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„Österreich ist nicht fertiggebaut" – Andreas Pfeiler über Flächenmanagement und Nachhaltigkeit in der Baustoffindustrie

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Im Rahmen der Veranstaltung „Ist Österreich fertiggebaut?" spricht Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands der keramischen Industrie, über die aktuellen Herausforderungen der Branche. Die Initiative des Fachverbands Steine-Keramik zielt darauf ab, eine transparente und sachliche Diskussion zum Thema Flächeninanspruchnahme zu führen – ein Bereich, für den die Baustoffindustrie oft kritisiert wird.

Intelligente Flächennutzung statt Baustopp

„Österreich ist nicht fertiggebaut", betont Pfeiler mit Nachdruck und wendet sich gegen dogmatische Bauverbote. „Das ist weder klug noch realistisch. Solange die Bevölkerung wächst, werden wir Wohnraum brauchen", erläutert der Branchenexperte die Position des Verbands. Dennoch erkennt er die Problematik der Zersiedelung an und plädiert für einen intelligenteren Umgang mit verfügbaren Flächen.

Als konkrete Maßnahmen gegen übermäßigen Flächenverbrauch, insbesondere in ländlichen Regionen, schlägt Pfeiler vor: „Ich würde mich freuen, wenn wir die Parkplätze nicht rund um die Zentren hätten, sondern vielleicht eher in die Tiefe bauen, vielleicht auch Auflagen schaffen, wo wir auch mehr in die Höhe bauen." Die verfügbaren Baustoffe ermöglichen bereits heute vielfältige bauliche Lösungen jenseits der reinen Flächennutzung.

CO₂-Reduktion in der Baustoffindustrie

Auf die Frage nach Innovationen zur CO₂-Reduktion gibt Pfeiler einen detaillierten Einblick in die Herausforderungen und Lösungsansätze der Branche. Ein wesentlicher Teil der Emissionen entstehe nicht durch den Energieverbrauch, sondern durch prozessbedingte Freisetzungen aus den Rohstoffen selbst. „Wenn man Kalkstein brennt, entsteht durch die Versauerung des Kalks CO₂, das freigesetzt wird. Das wird aber nur einmal freigesetzt, nämlich bei der Produktion", erklärt er die chemischen Grundlagen.

Die Branche arbeitet intensiv an Innovationen im Bereich der Energieträger. Als Beispiel nennt Pfeiler die Zementindustrie: „Wir sind in der Zementindustrie zum Beispiel die größten Abfallverwerter nach der Abfallentsorgung selbst. Wir haben 85 bis 90% Ersatzbrennstoff-Quoten in den hochenergieintensiven Erzeugnissen."

Langlebigkeit als unterschätzter Nachhaltigkeitsfaktor

Mit besonderem Nachdruck spricht sich der Verbandsgeschäftsführer für eine Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Baustoffen aus. Die derzeitige Norm, die von einer 50-jährigen Nutzungsdauer ausgeht, werde der Realität mineralischer Baustoffe nicht gerecht. „Das älteste Wohngebäude in Österreich, das noch immer als Wohnraum benutzt wird, ist eine römische Wertung aus dem vierten Jahrhundert. Ich frage mich, was daran nicht nachhaltig sein soll", führt Pfeiler anschaulich aus.

Die Wiederverwertbarkeit mineralischer Baustoffe stellt für Pfeiler einen wesentlichen Vorteil dar: „Wien steht letztendlich auf den Grundfesten einer römischen Siedlung. Die ehemalige Stadtmauer ist heute in den Fundamenten unserer Ringstraßenbauten." Erst eine realistische Betrachtung des Lebenszyklus über einen „wirklich sinnvollen, den Natur abbildenden Zeitraum" würde die wahre ökologische Qualität mineralischer Baustoffe offenbaren.

Pfeiler betont jedoch auch, dass alle Baumaterialien ihre Berechtigung haben: „Ich bin jetzt nicht der Fan, alles auf einen Baustoff zu setzen. Es bringt nichts, weil wir uns dann andere Probleme schaffen."


Transkript

0:08 Mein Name ist Andreas Pfeiler, ich Geschäftsführer im Fachverband der Stein- Keramischen Industrie. Ich bin ausgebildeter Bauingenieur und Bauen liegt mir am Herzen und ist auch eine Leidenschaft für mich. Steine, Keramik und heute eine Veranstaltung zur Flächenversiegelung, wie ist denn dieser Kontext entstanden? Das ist eine sehr spannende Frage und die wollen wir heute eigentlich auch gern beantworten. Deswegen haben wir eigentlich es uns als Ziel gesetzt, heute alle beteiligten Parteien oder Interessenkreise an den Tisch zu holen, um das Problem mit dem Flächenverbrauch zu klären. Warum wir als Baustoffindustrie hier einen Impuls setzen,

0:46 hat ein bisschen den Grund. Wir sind in dieser ganzen Kette die Letzten, den Baustoff beliefern und werden oft für diese Flächen in Anspruchnahme verantwortlich gemacht und um das aufzuklären und eine transparente Sachliche Diskussion zu führen, haben wir diese Initiative heute gesetzt. Der Titel der Veranstaltung ist Österreich fertig gebaut mit einem Fragezeichen, deine Antwort? Österreich ist nicht fertig gebaut. Ich halte es für sinnvoll, dass wir uns um das Thema der Flächen in Anspruchnahme kümmern Müssen. Es ist nicht nur sinnvoll, wir müssen uns darum kümmern, aber dogmatisch Bauen zu verhindern und zu meinen,

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1:27 ist am Ende, das ist weder klug noch realistisch, solange Bevölkerung wächst, werden wir Wohnraum brauchen. Dass man den vielleicht jetzt nicht in einer Zersiedlungstaktik beistellen ist unbestritten, das wollen wir auch nicht. Da wollen wir einen Impuls setzen, um vielleicht einen smarteren, nachhaltigeren Umgang mit den vorhandenen Flächen so zu gewährleisten, dass wir eben auch Wohnraum und Infrastruktur beistellen können. Im urbanen Bereich, das Thema Nachverdichten, eh schon ein ganz großes. Verbrauch findet aber oft am Land viel stärker statt, sprichwört Fachmarktzentren. Mit welchen Maßnahmen kann man denn da gegensteuern?

