‚Instagrammable‘ logieren, in Serviced Apartments

vor 3 Wochen

4 Minuten

Bild einer Wohnung im shabby-Look
Bild einer Wohnung im shabby-Look
© Immobilienrendite AG
Bild einer Wohnng im modernen interior Design
Bild einer Wohnng im modernen interior Design
© Immobilienrendite AG

Junge urbane Menschen punkten mit Mobilität und wohnen immer öfter in Airbnbs und Serviced Apartments. Doch Letztere müssen für eine Instagram-Story taugen, wissen die Vorstände der IMMOBILIENRENDITE AG dank eines neuen Kurzzeitwohn-Projekts in St. Pölten.

Das mintgrüne Sofa im Sixties-Look, der gemütliche Lounge-Chair und die mit edlen Accessoires sowie Grünpflanzen hip aufgemöbelte Küche stechen Besuchern wohlgefällig ins Auge. Aber auch immer mehr Instagram-Usern. Schließlich fluten Interior-Blogger den Social-Media-Kanal mit Fotos ihrer vier Wände, die in punkto Look & Feel jedes Wohn- oder Architekturmagazin schmücken würden.

11.000 Serviced-Apartments in Österreich

Also kopieren mittlerweile viele Schöner-Wohnen-Fans die vielgeklickten Anmutungen, die unter einschlägigen Hashtags präsentiert werden. Auch immer mehr Maklerinnen und Makler ziehen mit. Sie ‚stagen‘ die Wohnung, machen sie durch eine stilvolle Möblierung also bühnentauglich für soziale Medien. Entweder via digitaler Animationen, um den Wohnraum besser in Szene setzen zu können. Oder wie in Serviced Apartments mittlerweile auch mit realer Möblage im echten Leben.

Rund 11.000 vollausgestattete Bleiben gibt es in Österreich bereits, Tendenz steigend. Sie schließen die Lücke zwischen für mehrere Jahre angemieteten Wohnungen und Hotels für Kurzzeitaufenthalte. Speziell junge Menschen, die noch nicht über ihren Lebensmittelpunkt entschieden haben, wählen gerne das smarte Logiskonzept.

Dunkler Parkett? Out!

Bei der Vermarktung von Serviced Apartments über soziale Netzwerke geht nichts mehr ohne ‚instagrammable‘ Interieur. Markus Augenhammer kennt als Makler-Profi und Vorstand der IMMOBILIENRENDITE AG den Trend. „Auf dem Mietmarkt spielen Emotionen eine immer größere Rolle. Schließlich entscheidet nicht nur das Hirn über die neue Wohnung, Stichwort Lage und Leistbarkeit, sondern auch das Herz. Sie muss auf den ersten Blick gefallen. Eine Einrichtung am Puls der Zeit kann zum sprichwörtliche Door Opener werden.“

Doch das birgt Tücken. So reduziert die Fixierung auf kurzfristige Wohntrends die Halbwertszeit der Ausstattung mittlerweile deutlich. „Vor 15 Jahren war dunkler Parkettboden in Wohnungen eine edle und gefragte Luxusvariante. Doch bei Designfans gilt er nun als out.“ Um ihn aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht herausreißen zu müssen, kombinieren ihn Auskenner nun mit hellem Mobiliar im Scandinavian-Style. Schließlich ist Letzterer auf Instagram derzeit schwer angesagt.

Hyggelig hausen

Kerzen auf dem Esstisch aus Holz und kleine Lampen in den Fenstern, um die winterliche Dunkelheit mit viel indirektem Licht zu erleuchten. Dänen nennen die Gemütlichkeit in vier Wänden ‚hygge‘, Schweden ‚lagom‘. Der Stil ist ähnlich und präsentiert Möbel aus hellem (Birken-) Holz, natürliche Farben wie Weiß, Beige und Grau sowie echte Materialien: wärmende Wolle, kuscheliges Schaffell, unverwüstliches Leinen & Co. Stühle, Sofas und Betten aus dem schwedischen Möbelhaus werden mit nordischen Design-Klassikern wie Egg- und Swan-Chairs von Arne Jacobsen gemixt, gerne Vintage vererbt statt teuer gekauft.

Shabby-Chic im Industrial Loft

Urbanistas passen wiederum perfekt in alte Industrie-Lofts. Das Interieur stammt oft von Floh-Märkten und aus den fünfziger oder sechziger Jahren, bei Vielreisern aus aller Welt. Statt mit polierter Makellosigkeit darf es mit sichtbaren Gebrauchsspuren glänzen. Schließlich sollen alle sehen, dass es nicht von der Stange stammt. Die Wände präsentieren sich oft bunt und abgeblättert im Shabby-Style oder gänzlich nackt im Backstein-Look. So versprühen die umgemodelten Industrie-Buden den Zeitgeist New Yorks, Tokios und Berlins.

Wohnen in der Dampfmaschine

Junge Männer logieren gerne in Bleiben im Steam-Punk-Style. Letztere präsentieren sich nüchtern, kahl und düster mit dunkler Wandfarbe, viel schwarzem Holz und rohem Stahl bei Regalen wie Betten. Beliebt sind Accessoires aus schwarzem Leder und antiquarische Funkstücke mit Rohren sowie Zahnrädern. Die Wiederauferstehung der Dampfmaschinen-Ära in der eigenen Wohnung.

St. Pölten: Trend zur Kurzzeitmiete
Wie zeitgemäße Serviced Apartments funktionieren, zeigt die IMMOBILIENRENDITE AG bald in St. Pölten. Hier werden derzeit zwei alte, großteils leerstehende Gebäude saniert und in die Jahre gekommene Wohnungen durch anfangs fünf vollausgestattete Bleiben in unterschiedlicher Größe ersetzt. Mieterinnen und Mieter finden beim Einzug eine Vollausstattung vor, die vom Besteck bis zur Bettwäsche reicht. Zu mieten sind die Einheiten ab Frühling. Bei Erfolg werden im Sommer noch ein oder zwei Dutzend weitere Einheiten geschaffen.

Mathias Mühlhofer ist Sanierungs-Experte und Vorstand der IMMOBILIENRENDITE AG. „In volatilen Zeiten sind Kurzzeitmieten wieder stark nachgefragt. Wer für den Job öfter umziehen muss oder zum Studium in die Unistadt St. Pölten kommt, will sein eigenes Interieur vielleicht nicht gleich mit dem Möbelwagen hierher karren, sondern freut sich beim Ankommen zunächst über bereits eingerichtete vier Wände.“ Weil sich über Geschmack bekanntlich vortrefflich streiten lässt, sorgen die Architektinnen und Interieur-Designerinnen des auf Upcycling spezialisierten Unternehmens für einen modernen, aber zugleich möglichst neutralen Look. So können Scandi-Fans & Co. mit Kerzen sowie Pölster-Hüllen im Handumdrehen für ‚Instagrammability‘ sorgen.

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