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KOO.BAU Praxisevent: Wie eine neue Community den Kulturwandel in der Bauwirtschaft vorantreibt

vor 5 Stunden

4 Minuten

Über 50 Branchenvertreter:innen kamen am 24. März zur DELTA AG in Wien, um kooperative Projektabwicklung von der Theorie in die Praxis zu übersetzen. Drei internationale Referenzprojekte – von der Integrated Project Alliance bis zum Allianzvertrag – lieferten den Beweis: Wer kooperativ baut, baut profitabler. Ein Nachmittag, an dem die Baubranche ihre harte Schale ablegte.

Es gibt Veranstaltungen, bei denen man nach zwanzig Minuten weiß, dass hier niemand gekommen ist, um Visitenkarten zu tauschen. Das erste KOO.BAU Praxisevent war so eine. Kein Kongress-Feeling, keine vorformulierten Podiumsantworten. Stattdessen: Ein Raum voller Menschen, die seit Jahren an einem Kulturwandel in der Bauwirtschaft arbeiten – der Idee, dass man auf einer Baustelle besser miteinander als gegeneinander arbeitet.

Über 50 Teilnehmer:innen füllten die Räume bei der DELTA AG in Wien – deutlich mehr als die 35, die noch eine Woche zuvor auf der Anmeldeliste standen. Viele kamen als Last-Minute-Entscheider, angelockt durch Mundpropaganda und eine gut besuchte Vorab-Veranstaltung in Linz zwei Wochen zuvor. Wolfgang Kradischnig, CEO der DELTA AG und einer der Köpfe hinter KOO.BAU, zeigte sich im Gespräch mit der Immobilien Redaktion sichtlich überrascht vom Andrang.

Was kooperative Projektabwicklung für Bauträger und Investoren bedeutet

Am Vormittag standen drei Best-Practice-Projekte im Zentrum: das DM Verteilerzentrum Kronsdorf als Integrated Project Alliance (IPA), die drei Schulen in Bremerhaven als Allianzvertrag nach deutschem Modell und das Projekt Alliance One am Campus Sursee aus der Schweiz. Drei Länder, drei unterschiedliche Projekttypen – aber dasselbe kooperative Grundprinzip. Und genau das beeindruckte die Teilnehmer:innen: dass es trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen überall funktioniert.

Für Bauträger und Investoren ist diese Entwicklung keine akademische Frage mehr. Kooperative Projektabwicklung – ob als IPA, als Allianzvertrag oder über Early Contractor Involvement (ECI) – verändert Risikoverteilung, Kostenstruktur und Planungssicherheit fundamental. Allein in Deutschland ist die Zahl der IPA-Projekte von 13 im Jahr 2023 auf 43 im Jahr 2025 gestiegen.

Wolfgang Wiesner von der PORR AG, Gründungsmitglied von KOO.BAU, brachte die wirtschaftliche Dimension auf den Punkt:

Du hast weniger Stress und du hast mehr Gewinn – das ist das Ziel.

Ein Kollege mit 30 Jahren Branchenerfahrung habe im Workshop bestätigt, dass seine profitabelsten Projekte ausnahmslos jene waren, die kooperativ abgewickelt wurden. Doris Schmidtberger von der DELTA AG, die innovative Abwicklungsmodelle vorantreibt, beobachtet denselben Trend von der Nachfrageseite:

Der Markt komme mittlerweile aktiv auf Anbieter kooperativer Modelle zu, weil die Vorteile – schnellere Abwicklung, weniger Konflikte, höhere Marge – inzwischen durch reale Pilotprojekte belegbar sind.

