Großflächige Stromausfälle haben zuletzt deutlich gemacht, wie verletzlich selbst moderne Versorgungsnetze sind. Binnen kurzer Zeit können ganze Stadtteile ohne Energie dastehen – mit weitreichenden Folgen für Bewohner und Eigentümer. Für Vermieter rückt damit ein Risiko in den Fokus, das lange als unwahrscheinlich galt: Ohne Strom funktionieren weder Beleuchtung noch Heizung, Aufzüge bleiben stehen, digitale Zugangssysteme versagen. Schnell entstehen Nutzungseinschränkungen, Konflikte mit Mietern und rechtliche Fragen. Besonders in Mehrparteienhäusern und gewerblich genutzten Immobilien können bereits wenige Stunden erhebliche Folgekosten verursachen.
Noch immer wird unterschätzt, wie stark Gebäude heute von einer stabilen Stromversorgung abhängen und welche Risiken mit längeren Ausfällen verbunden sind.
Moderne Technik als Risikofaktor
Zeitgemäße Gebäude sind hochgradig elektrifiziert und vielfach digital gesteuert. Fällt die Energieversorgung länger aus, endet nicht nur der Komfort; auch die technische Substanz kann Schaden nehmen. Besonders anfällig sind moderne Heizsysteme, vor allem bei niedrigen Außentemperaturen.
Wärmepumpen reagieren empfindlich auf Stillstand. Kommt es bei Frost zum Ausfall, können Umwälzpumpen blockieren, Wärmetauscher einfrieren und Verdichter beschädigt werden. Zusätzliche Risiken bestehen bei Anlagen mit dem Kältemittel Propan, bei denen Materialschäden sicherheitsrelevante Situationen nach sich ziehen können. Für Vermieter bedeutet das im Ernstfall den Totalausfall der Heizung, lange Lieferzeiten für Ersatzgeräte und Kosten im fünfstelligen Bereich pro Anlage.
Schäden an der gesamten Haustechnik
Ein längerer Stromausfall bleibt selten auf ein einzelnes System begrenzt. Heizungs- und Trinkwasserleitungen können einfrieren, ebenso Fußbodenheizungen. Beim Wiederanlauf drohen Leckagen und erhebliche Wasserschäden. Ganze Gebäudeteile können dadurch unbewohnbar werden. In solchen Fällen geht es nicht mehr nur um Mietminderungen, sondern um vollständige Nutzungsausfälle und aufwendige Sanierungen der technischen Infrastruktur.
Einschränkungen im Alltag der Bewohner
In modernen Wohn- und Gewerbeimmobilien fallen bei Stromausfällen zahlreiche Funktionen gleichzeitig aus. Lüftungsanlagen stehen still, elektrische Rollläden lassen sich nicht mehr bedienen, Tiefgaragentore blockieren Zufahrten, Aufzüge bleiben stehen. Besonders für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität stellt das eine erhebliche Belastung dar. Im Extremfall wird ein Gebäude zu einem Ort, der weder sicher genutzt noch problemlos verlassen werden kann.
Mobilität und Kommunikation brechen weg
Zusätzlich entstehen Probleme jenseits der Gebäudetechnik. Elektrofahrzeuge verlieren bei Kälte schnell an Reichweite, ein Nachladen ist ohne Strom nicht möglich. Gleichzeitig verfügen Mobilfunk- und Datennetze nur über begrenzte Notstromreserven. Fällt diese aus, brechen Telefonie, Internet und digitale Kommunikation zusammen – eine kritische Situation für Menschen, die auf externe Unterstützung angewiesen sind.
Ein strategisches Risiko für Vermieter
Großflächige Stromausfälle sind kein bloßes Komfortproblem. Sie betreffen Sachwerte, Haftungsfragen und letztlich die wirtschaftliche Stabilität von Immobilien. Vorsorge rückt damit in den Bereich der professionellen Sorgfaltspflicht. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und durchdachte Notstromkonzepte können dazu beitragen, Schäden zu begrenzen und zentrale Funktionen zumindest teilweise aufrechtzuerhalten.
Resilienz entwickelt sich damit zur Grundvoraussetzung für sichere, bewohnbare und wirtschaftlich stabile Gebäude. Für Vermieter bedeutet das, Risiken realistisch zu bewerten, Zuständigkeiten klar zu definieren und Immobilien auf Szenarien vorzubereiten, die längst keine Ausnahme mehr darstellen.