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Die Stadt, die Zukunft hat

Das Royal Institutes of Chartered Surveyors (RICS) hielt Mitte Juni ihre jährliche Konferenz für den DACH-Raum ab. Eine Haupterkenntnis war, dass neue Wohn- und Arbeitsformen weiter an Bedeutung gewinnen.

Die Stadt bietet für die digitale Wissensgesellschaft als Ort der realen Vernetzung den idealen Rahmen. Dies stellt der Leverkusener Dozent für Immobilienökonomie Michael Voigtländer fest und gibt für die kommende Urbanisierungswelle zu bedenken: „Leistbarer Wohnraum wird zunehmend zum limitierenden Faktor, auch für den Arbeitsmarkt.“ Beispielsweise für den Standort München würde das zunehmend problematisch. Obwohl die Metropole als bedeutendster IT-Hub Europas da steht, können sich dort junge Talente schwerlich ansiedeln oder halten. Darauf verweist Peter Fischer der als leitender Berater im Transaktionsbereich bei PwC Österreich tätig ist und er betont auch die weichen Faktoren: „Menschliche Bedürfnisse zu bedienen, ist ein weiterer Eckpfeiler.“ Wirtschaftskraft alleine genüge nicht, um eine gefragte „City of Opportunity“ zu sein, die sich dem digitalen Wandel stellt. Beim Thema High Tech seien laut EU-Rankings Oberösterreich und die Steiermark top aufgestellt und die Wohnkosten sollten hier kein Hindernis sein.

Alles im Wandel

Innovationskraft ist auf jeden Fall für Zukunftsorte ein Thema. Im EU-Ranking der Stadtregionen liegt Wien vorerst nur auf Platz 27 unter 34 betrachteten Plätzen. Venture Capital, Patentanmeldungen und Forschungstätigkeit, sind nur drei von 42 Indikatoren, die anderswo in Europa scheinbar besser sind. Michaela Mischek-Lainer vom Projektentwickler 6B47 ortet bei der Stadt Wien auf jeden Fall Intentionen, smart zu werden: „Der Smart City-Plan hat Priorität und er ist anderen Konzepten übergeordnet.“ Die in der Zusammenarbeit mit den Behörden erfahrene Projektentwicklerin sieht mit dem Klimawandel auch einen neuen Verantwortungsbereich für die Immobilienbranche erwachsen: “Hier sind mehr Regulative zu erwarten und der Urban Heat Island-Plan wird verpflichtend zu berücksichtigen sein.“ Neue Formen von Stadtlogistik und weniger autozentriertes Denken sei laut Mischek-Lainer in Zukunft zu erwarten: „Das wird unsere Projekte verändern“.

Bauen für die Community

Innovative Nutzungskonzepte für Gebäude zu entwerfen und sie umzusetzen, ist das Geschäft der BelForm GmbH & Co KG. Der Gründer und Geschäftsführer Benjamin Oeckl sieht die Gesellschaft stark im Wandel: „Megatrends sorgen dafür, dass differenzierte Wohnprodukte mehr werden.“ Community-Bildung lautet das Schlagwort dazu und themenbezogene Wohnformen, die eine Art dörflichen Zusammenhalt produzieren, seien gefragt: Vertikale Villages in Höchhäusern oder Wohnprojekte mit Begegnungszonen. Im Bereich des temporären Wohnens tut sich besonders viel und Oeckl weiß wieso: „Durch die internationale Mobilität kommt es zu einem Metatransit.“ Wer nur kurz da ist, ist froh schnell Kontakte zu knüpfen, die auch ein Heimatgefühl aufkommen lassen. Wohnliches Ambiente dazu liefern die Anbieter für temporäres Wohnen heute auf jeden Fall gleich mit. Der Wohnstil wird zum Markenzeichen erhoben. „Zoku“ expandiert mit Loftgefühl demnächst auch nach Wien Floridsdorf und ein bisschen Pop Art ist beim „The Student Hotel“ dabei, dessen Eröffnung im gleichen Bezirk für 2020 angekündigt ist.

Wohnen mit Tempo

Österreichischen Marktteilnehmern wird also mehr frischer Wind um die Ohren wehen. Studentische Kurzzeitvermieter bedienen den Markt hierzulande noch mit traditionellen Motiven. Florian Huemer von der STUWO gemeinnützige Studentenwohnbau AG gewinnt dem aufkommenden Community-Feeling aber Positives ab: „Freunde im Heim sorgen nebenbei für eine längere Verweildauer.“ Wer sich hierzulande nach Bankenfinanzierungen fürs Kurzzeitwohnen umsieht, darf sich trotz allem nicht zu viel erwarten. „Die Beimischung von Serviced Apartments kann gut sein, wenn man weiss, was der Markt her gibt“, sagt Martin Clemens Weber, der bei der Erste Bank die Stabstelle Immobilien leitet.

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