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BIM-Standard: Gebäude modellieren statt planen

Building Information Modelling erfordert eine völlig neue prozessorientierte und IT-affine Denkweise. Bauträger sehen immer mehr den Vorteil von Gebäudemodellen und beginnen mit Einzelprojekten.



Die Sanierung des Wiener AKH steht an, und für dieses Milliardenprojekt wird Building Information Modeling (BIM) eingesetzt werden. Das sagt Karl Friedl, geschäftsführender Gesellschafter der M.O.O.CON GmbH, und berichtet über die Intention: „Das digitale Modell soll auch nach dem Bau für die Nutzung wertvolle Dienste leisten.“ Dafür seien erst noch die Pläne auf einen modellierbaren Standard zu bringen. Laserscanning der Räume, gepaart mit „künstlicher Intelligenz“, soll auch nicht dokumentierte Änderungen nachführbar machen. Für Erich Kotroczo, Gründer der SIDE GmbH, die Bauherren bei der Umsetzung mit BIM-Projekten begleitet, sind komplexe Projekte mit BIM im Vorteil: „Die Koordinierbarkeit wird besser und auch die Nachvollziehbarkeit der Änderungen im Verlauf.“ Daher seien es vor allem die Großen, die den BIM-Standard vorantreiben.

Achtung, fertig, BIM !

Eine gestiegene Lust auf Digitalisierung war bei privaten Bauträgern zuletzt wahrnehmbar. „Eine gemeinsame Planungsgrundlage erspart immer wiederkehrendes Abgleichen mit Bearbeitungsschleifen zwischen den Beteiligten“, sagt Peter Ulm, geschäftsführender Gesellschafter der allora Immobilien und ehemaliger Vorstandsvorsitzender beim Immobilienentwickler 6B47. Vom Operieren auf nur einer Basis im Gebäudemodell erhofft er sich weniger Leerläufe mit weniger Redundanz und mehr Transparenz. Das digitale Modell soll über Visualisierungen auch die Vermarktung beflügeln. 6B47 errichtet aktuell das „Althan Quartier“ rund um den Wiener Franz-Josefs-Bahnhof, und Modellieren statt Planen ist die Vorgabe. Das Projekt sei ein Probelauf, aber Ulm war in seiner Tätigkeit als 6B47 Vorstandsvorsitzender überzeugt, dass sich der Extra-Aufwand lohnt: „In ein paar Jahren wird eine derartige Planung dann ganz sicher keine Herausforderung mehr sein.“

Unterschiedliche Motive

Die mit BIM verfolgten Ziele können divergieren. „Ein digitales Gebäudemodell mit konkreten Baumassen kann schon beim Grundstücksankauf oder bei Fragen der Widmungsänderung relevant sein“, räumt Claus Stadler ein und führt weiter aus: „Für uns sind die Investoren als Endkunden ausschlaggebend, speziell ihr Interesse an reibungslosen, digitalisierten Prozessen.“ Investorenprojekte seien daher in Zukunft nur gemeinsam mit den Gebäudedaten werthaltig. Die Landwirtschaftliche Bundesversuchswirtschaften (BVW) GmbH wiederum verfolge im Schulbau ganz pragmatische Ziele mit BIM. Geschäftsführer Gerhard Draxler hat mit Pilotprojekten erste Erfahrungen gemacht: „Für uns zählen in Zukunft elektronische Einreichungsmöglichkeiten und einfache Sanierungsmaßnahmen ohne lästige Sachverständigenbestellung für jede kleine Baumaßnahme.“ Angesprochen sind hier einfach abrufbare, aktuelle Daten zu verbauten Materialien und Wandaufbauten.

Digital ausschreiben und einreichen

In Wien ist es mittlerweile möglich, Bauansuchen rein digital online zu stellen. Lars Oberwinter, Geschäftsführer des BIM-Spezialisten Plandata, sieht auch digitale Ausschreibungen als zukünftigen Standard: „EU-weit bewegen sich die Normen in die gleiche Richtung.“ Sein Unternehmen gehört zur Gruppe von „ATP Architekten Ingenieure“ und gibt mit „BIMpedia“ eine offene Wissensplattform zum einfachen Anlernen und Abstimmen von Planungsnormen heraus. Die Vielzahl an Daten so zu verarbeiten und zu strukturieren, dass die Projektmanager daraus die richtigen Rückschlüsse ziehen können, das ist für Marc Guido Höhne, Geschäftsführer von Drees & Sommer Österreich, das Ziel: „Die vorhandenen Daten liefern Informationen, die ein effizientes Projektmanagement mit einer mehrdimensionalen und vielschichtigen Betrachtung erst ermöglichen.“ Mit Plan4You als BIM-Projektmanagement-Software oder seit letztem Jahr mit BIMspot als Cloudlösung sollte das bereits möglich sein. Im Digital-Buildings-Solution (DBS)-Club der IG Lebenszyklus wird derweil gemeinsam mit Unternehmen an weiteren nützlichen BIM-Lösungen gewerkt, zum Beispiel dem „Digital Building Dashboard“.


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Peter Matzanetz ist Raumplaner, Journalist und Entrepreneur. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er für Branchenmedien in den Bereichen Bau, Architektur, Immobilien und Raum. Mit der Agentur branchenfrei at und dem zugehörigen Blogformat setzt er sich schon länger mit Themen zur Transformation der Stadt und Nachnutzung von Gebäuden auseinander. Vor fünf Jahren hat er gemeinsam mit dem Institut für Stadt- und Regionalforschung an der TU Wien begonnen, eine Ortesuchmaschine mit Lagescoring zu entwickeln. Mit Beginn 2020 wurde das Start-Up Place Qu ausgegründet, welches die Technologie als Schnittstellenlösung zur Integration anbietet.


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