch die Flächen vorhalten, um diese möglich zu machen.“
Ankermieter oder nicht?
Die Zugangsweise bei Technologiezentren ist unterschiedlich. Die einen setzen auf einen Ankermieter, die anderen nicht. „Einen Ankermieter haben wir in der Seestadt per se nicht“, meinte Robert Grüneis: „Das ist nicht unser Fokus und hat damit zu tun, dass die Seestadt ein gemischtes Quartier ist. Ich glaube, keines der beiden Prinzipien ist falsch – es gibt eben zwei verschiedene Wege.“
„Aber wie schafft man es, den Ankermieter über die Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte bei Laune zu halten?“, fragte Evgeni Gerginski und brachte damit ein zentrales Thema auf den Punkt. Wenn der Ankermieter wegbricht, besteht nämlich die Gefahr, dass die anderen Mieter abwandern und sich ebenfalls neue Standorte suchen. Wesentlich ist daher, rundherum ein Ökosystem zu schaffen, damit sich Unternehmen ansiedeln können. „Das Gesamtkonstrukt Technologiezentrum muss flexibel bleiben, und schon bei der Planung müssen die entsprechenden Schritte mitgedacht werden“, sagte Georg Winkler. Gemeint sind etwa auch die Infrastruktur, die Straßen, der Erholungsraum dazwischen, die Strategie für die Baufelder. Mittlerweile sind die Entwicklungen vor allem im Technologiebereich sowohl Richtung Branchen als auch Arbeitsweisen so rasch geworden, dass man äußerst flexibel sein muss. Das ist keine leichte Aufgabe. „Die Herausforderung bei solchen Gewerbekomplexen besteht darin, dass vom Zeitpunkt der Planung bis zur Ansiedlung von Betrieben so viel Zeit vergeht, dass man anfangs noch nicht weiß, welche Betriebe letztendlich überhaupt vor Ort sein werden.“ Die Flexibilität der Flächen ist das Um und Auf – die Geschwindigkeit erfordert eben auch eine schnelle Anpassung der Flächen. Das Ziel beschreibt Petra Patzelt so: „Es ist immer wichtig, einen Ausgleich zu finden zwischen gut ausgelastet sein an einem Immobilienstandort und trotzdem Wachstumspotenziale für neue oder für wachsende Unternehmen zu haben.“