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Zwischen Home und Office

Professionelle Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, die Kollegenschaft zu treffen, fehlen im Homeoffice am meisten. Die permanente Vollbelegung von Büros ist aber weiter abgesagt. Hybride Office-Angebote poppen dafür neu auf.

Das Homeoffice und immer wiederkehrende Lockdowns haben die Arbeitswelt und damit auch den Büromarkt in Österreich verändert. Das stellt man nun auch auf dem Marktplatz Immoscout fest. Dort verweist man auf aktuell 16 Prozent mehr Bürovermietungen mit zehn Prozent mehr Fläche im Angebot. Dass auch Großmieter Fläche reduzieren würden, wird von Branchenteilnehmern dementiert. Warum das aktuell nicht stattfinde, darauf hat Mathias Mühlhofer, Immobilienrendite-AG-Vorstand, eine plausible Antwort: „Durch die Pandemie müssen die Angestellten besser verteilt werden.“ Zudem seien ehemalige Wochenpendler zu Dauernutzern geworden.


Über den Stand der Dinge bei der Rückkehr ins Büro gibt es wenig Informationen. In amerikanischen Städten ist in „Leasing Reports“ aktuell aber von rund einem Drittel an Belegung die Rede. Untervermietung sei daher ein Thema, und im Falle von auslaufenden Verträgen würde bei großen Firmen die Fläche deutlich reduziert. Veränderungen wie bei PwC, wo Angestellte den Arbeitsort ab sofort frei wählen können, sprechen sich herum. Diesen Trend sieht man bei der Immobilienrendite AG in Wien aber eben noch nicht angekommen. Wo es eine „Corporate Culture“ gebe, brauche es dafür ein Office. Für zumindest drei bis vier Tage in der Woche sei es unabdingbar, sich dorthin zu begeben. Beim Vermietungsrisiko sind die Einraumbüros wegen der geringeren Abhängigkeit von einzelnen Mietern laut Mühlhofer aktuell ein Vorteil: „Die Auslastung bei den kleinen Büros ist wirklich sehr gut, und sie haben sich als resilient erwiesen.“

Next Office Space

Anreize könnten notwendig werden, um die Mitarbeiter ins Firmenbüro zurückzubringen. 80 Prozent der Angestellten unter 30 Jahren wollen laut dem Büroberater Team Gnesda aus der Ferne arbeiten. „Das Homeoffice bleibt“, sagt Andreas Gnesda, der dabei generell von eineinhalb bis zwei Tagen Nutzung pro Woche ausgeht. Die Basis für eine eigenständige Aufgabenerfüllung sei jedenfalls vorhanden. „Die Mehrheit sieht sich motiviert, zum großen Ganzen etwas beizutragen“, stellt Gnesda ausreichend Verantwortungsgefühl fest. Jetzt seien Büros mit Qualitäten für Begegnungen innerhalb der Mitarbeiterschaft gefragt. Ähnlich sieht das Martin Luptacik, Geschäftsführer beim Berater NEXT OFFICE: „Man muss das Momentum nutzen, um Büros weiterzuentwickeln.“ Es ginge nunmehr darum, unterschiedliche Anforderungen in Räumen abzubilden, und nicht um Schreibtische für Mitarbeiter.

Beim Büroausstatter Bene wird in diesem Sinne das Konzernbüro neu gedacht. Es soll jetzt auch ein sozialer Ort werden, der von Austausch und Interaktion lebt. In der Frankfurter Innenstadt hat man dazu den erlebbaren Prototyp „The Core by Bene“ entwickelt. „Begegnungs- und Kommunikationszonen gewinnen im Büro an Bedeutung“, unterstreicht Bene-Geschäftsführer Michael Fried und ergänzt: „Das Büro ist ein Innovationsmotor mit dem Fokus auf Teamwork und weniger auf Einzelarbeit.“

Remote Office

Büroarbeit geht seit Covid-19 aber auch in Hotelzimmern in Wien vonstatten, und über die Plattform Wojo ist man ab 300 Euro pro Monat dabei. Ein firmeninternes Virusgeschehen könne durch eine solche Auslagerung von Personal hintangehalten werden, außerdem sei im Gegensatz zum Homeoffice konzentriertes Arbeiten möglich. Als digitale Plattformlösung am Start ist auch COWORK-19. Die Buchung soll dort für einzelne Wochentage, aber mit quartalsweiser Laufzeit erfolgen, und im Unterschied zu den Hotelangeboten sind Mikrobüros im Nahbereich zum Wohnort das Ziel. Räume oder Lokale mit Straßenzugang könnten damit zu Büros umgewandelt werden. Im Idealfall, heißt es auf der Website, kann so auch ein flächendeckendes Angebot entstehen. Die einfache Onlinebuchung und Zutritt per App sollen das Ganze zum lohnenden Geschäftsfall machen.

Einen Bedarf für Co-Spaces auch in dünn besiedeltem Gebiet evident machen, das will Co-Founder Fabian Goslar mit conow. Treiber seien laut Goslar positive Klimaeffekte, denn: „Ziel ist das Einsparen von CO2 durch weniger Pendeln.“ Beim FM-Day hat sein Projekt den Publikumsaward gewonnen. Derzeit arbeitet man mit BIG und ARE zusammen und denkt gemeinsam über „Sharing Hubs“ nach.

Home, sweet Home Office

Buchbare Co-Working-Flächen sind mittlerweile auch bei Wohnprojekten immer öfter Thema. Die BUWOG-Geschäftsführung hatte aus Corona frühzeitig die Konsequenzen gezogen. „Es wird mehr flexible Grundrisse mit Arbeitsnischen und Shared Office Spaces mit guten Internetverbindungen geben“, hieß es heuer im Februar. Beim Projekt „Donaumarina“ ist ein Co-Working Space schon mit in der Vermarktung. Für die neuen Stadtentwicklungsgebiete werden integrierte Office-Spaces auch bereits zum Vermietungsargument, nicht nur in Aspern, sondern auch im Nordbahnviertel, am Hauptbahnhof oder beim „Village im Dritten“.

Wojo.com

COWORK-19.com

conow.eco

bene.com/de/the-core-by-bene

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