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Wohnungen jetzt virtuell besichtigen

In der aktuellen Situation fällt vielerorts der Betrieb aus. Umgekehrt ist für jene Services die Zeit gekommen, die von zu Hause aus funktionieren.



Als Folge der Pandemie ist der Vertrieb von Immobilien schlagartig zum Erliegen gekommen. Bei EHL Immobilien konstatierte man eine Woche nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen einen Rückgang der Anfragen auf rund ein Drittel des Normalniveaus. Bei anderen Maklerunternehmen ist der Betrieb mittlerweile gänzlich eingestellt, wenn man von der Weitergabe von Informationen zu den Angeboten absieht. Besichtigungen sind zum Beispiel bei s REAL derzeit nicht möglich. Maklerseitig wird vielfach betont, dass über Online-Kanäle oder telefonisch die Betreuung aufrechterhalten wird.

Bei Otto Immobilien bietet man Videokonferenzen an und ersucht um Verständnis, dass keine Besichtigungen durchgeführt werden können. Bei der Verbundmaklerorganisation Raiffeisen Immobilien Vermittlung (RVI) stellt man fest, dass Interessenten vermehrt die zu Hause zur Verfügung stehende Zeit nutzen würden, um Immobilien online zu besichtigen.

Ungebautes ansehen und an Wünsche anpassen

Plötzlich sind virtuelle Besichtigungstouren gefragt. Bei Immobilienscout24 verweist man auf 8.200 Wohnungsangebote mit Videobesichtigung. Wer sich durch Wohnungen per Maustaste bewegen will, findet diese per Extra-Hinweis. Das Start-up Squarebytes hat sich auf videoanimierte Angebote verlegt und eine Umfrage unter Immobilienprofis durchgeführt, die zu über 80 Prozent den regelmäßigen Einsatz der VR-Technologie innerhalb der nächsten fünf Jahre vorhersagen. Dieser Zeitrahmen könnte aus heutiger Sicht auch kürzer ausfallen.

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Virtuelle Rundgänge werden bisher im Neubaubereich mit dem Argument eingesetzt, dass die Vorverwertung jederzeit ohne physisches Gebäude beginnen kann – Marktfeedback inklusive. Bei Propster ist man noch einen Schritt weitergegangen und hat die kundenseitige Wohnungskonfiguration zum Hauptthema gemacht. Der Mehrwert einer Individualisierung in der Planung wird dort mittels digitalem Bemusterungsprozess inklusive abgestimmtem Einkauf und finaler Kontrolle am Bau erzielt. In der aktuellen Krisensituation verweist man beim „Sonderwunschmeister“ auf aus der Ferne steuerbare Prozesse und sieht sich mehr denn je darin bestätigt, digitale Prozesse zu initiieren. Die Durchgängigkeit und damit die breite Akzeptanz der digitalen Lösungen sollen Kooperationen mit einem digitalen Inneneinrichter und einer BIM-Plattformlösung erleichtern.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

„Stresstest bestanden“, heißt es auch beim Planungsbüro ATP architekten ingenieure, dessen Mitarbeiter nun von zu Hause den BIM-Server bespielen. „Gerade in diesen Zeiten erweist sich die Digitalisierung als großer Nutzen“, schreibt ATP-Geschäftsführer Christoph Achammer aus dem Homeoffice. Er beschreibt die aktuelle Situation sogar als einen disruptiven Wandel der bisherigen Bürokultur. Schon vor zehn Jahren hat sein Büro auf BIM-Modelle und die Digitalisierung umgestellt, etwas, das bei der Gruppe der Immobilienmakler noch nicht ganz angekommen zu sein scheint. WKO-Fachgruppenobmann Michael Pisecky hat zuletzt jedoch Interesse gezeigt, und nun könnte alles rasch Realität werden: „Die Befassung mit neuen Medien, neuen Prozessen und den Entwicklungen im Online-Bereich ist unser neuer Schwerpunkt.“

Das Start-up der Stunde dürfte frimmo heißen. Mit einem Smartphone, so das Angebot, kann ein Interessent sowohl die Haustür als auch die Eingangstür des Objekts über „Smartlocks“ zu dem von ihm gewählten Zeitpunkt öffnen und in aller Ruhe die Wohnung begutachten. Der Makler oder Eigentümer muss ihn zuvor nur einmal für die Wohnung zugelassen haben. Selbst, und das ist der entscheidende Punkt, braucht weder der eine noch der andere bei der Besichtigung anwesend sein. Mit solchen „Schlüsseltechnologien“ umzugehen wird womöglich die neue Herausforderung für manchen Makler. Einen Service da herum für die neuen Zeiten aufzubauen könnte sich lohnen, mit oder ohne Härtefonds.


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Peter Matzanetz ist Raumplaner, Journalist und Entrepreneur. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er für Branchenmedien in den Bereichen Bau, Architektur, Immobilien und Raum. Mit der Agentur branchenfrei at und dem zugehörigen Blogformat setzt er sich schon länger mit Themen zur Transformation der Stadt und Nachnutzung von Gebäuden auseinander. Vor fünf Jahren hat er gemeinsam mit dem Institut für Stadt- und Regionalforschung an der TU Wien begonnen, eine Ortesuchmaschine mit Lagescoring zu entwickeln. Mit Beginn 2020 wurde das Start-Up Place Qu ausgegründet, welches die Technologie als Schnittstellenlösung zur Integration anbietet.