Am Donaukanal, fünf Gehminuten vom ersten Bezirk entfernt, entsteht auf einem 2,3 Hektar großen Areal das LeopoldQuartier – nach Darstellung des Entwicklers UBM das erste Stadtquartier Europas in Holz-Hybrid-Bauweise. Auf fünf Baufeldern verteilen sich rund 253 Wohnungen, City-Apartments, ein Bürohaus mit rund 22.000 Quadratmetern, Gewerbeflächen, ein Supermarkt, ein Kindergarten und reichlich Grün.
Das Bürogebäude (LeopoldQuartier Office) ist ein Skelettbau aus Holzelementen und Stahlbeton-Fertigteilen, der ab dem ersten Obergeschoß bis ins neunte Geschoß als Holz-Hybrid ausgeführt ist – mit Brettschichtholzstützen, Brettsperrholz-Parapeten und Holz-Beton-Verbunddecken. Innovative Heiz- und Kühlsegel sorgen für das Raumklima. Das städtebauliche Konzept und die Wohntrakte stammen von Gangoly & Kristiner (Graz), das Bürogebäude plante HNP architects (Wien).
Wirtschaftlich setzt das Office mit Durchschnittsmieten von rund 26,60 Euro pro Quadratmeter eine neue Benchmark für Büroflächen außerhalb des ersten Bezirks. Der Vermietungsstart verlief allerdings ruhig: Im Oktober 2024 waren erst rund 16 Prozent vergeben, bis Anfang 2026 stieg die Quote auf über 40 Prozent.
Eckdaten im Überblick:
• Standort: Obere Donaustraße 23–29, 1020 Wien (Donaukanal)
• Typ: Mixed-Use-Stadtquartier in Holz-Hybrid-Bauweise
• Umfang: rund 253 Wohnungen + ca. 22.000 m² Büro, 2,3 ha Areal
• Holz (Office): rund 2.800 m³, Lieferung aus max. 300 km Umkreis
• Fertigstellung: Office Ende 2025, Gesamtquartier 2026
• Architektur: Bürogebäude HNP architects (Wien); Städtebau/Wohnbau Gangoly & Kristiner (Graz)
• Zertifizierung: DGNB Gold, CO2-neutraler Betrieb
Bauherr: UBM Development
Bauherr ist die börsennotierte UBM Development AG, die sich strategisch zu einem der führenden Holzbau-Entwickler Europas ausgerichtet hat – mehr als 70 Prozent der Pipeline entfallen auf Holz-Hybrid-Projekte. Das LeopoldQuartier ist das Aushängeschild dieser Strategie. Dass es ausgerechnet in die wirtschaftlich schwierigsten Jahre des Unternehmens fiel, macht es zugleich zum Prüfstein.
Wer hat das LeopoldQuartier geplant? HNP architects und Gangoly & Kristiner
Das städtebauliche Konzept für das gesamte Quartier stammt von Gangoly & Kristiner Architekten aus Graz, die den zweistufigen Wettbewerb gegen 70 Einreichungen gewannen und auch die Wohntrakte planten. Das markante Bürogebäude an der Oberen Donaustraße – das architektonische Aushängeschild des Quartiers – wurde hingegen von HNP architects aus Wien geplant; die integrale Planung lag bei pde Integrale Planung. Entscheidend war, das Konstruktionsprinzip Holz nicht zu kaschieren, sondern mit sichtbaren Oberflächen als gestalterisches und atmosphärisches Element erlebbar zu machen, ohne die städtebauliche Einbindung in die gewachsene Leopoldstadt zu verlieren.
Wer hat das LeopoldQuartier gebaut? PORR
Generalunternehmer ist die PORR Bau GmbH, die für die Bauteile des Office- und des Living-Bereichs verantwortlich zeichnet. Nach Darstellung der PORR kamen mehrere Konzernabteilungen zum Einsatz – Holzbau, Hochbau, Haustechnik und Tiefbau aus einer Hand. Das Holz lieferten unter anderem die HASSLACHER Group und Theurl.
Die Holz-Hybrid-Bauweise ist hier kein Symbol, sondern Konstruktionsprinzip: Holz trägt, Stahlbeton ergänzt dort, wo es statisch sinnvoll ist. PORR-Chef Karl-Heinz Strauss bezifferte allein den Office-Bau auf rund 2.800 Kubikmeter Holz – Material, das langfristig CO2 bindet und das Gebäude leichter macht, was wiederum die Gründung entlastet.
Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz
Das LeopoldQuartier zählt zu den am besten dokumentierten Energiekonzepten der Stadt. Über ein Netz von rund 200 Erdsonden, die jeweils 150 Meter tief reichen, sowie drei Brunnenanlagen wird Heiz- und Kühlenergie gewonnen; über 1.000 Photovoltaik-Paneele (rund 425 kWp) liefern Strom. Erdwärme und Erdkälte machen den Betrieb CO2-frei, das Quartier kommt einer Beinahe-Energieautarkie nahe.
In der Klimabilanz nennt UBM-CTO Peter Schaller rund 11.000 Tonnen CO2, die im verbauten Holz langfristig gespeichert sind – so viel, wie ein Dorf mit etwa 1.250 Einwohnern jährlich emittiert. In der Herstellungsphase werden nach Unternehmensangaben 43 Prozent CO2-Äquivalent eingespart, im Betrieb rund 330 Tonnen pro Jahr gegenüber einer konventionellen Fernwärmeversorgung.
Was war schwierig?
Schwierig war vor allem die Zeitachse. Ursprünglich war die Fertigstellung des Quartiers bereits für 2022 angesetzt – tatsächlich wird das Office Ende 2025 fertig, das Gesamtquartier 2026. Bürgerbeteiligung und Umplanung kosteten Jahre, „zunächst lief alles ganz und gar nicht nach Plan”, wie es in der lokalen Berichterstattung hieß. Hinzu kam der schleppende Vermietungsstart in einem schwierigen Büromarkt: Die hohe Benchmark-Miete ist Chance und Risiko zugleich. Und der Bau fiel mitten in die tiefste Krise des Entwicklers: UBM schrieb 2023 einen Verlust vor Steuern von rund 39 Millionen Euro – das „annus horribilis” der Branche, so CEO Thomas Winkler – und 2024 nochmals rund 23 Millionen Euro Verlust, ehe 2025 die Rückkehr in die Gewinnzone gelang.