2:05 Also ich würde mich freuen, wenn wir die Parkplätze nicht rund um die Fachmarktzentren hätten, sondern vielleicht eher in die Tiefe bauen, vielleicht auch Auflagen schaffen, wo wir auch mehr in die Höhe bauen. Man muss nicht alles in der Fläche verbauen. Wir haben genügend gute Baustoffe die es auch ermöglichen, dass wir in die Höhe und in die Tiefe bauen. Baustoffe sind oft ja auch in der Kritik, sie sehr viel an der CO2-Produktion ausmachen. Wo sind denn da momentan die stärksten Innovationen, gerade in eurem Bereich, um CO2 zu reduzieren? Ja, das Thema CO2 ist uns ein wichtiges Thema, keine Frage, wir setzen sehr viel CO2 frei.

2:45 möchte aber wirklich betonen, dass ein ganz großer Anteil nicht aus dem Energieträger kommt, sondern eigentlich aus dem Rohstoff selbst. Wenn man Kalkstein brennt und durch die Versäuerung des Kalks entsteht die Phase CO2, die wird freigesetzt. Die wird aber nur einmal freigesetzt, nämlich bei der Produktion. Danach kommt es sogar bei teilweise Baustoffen zu einer Einlagerung des in der Luft vorhandenen CO2s. Das ist vielleicht kein Riesenanteil, aber es findet statt. Das heißt, das Thema ist uns wichtig, auch deshalb weil wir natürlich hohe Energie oder hohen Energieeintrag brauchen für die Produktion.

3:24 Und wir sind insofern innovativ ich möchte ein Beispiel nennen, wir sind in der Zementindustrie zum Beispiel die größten Abfallverwerter nach der Abfallentsorgung selbst. Wir haben 85 bis 90 Prozent Ersatzbrennstoffquoten in den hoch energieintensiven Erzeugnissen, insofern da ist viel getan. Den Kalkstein werden wir nicht ändern. Der Kalkstein ist ein Nutri-Produkt, über Millionen Jahre gewachsen, hat CO2 aus der Erdatmosphäre über Millionen Jahre eingelagert und wenn wir den verwenden wollen, dann werden wir CO2 auch freisetzen. Den Energieträger über den machen wir uns Gedanken, wie können wir unsere Prozesse verbessern,

4:03 damit wir über den Energieträger keine CO2-Missionen mehr freisetzen. Da habe ich gestern zufällig gerade auch ein Interview geführt zur CO2-Neutralität oder CO2-Verbrauch des Wiener Ziehenshauses und da hat mir ein Experte gesagt, eigentlich wenn man es über den Lebenszyklus betrachtet, dann ist das Wiener Ziehenshaus das umweltschonendste Gebäude überhaupt. Steinkeramik steht für mich auch ein bisschen für Langlebigkeit. Wie sehr müsste denn im Neubau da auch noch darauf geachtet werden, Materialien von euch oder langlebige Materialien zu verwenden, dass man nicht sagt, das reiße ich nach 30 Jahren wieder ab?

4:43 Das ist eine sehr gute Frage die ich gerne aufgreife. Ich möchte vorwegschicken, haben alle Materialien irgendwo ihre Berechtigung. Das ist überhaupt kein Thema. Ich bin jetzt nicht der Fan, alles auf einen Baustoff zu setzen. Das bringt nichts, weil wir uns dann andere Probleme schaffen. Ich glaube, wir müssen da rangehen, den Lebenszyklus insofern nachzudenken, dass wir nicht so wie es die Norm vorsieht, mit 50 Jahren begrenzen. 50 Jahre ist etwas, was die Natur nicht abbildet. Wir berechnen weil es eine Norm hergibt, 50 Jahre Lebenszyklus. Das ist aus unserer Sicht viel zu wenig gedacht. Ich möchte ein Beispiel nennen,

5:17 das älteste Wohngebäude in Österreich, das noch immer als Wohnraum benutzt wird, ist ein römischer Wehrturm aus dem vierten Jahrhundert. Ich frage mich was daran nicht nachhaltig sein soll. Das heißt, unsere Materialien werden immer wieder verwendet. Das ist auch eine große Stärke der mineralischen Rohstoffe. Der Gips kann wieder zu Gips werden. Wien steht letztendlich auf den Grundfesten einer römischen Siedlung. Die ehemalige Stadtmauer ist heute in den Fundamenten unserer Ringstraßenbauten. Das heißt, glaube, über diese Wiederverwertungsschiene und über die Betrachtung des Lebenszyklus über einen wirklich

5:50 sinnvollen den Natur abbildenden Zeitraum macht großen Sinn. Wenn wir das haben, dann haben wir auch nicht mehr das Problem, dass uns die Theorie sagt, die Materialien sind schlecht, weil nach 50 Jahren wird das derzeit berechnet und das bildet die Natur nicht ab und natürlich schneiden wir dann da schlecht ab.

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