Warum die Baubranche jetzt einen Kulturwandel braucht

KOO.BAU – „KOOperation & Kollaboration am Bau" – ist ein nach der Corona-Pandemie von 15 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufener Verein mit Sitz in Wien. Die Vorgeschichte reicht allerdings fast zwei Jahrzehnte zurück. Leonidas Schafferer, Baumeister, Mediator und Gewinner des KOOP-Award 2020, verortet den Ursprung im Jahr 2006, als bei Professor Pucher an der Universität Innsbruck die Forschungsinitiative „Der Mensch in der Bauwirtschaft" begann. Damals saßen ÖBB- und ASFINAG-Vorstände mit am Tisch, der Wille zur Kooperation war deklariert – aber die Jahre gingen, ohne dass sich strukturell etwas änderte. Über die IG Lebenszyklus Bau, in deren Vorstand Kradischnig 15 Jahre lang wirkte, und über Merkblätter des ÖBV wurden Grundlagen gelegt. Aber es fehlte eine Plattform, die den Kulturwandel in der Bauwirtschaft vom Einzelprojekt in die Breite trägt.

KOO.BAU will genau das sein – aufgebaut auf drei Säulen: Mensch, Organisation und Projekt. Neben Kradischnig und Schafferer gehören Stefan Ufertinger (AFRY Austria), Karina Breitwieser (TU Wien), Martina Kapsammer (CMb.Industries), Markus Gaugeler, Wolfgang Wiesner (PORR) und weitere Fachleute aus Bau, Beratung und Wissenschaft zum Gründungsteam. Auffällig: Neben Bauingenieuren und Projektmanagern sind auch Coaches, Mediatoren und Kommunikationsexperten vertreten – ein bewusstes Signal, dass es hier um mehr geht als um Vertragsmodelle.

Transfer statt Theorie: Was dieses Format anders macht

Was das KOO.BAU Praxisevent von einer klassischen Fachkonferenz unterschied, war der Nachmittag. In Kleingruppen wurde die Transferfrage gestellt, die sonst unbeantwortet bleibt: Wie bringe ich kooperative Projektabwicklung tatsächlich in mein nächstes Projekt, in mein Unternehmen?

Das Format wurde bewusst so angelegt:

„Impulsvorträge sind gut. Aber letztlich müssen wir schauen, dass man den Transfer schafft in die eigene Realität. Und das geht nur in Kleingruppen – in Settings, wo du mit anderen, die gemeinsame Interessen haben, an der Umsetzung arbeiten kannst."

Karina Breitwieser von der TU Wien, die das Event als begleitete, beobachtete dabei eine ungewöhnliche Dynamik: Es seien nicht nur Erfolgsgeschichten geteilt worden, sondern auch Reibungspunkte und Konflikte offen benannt – und gerade diese Transparenz habe eine Offenheit erzeugt, in der Teilnehmer:innen bereit waren, Dinge preiszugeben, die sie normalerweise für sich behalten. Wiesner ergänzte, dass es beim Thema Kooperation nicht nur um besseres Arbeitsklima gehe, sondern um messbar bessere Projekte, die für alle Beteiligten auch wirtschaftlich interessanter seien.

Die nächste Generation als Hebel

Einen Aspekt, den gleich mehrere Beteiligte unabhängig voneinander betonten, sollten Unternehmen nicht unterschätzen: die Erwartungshaltung junger Fachkräfte. Schafferer, der auch an Hochschulen unterrichtet, berichtet, dass Studierende die konfliktgetriebene Baustellenkultur schlicht nicht nachvollziehen können. Sie brächten eine kooperativere Grundhaltung mit – und KOO.BAU will verhindern, dass diese Haltung durch eingefahrene Unternehmenskulturen zerstört wird. Martina Kapsammer von CMb.Industries, die für DELTA Kulturworkshops in Bauprojekten leitet, sieht darin auch ein knallhartes Employer-Branding-Argument: Wer kooperative Kultur vorweisen kann, hat im Wettbewerb um Fachkräfte einen messbaren Vorteil.

Breitwieser zog am Ende des Tages den Bogen über die Branche hinaus:

„Kollaboration ist ein höherer Zustand, den man sich wirklich erarbeiten muss – und dann auch behalten muss. Den nicht nur die Baubranche braucht, sondern auch die Gesellschaft."

Am 24. März in Wien hat man gesehen, wie dieser Kulturwandel in der Bauwirtschaft anfängt. Nicht mit einem Manifest, sondern mit 50 Menschen, die bereit waren, ihre harte Schale abzulegen. Wer die Baubranche kennt, weiß: Das ist ein Anfang, der Kraft hat.

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