Wenn der Immobilienmarkt ins Stocken gerät
Steigende Zinsen, rückläufige Transaktionen, restriktivere Finanzierungen: In der Immobilienwirtschaft sind Krisen besonders spürbar. Projekte werden verschoben, Investoren warten ab, Marktteilnehmer ziehen sich zurück. Für viele wirkt diese Phase wie ein klares Signal, unternehmerische Vorhaben aufzuschieben. Doch gerade in solchen Marktphasen entstehen neue Geschäftsmodelle, neue Marktteilnehmer und nachhaltige Chancen für Gründer mit klarem Blick.
Warum Krisen gerade für Immobiliengründer Chancen bieten
Krisenzeiten verändern die Spielregeln. Preise, Nutzungsanforderungen, Finanzierungslogiken und regulatorische Rahmenbedingungen verschieben sich. Geschäftsmodelle, die auf stetiges Wachstum und günstige Finanzierung angewiesen waren, geraten unter Druck. Gleichzeitig entstehen neue Bedarfe: Umnutzung statt Neubau, Sanierung statt Expansion, Effizienz statt Volumen.
Für Gründer in der Immobilienwirtschaft bedeutet das: Der Markt ist nicht verschwunden, sondern differenzierter geworden. Wer flexibel denkt, Nischen erkennt und bestehende Strukturen hinterfragt, kann dort ansetzen, wo etablierte Akteure gebremst sind.
Neue Bedürfnisse entstehen schneller als neue Sicherheiten
Krisen verändern Prioritäten. Unternehmen suchen nach effizienteren Lösungen, Privatkunden nach günstigeren, flexibleren oder digitaleren Angeboten. Gleichzeitig sinkt oft die Loyalität zu bestehenden Anbietern, wenn diese nicht mehr überzeugen. Für Gründer bedeutet das: Der Markteintritt kann leichter sein als in stabilen Zeiten. Kunden sind offener für Alternativen, Kooperationen entstehen schneller, und auch qualifizierte Fachkräfte sind häufiger bereit, neue Wege zu gehen. Was fehlt, ist nicht Nachfrage, sondern Orientierung.
Die Illusion der Sicherheit
Viele potenzielle Gründer warten auf den „richtigen Zeitpunkt“. Auf stabile Märkte, planbare Kosten, klare Prognosen. Doch diese Sicherheit existiert selten – auch in wirtschaftlich guten Zeiten. Krisen machen lediglich sichtbar, was sonst überdeckt bleibt: Märkte verändern sich ständig, Geschäftsmodelle sind nie endgültig sicher, und Planung ist immer eine Annäherung. Wer gründet, akzeptiert Unsicherheit als Teil des unternehmerischen Alltags. Der Unterschied in Krisenzeiten besteht darin, dass diese Unsicherheit für alle sichtbar wird – nicht nur für Gründer.
Klein anfangen, schnell lernen
Erfolgreiche Gründungen in Krisenzeiten folgen selten dem klassischen Muster umfangreicher Planungen und großer Anfangsinvestitionen. Stattdessen setzen sie auf einen pragmatischen Ansatz: klein starten, Hypothesen testen, Feedback einholen und anpassen. Diese Vorgehensweise reduziert Risiken, weil Fehlannahmen früh erkannt werden. Sie verlangt jedoch Klarheit über das eigene Geschäftsmodell, Kostenstrukturen und Zielgruppen. Gerade hier zeigt sich, dass Mut allein nicht ausreicht. Beweglichkeit braucht Struktur.
Warum externe Perspektiven wichtiger werden
In Krisenzeiten steigt die Komplexität unternehmerischer Entscheidungen. Förderprogramme ändern sich, Finanzierungsbedingungen werden restriktiver, Kostenentwicklungen sind schwer kalkulierbar. Gleichzeitig müssen Gründer schnelle Entscheidungen treffen.
Eine externe, erfahrene Perspektive kann helfen, blinde Flecken zu vermeiden. Nicht, um Verantwortung abzugeben, sondern um Annahmen zu prüfen, Risiken realistisch einzuordnen und Strategien zu schärfen. Gerade weil Gründer emotional stark mit ihrer Idee verbunden sind, ist ein nüchterner Blick von außen wertvoll – besonders in unsicheren Phasen.
Krisen zwingen zur unternehmerischen Reife
Wer in einer Krise gründet, lernt schneller. Entscheidungen haben unmittelbare Konsequenzen, Fehler werden nicht von Wachstum überdeckt. Das führt zu einer Form von unternehmerischer Reife, die in stabilen Zeiten oft erst später entsteht. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass Unternehmen, die in Krisenzeiten entstehen, häufig widerstandsfähiger sind. Sie sind es gewohnt, mit knappen Ressourcen zu arbeiten, Kosten zu hinterfragen und flexibel zu reagieren. Diese Fähigkeiten bleiben – auch wenn sich die wirtschaftliche Lage wieder stabilisiert.
Fazit: Nicht trotz, sondern wegen der Krise
Krisenzeiten sind keine Einladung zum blinden Risiko. Sie verlangen Klarheit, Analyse und Beweglichkeit. Wer gründet, sollte nicht darauf hoffen, dass Unsicherheit verschwindet, sondern lernen, mit ihr umzugehen.
Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass Krisen neue Spielregeln schaffen. Wer sie versteht, kann Chancen erkennen, bevor sie offensichtlich werden. Unterstützende Expertise kann dabei helfen, Entscheidungen fundierter zu treffen und Risiken bewusst zu steuern.
Nicht jede Krise ist eine gute Gründungszeit für jede Idee. Aber für Gründer, die bereit sind, klein zu starten, schnell zu lernen und Strukturen bewusst aufzubauen, sind Umbruchphasen oft der Beginn nachhaltigen Erfolgs.
Autor: Maximilian Schreiber
Maximilian Schreiber ist Unternehmer, Wirtschaftsjurist, Business-Coach und einer der führenden Gründungsberater und Fördermittelexperten im deutschsprachigen Raum. Nach Auslandseinsätzen bei der Bundeswehr weiß er, wie man in Krisen Chancen erkennt und klare Entscheidungen trifft. Als Geschäftsführer der RSC GmbH und der MX Logitcon GmbH mit dem Medienprojekt The Way of Business unterstützt er Gründer und Unternehmen dabei, Liquidität zu sichern, Fördermittel clever zu nutzen und neue unternehmerische Perspektiven zu entwickeln. Maximilian Schreiber ist ein Experte, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Sein Credo: „Krisen sind der Moment, in dem Gewinner gemacht werden.“ Website: https://wiegruenden.de/