(K)eine Bauplanung ohne Ausschreibung

INFO-TECHNO BAUDATENBANK

Fotocredit: ib-data GmbH/ABK

(K)eine Bauplanung ohne Ausschreibung
(K)eine Bauplanung ohne Ausschreibung

Tätigkeiten wie Ausschreibungen und die entsprechenden Kalkulationen zählen in der Bauwirtschaft zu den essentiellen Aufgaben – (k)eine Bauplanung ohne diese wichtigen, oft sehr zeitaufwändigen Prozesse. Heute mehr denn je, denn die Preise sind volatil wie selten zuvor, die Baukosten dynamisch steigend. Die INFO-TECHNO BAUDATENBANK hat sich in der heimischen Bauwirtschaft umgehört und mit Dipl.-Ing. Wolfgang Rosner, Leiter der Baudatenentwicklung der ib-data Gmbh, zu diesem Thema gesprochen – wie gehen Unternehmen an Ausschreibungen heran, wie werden Kalkulationen für die Angebotslegung durchgeführt? Hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten? Eine Umfrage, an der sich 432 Firmen aus dem Bauhaupt- und -nebengewerbe, Planer und Architekten aus ganz Österreich beteiligt haben, zeichnet ein spannendes Bild, welches Rosner im Bereich der Kalkulation mit einem „kubistischen Meisterwerk“ vergleicht: „Von einer detailreicher Positionskalkulation auf Basis der ÖNORM B 2061 bis hin zur „Richtpreisangeboten“ ist im Bauwesen alles zu finden. Sinnvoll erachte ich es jedoch, auf eine Kalkulation Augenmerk zu legen, die die Projekteigenheiten und Umstände der Leistungserbringung berücksichtigen!“ 

Ausschreibungen mit Mehrwert

In Österreich werden Ausschreibungen im Wesentlichen auf Basis der Standardisierten Leistungsbeschreibungen erstellt, sie sind die Grundlage für die Leistungsverzeichnisse und in der ÖNORM A 2063 geregelt. Um sich vom Mitbewerb abzuheben und Produkte gezielt zu positionieren, haben Produkthersteller die Möglichkeit Ergänzungs-Leistungsbeschreibungen zu veröffentlichen, auf der eigenen Website, auf BAUDATENBANK.AT oder bei der ib-data GmbH, dem langjährigen Kooperationspartner der INFO-TECHNO und Anbieter innovativer Kalkulationsprogramme sowie Tools zur Erstellung von Leistungsbeschreibungen. Die Planungsmethode BIM hat für einen Innovationsschub gesorgt. Denn aus dem digitalen Gebäudemodell heraus können die nötigen Leistungsbeschreibungen und Mengengerüste automatisch abgeleitet werden. Rosner dazu aus der Praxis: „Der Weg zum Vertragstext ist vielfältig und über das Gebäudemodell ist dieser noch sehr neu und jung, jedoch sind schon die ersten positiven Ansätze und Implementierungen erkennbar. Wir sehen in der Kombination von standardisierten Leistungstexten und intelligenten Elementen ein mächtiges Werkzeug um die Auswahl der richtigen Positionen und die Erfassung von Mengen zu vereinfachen. Dies bietet durch den Prozess der Standardisierung klare Vorteile in der Kalkulation.“ Doch ist diese Methodik bereits in der Branche angekommen? Auch dieser Frage ging die INFO-TECHNO BAUDATENBANK nach. 

Digitalisierung – (k)ein Weg führt vorbei

Das Erstellen von Ausschreibungen und die daraus resultierenden Kostenberechnungen zählen genauso wie das Kalkulieren für die Angebotslegung zum Arbeitsalltag in der heimischen Bauwirtschaft. Nur bei 16 % der Befragten spielen diese Prozesse keine Rolle, knapp über 26 % der Unternehmen formulieren Ausschreibungen, 57,6 % beteiligen sich daran und erstellen dementsprechende Kalkulationen. Dabei kommen sehr oft softwaregestützte Kalkulationsprogramme zum Einsatz – nämlich in fast 50 % der Unternehmen, 18,6 % verwenden sie oft, 14,7 % gelegentlich. 10,5 % setzen sie nicht ein, 6,9 % nur selten. Und auch zu Standardkalkulationen auf Basis von Leistungsbeschreibungen sagt die Bauwirtschaft gerne Ja. Knapp über ein Drittel der Befragten, nämlich 68,3 %, verwenden sie. 31,7 % nutzen diese Möglichkeit nicht – der am häufigsten genannte Grund dafür ist, dass das Unternehmen über eine eigene Software verfügt.

