Was MASSIV! INSIDE anders macht
Der Kniff, der MASSIV! INSIDE trägt, ist ein einfacher: Nicht das Material steht im Mittelpunkt, sondern das Gebäude. Erst das visionäre Projekt, dann der Baustoff. „Mineralische Baustoffe und massive Architektur waren der Inbegriff der Moderne, sie waren immer zeitgemäß und sind es auch heute“, sagte Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands Steine-Keramik, zum Auftakt. Sein Argument ist kein ästhetisches, sondern ein nüchternes: langlebig, widerstandsfähig, ressourcenschonend.
Vom Heft zum Almanach: zehn Ausgaben MASSIV! INSIDE
Über die Jahre hat sich MASSIV! INSIDE – und mit ihm die Begrifflichkeit – weiterentwickelt. Das Magazin für Architektur, Baukultur und Design erscheint als Almanach in Print und digital. „Wir freuen uns, die Erfolgsserie künftig als ‚MINERALISCH MASSIV! INSIDE‘ fortzusetzen“, kündigte Pfeiler an. Aus dem Heft, das angeblich keinen interessieren sollte, sind zehn Ausgaben geworden, die man nicht wegwirft.
Historisches in die Zukunft denken
Inhaltlich liefert die Jubiläumsausgabe von MASSIV! INSIDE die Vorlage für den Abend. Caroline Rodlauer nahm auf ein Beispiel aus dem Heft Bezug: die Villa Beer in Hietzing, nach aufwändiger Restaurierung heuer im März wieder öffentlich zugänglich – ein Bau, der zeigt, wie menschenfreundlich Architektur schon vor fast hundert Jahren gedacht wurde. „Umbauen statt neu bauen gehört zu den nachhaltigsten Formen des Bauens“, so die Ortsbildsachverständige. Bei Erweiterungen aber gelte es, „das Stadtbild zu wahren und auf einen stimmigen Dialog zwischen Alt und Neu zu achten“. Stimmige Nachverdichtung, ergänzte sie, vermeide zugleich Bodenversiegelung.
Bestand pflegen, nicht abreißen
Reinhold Sahl knüpfte dort an, wo er täglich arbeitet: im historischen Bestand. „Sanierung und neue Nutzungen von Bestand werden immer mehr zu einer reizvollen Perspektive“, sagte der Burghauptmann, dessen Behörde zahlreiche historische Gebäude der Republik betreut. Viele davon hätten Qualitäten, „die man heute nur mit großem Aufwand reproduzieren könnte“. Es gelte, diese zu erkennen, zu nutzen und mit neuer Technologie zu verbinden. Und nebenbei führten gerade diese Bauten vor, wie leistungsfähig mineralische Baustoffe sind – ihr Vorteil liege im langen Lebenszyklus und in der robusten Statik.
Bauen ohne Boden
Armin Mohsen Daneshgar schließlich richtete den Blick nach oben. Seine Expertise sind Aufstockung und Verdichtung – das Bauen auf dem, was schon steht. „Die Zukunft des Bauens liegt nicht im Gegensatz zwischen Bestand und Neubau, sondern in der intelligenten Weiterentwicklung dessen, was bereits vorhanden ist“, sagte er. Städte besäßen große Potenziale in bestehenden Gebäuden, auf Dächern und in ungenutzten Ressourcen. Gute Architektur verbinde diese mit Technologie und Kreislaufwirtschaft – und schaffe so „langfristige Werte für Menschen, Städte und kommende Generationen“.
Was nach zehn Jahren MASSIV! INSIDE bleibt
Ein letztes Beispiel aus dem Heft führte der Abend als Beleg an, dass das Prinzip über Österreich hinausreicht: ein sozialer Wohnbau in Platja d’en Bossa südlich von Ibiza, wo massive Baustoffe die Struktur selbst kühlen – Luftströme statt Klimaanlage. „Unsere mineralischen Baustoffe tragen wesentlich dazu bei, solche Konzepte umzusetzen“, fasste Pfeiler zusammen und verwies auf regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und gestärkte ländliche Strukturen.
Zehn Jahre, zehn Hefte, ein neuer Name. Was als zweifelhafte Idee begann, ist mit MASSIV! INSIDE zu einer festen Größe in der heimischen Baukultur geworden – und geht als MINERALISCH MASSIV! INSIDE in die nächste Dekade. Die eigentliche Botschaft des Abends war dabei weniger das Jubiläum als das, worüber man feierte: dass die Zukunft des Bauens nicht aus Einzelideen entsteht, sondern aus gemeinschaftlichem Denken, langfristigen Entscheidungen – und der Bereitschaft, Bestehendes weiterzuentwickeln.