Kraml, seit Februar 2023 Conseillère du commerce extérieur de la France und seit Juli 2023 Chairwoman des ULI Austria, rahmte die Moderation standortpolitisch. „Frankreich ist Österreich um einiges voraus, wenn es um die Start-up-Szene geht. Das war unter Macron, der da sehr dahinter war.“ Ihre Diagnose für die österreichische und europäische Gründerlandschaft: „Die Erfolgsstory fängt vielleicht im Kleinen hier an, aber endet im Großen in anderen Ländern. Das ist das Thema, das nicht nur Österreich hat, sondern die gesamte EU.“
Kramls Hinweis auf das derzeit im Europäischen Parlament und Rat diskutierte 28. Regime war kein Beiwerk. Das optionale supranationale Regelungsregime neben den 27 nationalen Gesellschafts- und Arbeitsrechten ist im Draghi-Bericht vom September 2024 und in der Letta-Binnenmarktstudie vom April 2024 verankert und wird in der Gründer-Community unter dem Arbeitstitel EU Inc. geführt. Das Instrument zielt darauf, grenzüberschreitende Gründungen innerhalb des Binnenmarkts zu entlasten. Kramls Formulierung im Vortrag – „einer der Vorschläge des Parlaments und des Rates ist eben diese EU Inc.“ – verankert das Thema im österreichischen PropTech-Diskurs.
French Startups Vienna: auf dem Weg zur French Tech Community
Kuratiert hat die Ausgabe Renaud Viot, Präsident von French Startups Vienna sowie Mitgründer und Mehrheitsgesellschafter der insAIght IT Software FlexCo, Betreiberin der Wiener InsurTech-Plattform Lynxia. Viot selbst kommt nicht aus der Immobilienwirtschaft – seine Rolle ist die des Netzwerkarchitekten. Strukturell verortet er den Rückstand europäischer Start-ups nicht bei Kapital oder Förderung, sondern bei der fehlenden Community-Dichte, die in den USA die Skalierung trägt. Die Auswahl der vier präsentierenden Unternehmen – ein Wiener, ein französischer, ein luxemburgischer und ein deutscher Anbieter – ist die praktische Antwort darauf.
Arianna Olivero, Investment Advisor bei Business France in Wien und institutionelle Schnittstelle des Formats zur französischen Botschaft, formulierte die Ambition des Vereins konkret: „French Startups Vienna ist aktuell ein Verein. Unsere Ambition ist, die nächste French Tech Community zu werden.“ La French Tech ist das staatlich koordinierte französische Start-up-Netzwerk mit rund 100 anerkannten Hubs international. Der Status bedeutet Zugang zu Programmen, Visa-Vereinfachungen und dem La-French-Tech-Branding.
Oliveros inhaltliches Fazit der vier Pitches fiel direkt aus. Synaps zeige Leadership „im Design und in der Verwendung von KI“, Realiz Group biete einen „rein europäischen Zugang zur Finanzierung von Real Estate“. Ihr Schlusssatz: „Wir haben ein großes Erbe in Europa, stark verbunden mit der Architektur. Die Gebäude, die wir haben – das sollten wir ausnutzen.“
Für die österreichische PropTech-Szene ist French Startups Vienna derzeit der niedrigschwelligste Andockpunkt an La French Tech. Die FrühsTech-Reihe läuft in monatlicher bis zweimonatlicher Kadenz. Registrierung und Kontakt: french-startups-vienna.com.