Die größte Transaktion des bisherigen Jahres war der Verkauf des Andaz Vienna Am Belvedere an Deka Immobilien. Das Hotel wird künftig von MHP Hotels betrieben und unter der Marke Hyatt Regency Vienna geführt. Die Transaktion zählt zu den mittlerweile seltener gewordenen Core-Investments institutioneller Investoren und unterstreicht die Attraktivität hochwertiger Bestandsimmobilien mit langfristiger Betreiberperspektive.
Zu den weiteren größeren Transaktionen zählen unter anderem der Verkauf des Leonardo Smart Hotel Vienna Airport an Leonardo Hotels, der Verkauf des Hilton Garden Inn Innsbruck an Schiehser Hotels sowie das Hilton Garden Inn Wiener Neustadt, das von einem kasachischen Privatinvestor erworben wurde.
Parallel zu großvolumigen Einzeltransaktionen gewinnt auch der Markt für kleinere Hotelinvestments zunehmend an Dynamik. Beispiele dafür sind unter anderem das Hotel Mader in Steyr, das von Ben Dahlheim erworben und langfristig an Dormero Hotels verpachtet wurde, sowie der Verkauf des Pachtvertrags des Hotel Josefine in Wien durch JP Immobilien an Eurostars Hotels. Eurostars hatte bereits Ende letzten Jahres mit dem Kauf des Grand Hotel Wien ein deutliches Signal am Wiener Hotelmarkt gesetzt.
Internationale Investoren prägen weiterhin das Marktgeschehen. Bereits im Gesamtjahr 2025 entfielen rund drei Viertel des Transaktionsvolumens auf ausländische Käufer. Diese Entwicklung setzte sich im ersten Halbjahr 2026 fort: Rund 80 Prozent des bisherigen Volumens wurden von internationalen Investoren getragen. Gleichzeitig bleiben private Käufer und strategische Betreiber weiterhin präsent und leisten insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Transaktionen einen wichtigen Beitrag zur Marktliquidität.
„Wir beobachten aktuell eine deutliche Fokussierung auf Qualität statt Quantität. Investoren agieren selektiver und legen verstärkt Wert auf nachhaltige Cashflows sowie leistungsfähige Betreiberstrukturen. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb um attraktive Bestandsimmobilien, insbesondere in Premiumlagen, hoch“, sagt Elena Berwanger, Consultant Investment & Letting bei Christie & Co Austria.
Während Hotelentwicklungen aufgrund hoher Baukosten, gestiegener Finanzierungskosten und veränderter Exit-Yields weiterhin wirtschaftlich herausfordernd bleiben, richtet sich der Fokus vieler Investoren verstärkt auf bestehende Hotelimmobilien mit etablierter Nachfrage, klarer Positionierung und professionellen Betreiberstrukturen. Besonders gefragt sind Objekte, bei denen operative Stabilität und Wertsteigerungspotenzial nachvollziehbar kombiniert werden können. Trotz der hohen Nachfrage befindet sich der Markt weiterhin eher in einem Käufermarkt: Investoren prüfen selektiv, Finanzierungsprozesse bleiben anspruchsvoll und realistische Preisvorstellungen sind entscheidend für erfolgreiche Transaktionen.
Das robuste Investoreninteresse basiert zugleich auf einer starken operativen Grundlage. Nach dem Rekordjahr 2025 entwickeln sich die Tourismuszahlen auch 2026 positiv. Laut Statistik Austria wurden von Jänner bis Mai 2026 rund 64,2 Millionen Nächtigungen sowie 18,4 Millionen Ankünfte gezählt. Dies entspricht einem Plus von 2,3 Prozent bei den Nächtigungen und 3,3 Prozent bei den Ankünften gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig bleibt das operative Umfeld herausfordernd. Gestiegene Betriebskosten sowie Erhöhungen von Ortstaxen bzw. Nächtigungsabgaben in mehreren Bundesländern erhöhen den Margendruck. Zwischen steigenden Nächtigungszahlen und teilweise weiterhin moderaten Zimmerpreisen das richtige Gleichgewicht zu finden, bleibt eine zentrale Herausforderung für Betreiber.
Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet Christie & Co eine weitere Belebung des Investmentmarktes. Insbesondere der Verkauf des Park Hyatt Vienna, der sich in einer fortgeschrittenen Phase befindet, dürfte im Falle eines erfolgreichen Abschlusses einen erheblichen Beitrag zum Jahresvolumen leisten. Darüber hinaus sind mehrere weitere Hoteltransaktionen bereits weit vorangeschritten. Sollten diese Verkäufe über die Bühne gehen, geht Christie & Co davon aus, dass das Hoteltransaktionsvolumen des Vorjahres von rund EUR 500 Millionen im laufenden Jahr übertroffen werden wird.
„Der österreichische Hotelinvestmentmarkt zeigt sich trotz selektiver Finanzierungs- und Entscheidungsprozesse weiterhin belastbar. Erfolgreich sind vor allem jene Transaktionen, bei denen Produktqualität, Betreiberkonzept, Preisniveau und Prozessstruktur klar zusammenpassen“, so Manuel Strasser, Associate Director bei Christie & Co Austria, abschließend.