Der Einsatz von Software – ob der eigenen oder einen zugekauften – hat den Arbeitsaufwand mit Sicherheit minimiert, die Arbeitszeit, die für die Erstellung und Wartung von Kalkulationsansätzen und Preisen aufgebracht werden muss, ist aber nach wie vor nicht zu unterschätzen. Die Mehrzahl der Unternehmen (30,2 %) schätzt den Aufwand auf 6 bis 8 % ihrer Arbeitszeit, das entspricht – bei Annahme einer 40 Stunden Woche - mehr als drei Stunden pro Woche. Für 22,1 % fallen diese Prozesse nicht weiter ins Gewicht, sie wenden 0 bis 5 % ihrer Zeit auf. Fast gleich hoch aber die Zahl jener Befragten, die zwischen 10 und 15 %, beziehungsweise sogar über 21 % ihrer Arbeitszeit in Erstellung und Wartung von Kalkulationsansätzen und Preisen investieren. Aufgerechnet sind das um die 6, beziehungsweis über 8 Stunden, die jede Woche in diese Prozesse fließen.

Dieser Aufwand ließe sich reduzieren – bei BIM geplanten Gebäuden können aus dem Modell heraus Leistungsbeschreibungen und Mengengerüste automatisch abgeleitet werden. Nutzt die heimische Bauwirtschaft BIM-Gebäudemodelle zur Kalkulation? Die Antworten sind angesichts der fortschreitenden Digitalisierung ernüchternd. ¾ (74,5 %) der Unternehmen wendet diese Möglichkeit „gar nicht“ an, nur in 1,5 % kommt sie „sehr oft“, in 4,5 % „regelmäßig“, in 10,4 % „gelegentlich“ und in 9,2 % sehr selten zum Einsatz. BIM als DIE Planungsform, bereits von heute? – noch kein Thema! - dass diese Methodik aber noch viel mehr Potenzial bietet, wird die Digitalisierung der Bauwirtschaft in den nächsten Jahren zeigen. Rosner sieht den Brückenschlag zwischen ÖNORM-Texten und BIM-Planung wie folgt: „Die Nutzung und den Einsatz von Standardisierten Leistungsbeschreibungen und Ergänzungs-Leistungsbeschreibungen bietet in Kombination mit elementbasierenden Auswahllisten eine optimale Unterstützung. Durch die Zuordnungsmöglichkeiten von AVA-Elementen zu Gebäudemodellteilen lassen sich über Abfragen einerseits die passenden Vertragsleistungen herausziehen und im gleichen Schritt die Massen aufgrund des Gebäudemodells bestimmen.“ Der letzte ÖNORM-Tag 2022, zu dem BAUDATENBANK.AT vor kurzem in Leonding eingeladen hat, war beste Gelegenheit um über die aktuellsten Neuerungen im Bereich der Ausschreibungstexte, der Standardisierten Leistungsbeschreibungen und der Ergänzungs-Leistungsbeschreibungen informiert zu werden. Auf die Abschlussfrage, was die ib-data GmbH schon heute Anwendern der Methodik – Stichwort „IFC-Modelle“ – anbieten kann, informiert Rosner: „Seit 2020 bieten wir unseren Kunden für diesen Bereich einen Elementkatalog auf Basis der Standardisierten Leistungsbeschreibungen Hochbau und Haustechnik, der das Gliederungsschema nach der ÖNORM B 1801-1 Baugliederung nutzt und rund 2.000 Elemente enthält. Innerhalb dieser schichtorientierten Elemente befinden sich über 36.000 Positionen und parameterbasierenden Abfragen, welche in den einzelnen IFC-Gebäudemodellen enthalten sind. Durch den Konnex zwischen AVA und IFC-Element wird nun digitale Information des Modellierers genutzt um den Ausschreiber die Arbeit erheblich zu erleichtern.“

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