Was lange als experimentelle Technologie galt, wird nun zur strategischen Infrastruktur einer Branche, die unter Effizienzdruck steht und gleichzeitig mit wachsenden Datenmengen, komplexeren Entscheidungsprozessen und steigenden Anforderungen an Transparenz konfrontiert ist.
Die aktuelle Marktstudie von EY zeigt deutlich, dass KI in der Immobilienwirtschaft angekommen ist, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Ein erheblicher Teil der Marktteilnehmer prüft bereits intensiv, wie sich KI in bestehende Geschäftsmodelle integrieren lässt, während andere Unternehmen konkrete Anwendungen schon heute im operativen Alltag einsetzen. KI wird damit vom abstrakten Innovationsthema zur praktischen Managementressource. Gleichzeitig gibt es weiterhin eine abwartende Gruppe, die den technologischen Fortschritt beobachtet, bevor Investitionen erfolgen. Diese Spreizung verdeutlicht: Der Transformationsprozess ist in vollem Gange, aber noch nicht abgeschlossen.trendbarometer-immobilien-inves…
Besonders klar wird der Nutzen von KI dort, wo große Datenmengen verarbeitet und in verwertbare Entscheidungsgrundlagen übersetzt werden müssen. Die Analyse von Markt-, Kunden- und Transaktionsdaten gilt als zentrales Einsatzfeld und wird von einem großen Teil der Unternehmen bereits aktiv genutzt oder konkret vorbereitet. Angesichts immer komplexerer Investmententscheidungen wird datenbasierte Intelligenz zum Wettbewerbsvorteil. KI ermöglicht präzisere Marktprognosen, fundiertere Standortbewertungen und schnellere Risikoanalysen. Entscheidungen, die früher stark erfahrungsgetrieben waren, werden zunehmend algorithmisch unterstützt und damit objektivierbarer.
Auffällig ist, dass KI vor allem dort ansetzt, wo die Branche traditionell mit Ineffizienzen kämpft: in fragmentierten Datenstrukturen, manuellen Prozessen und zeitintensiven Entscheidungsabläufen. Die Technologie fungiert damit nicht nur als Innovationsmotor, sondern als Instrument zur Industrialisierung von Abläufen. Immobilienunternehmen entwickeln sich schrittweise von projektgetriebenen Organisationen hin zu datengetriebenen Plattformstrukturen.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass KI nicht als isolierte Technologie betrachtet wird, sondern als strategischer Enabler für neue Geschäftsmodelle. Unternehmen erwarten substanzielle Veränderungen ihrer Wertschöpfung, zögern jedoch teilweise noch mit der Umsetzung, da Investitionsentscheidungen mit Unsicherheit behaftet sind. Diese Zurückhaltung ist typisch für Transformationsphasen: Der erkannte Nutzen ist hoch, doch organisatorische Anpassungen, Kompetenzaufbau und technologische Integration erfordern Zeit und Ressourcen.
Langfristig dürfte KI jedoch zum Hygienefaktor werden. Ähnlich wie digitale Buchhaltung oder Online-Vermarktung wird der Einsatz intelligenter Systeme zur Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Wer frühzeitig investiert, kann Prozesse optimieren, Kostenstrukturen verbessern und datenbasierte Services entwickeln. Wer zögert, riskiert Effizienzverluste und strategische Nachteile.
Bemerkenswert ist auch, dass KI zunehmend mit anderen Megatrends der Branche verschmilzt. Datengetriebene Analysen unterstützen nachhaltige Gebäudebewirtschaftung, intelligente Prognosemodelle verbessern Investitionsentscheidungen, und automatisierte Kommunikation erhöht die Servicequalität für Mieter und Investoren. KI wird damit zum verbindenden Element zwischen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Effizienz.
Studie publiziert von EY Österreich von Stephan Größ, Partner und Sector Leader Real Estate und Elisabeth Sardy-Rauter, Director Strategy & Transactions. Die Studie ist zum Download unter https://www.ey.com/de_at/functional/forms/download/2026/trendbarometer-immobilien-investmentmarkt-oesterreich-2026 erhältlich