Der Wasserturm als Zeitzeuge
Der markante Backsteinturm wurde ursprünglich als Speicher für das Kesselwasser der Dampflokomotiven errichtet und erhielt daher auch seinen Namen „Wasserturm“. Er befindet sich auf dem damals wichtigsten und größten Bahnhof der Monarchie und steht seit dem Ende des Dampflokzeitalters leer. Trotz seiner Stilllegung prägt er mit seiner charakteristischen Erscheinung weiterhin das Nordbahnhofsareal. Als eindrucksvoller Zeitzeuge des Industriezeitalters soll der Wasserturm künftig eine zentrale Rolle im neuen Stadtviertel übernehmen und mit konsumfreien Zonen sowie einem Gastgarten einen besonderen Ort für Kultur und Begegnung schaffen.
Silvia Angelo, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG betont: „Der Wasserturm ist weit mehr als ein historisches Bauwerk – er ist ein Stück Identität für das Nordbahnhofsareal. Seine Revitalisierung zeigt, wie wir Geschichte bewahren und gleichzeitig neue, lebendige Räume schaffen können. Als Tor zur Stadtwildnis wird der Turm künftig ein lebendiger Treffpunkt sein, an dem sich Menschen begegnen und Natur im neuen Stadtviertel erleben können. Genau solche Projekte machen Stadtentwicklung nachhaltig und spürbar lebenswert.“
Behutsame Revitalisierung
Der Wasserturm bleibt in seiner äußeren Erscheinung vollständig erhalten und wird mit gezielten Maßnahmen für die neue Nutzung adaptiert. Die Fassade aus Vollziegeln wird gereinigt, die Fenster saniert und wo nötig rekonstruiert. Ein besonderes historisches Detail bleibt bewusst sichtbar: Ein ehemaliger Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg wird als authentischer Zeitzeuge in die Fassade integriert und erinnert an die bewegte Geschichte des Standorts. Der Sockelbereich erhält eine umlaufende Sitzstufe, die den Turm im Außenraum zu einem einladenden Treffpunkt macht. Das Gebäude wird außerdem unterkellert und erhält einen zusätzlichen Anlieferungszugang über die Leystraße. Im Inneren erfolgt die Adaptierung für die geplante gastronomische Nutzung: Eine neue Treppe verbindet Erd- und Kellergeschoss, ein barrierefreies WC entsteht im Erdgeschoss, die übrigen Sanitäranlagen sowie Technik- und Lagerräume sind im Untergeschoss untergebracht.
Historische Skulpturen kehren zurück
Besonders eindrucksvoll wird die Raumhöhe von bis zu dreizehn Metern, die es ermöglicht, den vier allegorischen Figuren einen prominenten Platz im oberen Bereich des Gastraumes zu geben. Diese Skulpturen standen ursprünglich im Hofwartesalon des Nordbahnhofs und symbolisierten die Städte, die durch den Bahnhof verbunden waren: Wien, Brünn, Olmütz und Krakau. Nach dem Abriss des Bahnhofsgebäudes wurden sie in die damalige Bundesbahndirektion überführt und finden nun im Wasserturm ein neues Zuhause.
„Freie Mitte“ als Herzstück des Nordbahnhofviertels
Der Wasserturm wird künftig nicht nur als Landmark und Tor zur „Stadtwildnis“ einen besonderen Ort für Begegnung und Austausch schaffen, sondern auch eng mit der Gestaltung der „Freien Mitte“ verbunden sein. Dieses etwa 10 Hektar große, zusammenhängende Grünareal bildet das Herzstück des Nordbahnhofsviertels und sorgt für einen großzügigen Naturraum, der sowohl den Bewohner:innen des Norbahnhofviertels als auch dem gesamten Bezirk zugutekommt. ie Freiraumgestaltung wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Wien entwickelt und orientiert sich an der ursprünglichen Planung der „Freien Mitte“.
Besonderes Augenmerk liegt auch rund um den Wasserturm auf ökologischen Maßnahmen: Das Regenwasser wird über Sickerschächte direkt auf Eigengrund versickert, wodurch eine nachhaltige Bewirtschaftung gewährleistet ist. Im Gastgarten erfolgen zusätzliche Baumpflanzungen, die gemeinsam mit Rasenflächen und Trockenwiesenmischungen eine vielfältige Grünstruktur schaffen. Damit entsteht ein lebendiger Übergang zwischen urbanem Raum und Natur – ein neuer, identitätsstiftender Ort für den 2. Bezirk, der Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky: „Die Freie Mitte zeigt, wie Wien mit nachhaltiger Stadtentwicklung Orte schafft, an denen sich alle Menschen wohlfühlen und wo Biodiversität großgeschrieben wird. Auf mehr als 90.000 Quadratmetern trägt die „Freie Mitte“ allen Bedürfnissen Rechnung: Während sich hier die Natur entfalten kann, finden Wienerinnen und Wiener viel Platz zum Sporteln, zum Entspannen, aber auch Abkühlung und Schutz vor Hitze. Auch der historische Wasserturm wird die Verbindung zwischen Natur und urbanen Raum noch einmal untermauern und damit nicht nur die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner erhöhen.“
Bedeutung für das Stadtviertel und den Bezirk
Mit der Revitalisierung des Wasserturms entsteht ein besonderer Ort an der Schnittstelle zwischen dichter Bebauung und der „Freien Mitte“. Das Projekt verbindet die industrielle Geschichte des Standorts mit zeitgemäßer Nutzung und schafft einen kulturellen sowie gesellschaftlichen Treffpunkt für Bewohner:innen und Besucher:innen des neuen Stadtviertels. In einem Quartier mit neuen Wohn- und Arbeitsplätzen, großzügigen Grünflächen und vielfältigen Freizeitangeboten übernimmt der Wasserturm künftig eine zentrale Rolle als identitätsstiftendes Wahrzeichen.
Bezirksvorsteher Alexander Nikolai: „Der Wasserturm entwickelt sich zu einem neuen Treffpunkt für die Leopoldstadt und ist zugleich das prägende Wahrzeichen des Nordbahnviertels. Die Revitalisierung verbindet die Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise. Mit der neuen Nutzung entsteht ein offener Raum für Austausch, Kultur und Erholung. Entscheidend ist dabei, dass der historische Charakter erhalten bleibt und es konsumfreie Zonen für alle Menschen im Bezirk gibt. So wird der Wasserturm zu einem lebendigen Teil der Freien Mitte und des 2. Bezirks.“
Gastronomisches Konzept in Ausarbeitung
Für den Wasserturm ist eine gastronomische Nutzung geplant, die ein niederschwelliges Angebot für das neue Stadtviertel schaffen soll. Vorgesehen ist ein kleines, feines Sortiment – etwa Frühstücksangebote, Snacks sowie kalte und warme Getränke –, das gemeinsam mit den künftigen Betreiber:innen final ausgearbeitet wird. Im Innenbereich sind rund 45 Sitzplätze auf etwa 114 m² geplant, im Gastgarten rund 70 Plätze auf einer Fläche von etwa 200 m². Der Betrieb soll als Bedienrestaurant geführt werden; angedacht sind Öffnungszeiten von 6:00 bis 24:00 Uhr, der Gastgarten bis 22:00 Uhr.