Initiative „Mehr Zuhaus’ in Österreich!“: Bauwirtschaft warnt vor dauerhaften Wohnbau-Problemen

Aktuelle Daten belegen: Das von der Bundesregierung im Frühjahr angekündigte Wohnbaupaket zeigt in der Praxis immer noch keine nennenswerte Wirkung. Wohnungsnot droht und tausende Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft sind weiter in Gefahr, da Bund und Länder bei der praktischen Umsetzung kaum Fortschritte erzielen.

Rückgang der Wohnbaubewilligungen

© Statistik Austria/Mehr Zuhaus' in Österreich

Initiative „Mehr Zuhausin Österreich!“: „Es wäre ein Desaster für die Bevölkerung und die Bauwirtschaft, wenn sich die Politik ohne konkrete Umsetzungsschritte in die Sommerpause und Richtung Wahlen verabschiedet.“

Bereits im Vorjahr haben führende Vertreter der österreichischen Bauwirtschaft und Baustoffindustrie auf den seit längerer Zeit massiven Auftragseinbruch im privaten und öffentlichen Wohnbau hingewiesen. Die Entwicklung am Wohnbaumarkt wird mittelfristig zu Wohnraumnot für die Bevölkerung führen und gefährdet Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft, in der über 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt sind. Zu den bereits vor Monaten an Bund und Länder übermittelten Lösungsvorschlägen zählen eine Aufstockung der Wohnbauförderung und eine Wiedereinführung der Zweckbindung dieser Mittel, steuerliche Anreize für Wohnbau-Investitionen, mehr Neubau, eine Lockerung der KIM-Richtlinie für die Wohnkreditvergabe und Bürokratieabbau bei der Bauförderung. 

In der Folge präsentierte die Bundesregierung ein Wohnbaupaket, das einige dieser Forderungen aufnahm und auch von der Bauwirtschaft und anderen Wohnbau-Experten begrüßt wurde. Vor allem die zusätzliche Wohnbauförderung über eine Milliarde Euro versprach einen Anschub. 

Es blieb jedoch großteils bei politischen Ankündigungen. Länder und Ministerien verhandeln immer noch über Details des Pakets, bis auf wenige Ausnahmen fehlen konkrete Umsetzungspläne in den Bundesländern. Dazu sagt Torsten Kreft, Geschäftsleiter von hagebau Österreich im Namen der Brancheninitiative: „Wir haben größtes Verständnis dafür, wenn noch Details zu klären sind. Doch das darf die Gesamtumsetzung nicht blockieren. Im ganzen Land stehen Wohnbauprojekte still, der Neubau kommt zum Erliegen. Die Politik hat Großes angekündigt, doch sie muss endlich ins Handeln kommen und den Bau von leistbarem Wohnraum ankurbeln.“ Inzwischen wurden die alarmierenden Prognosen der Bauwirtschaft von weiteren Studien bestätigt. 

Branchenexperten: Bauaktivität schrumpft, Wohnbedarf wächst 

Laut Berechnungen der Statistik Austria fielen die Baubewilligungen für Wohneinheiten 2023 auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren. Im EU-Vergleich verzeichnete Österreich 2023 den zweitstärksten Rückgang bei bewilligter Baufläche für Wohnraum. Dies wird sich auch für das Jahr 2024 und die kommenden Jahre negativ auswirken, die Branchenexperten des Beraternetzwerks Kreutzer Fischer und Partner erwarten einen weiteren Rückgang bei der Bauaktivität bis 2025. Zwar wird für das kommende Jahr ein leichter Anstieg der Baubewilligungen erwartet, doch diese werden erst ab 2026 wirksam. Währenddessen steigt der Wohnraumbedarf aufgrund der wachsenden Bevölkerung laufend weiter. 

Auch dass die Beschäftigung in der Baubranche bereits zurückgeht, zeigen die Zahlen der Statistik Austria. Im ersten Quartal 2024 sank sie im Vergleich zu 2023 um drei Prozent, während die Gesamtbeschäftigung in der Bevölkerung sogar leicht zunahm. 

Bei weiterer Verzögerung: Verlorenes Jahr für den Wohnbau 

Um drohendem Wohnungsmangel, Standortschließungen und weiterem Arbeitsplatzverlust entgegenzuwirken, müssen neue und leistbare Wohnungen schnellstmöglich und in ganz Österreich gebaut werden, so die Branchenvertreter. 

Dr. Gunther Sames, Geschäftsführer von ARDEX Österreich, betont: „Maßnahmen gegen die Wohnbaukrise waren schon zu Jahresbeginn überfällig, jetzt ist es fast zu spät. Die Hauptbauzeit haben wir bereits versäumt. Werden die Baustarts weiter verzögert, war es ein verlorenes Jahr für den Wohnbau. Das holen wir nicht mehr auf, die Folge wären Wohnungsnot und noch mehr verlorene Arbeitsplätze“. 

Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des von der Bundesregierung forcierten Wohnbaupakets gab es bislang nur in einzelnen Bundesländern, etwa in der Steiermark und in Kärnten. Andere Landesregierungen kritisieren die Ausgestaltung des Pakets oder sehen sich aus verschiedenen Gründen aktuell außer Stande, die vom Bund vorgesehenen Kriterien zu erfüllen. Daher setzen manche Bundesländer wie Oberösterreich derzeit auf eigene Wohnbau-Programme. Österreichweit bleibt das Wohnbaupaket der Bundesregierung bislang ohne nennenswerte Wirkung auf die Bautätigkeit, so die Branchenvertreter. 

Initiative „Mehr Zuhaus‘ in Österreich!“: „Keine Zeit für baupolitische Sommerpause“ 

Inzwischen haben neben der Initiative „Mehr Zuhaus‘ in Österreich!“ auch zahlreiche andere Organisationen vor den Auswirkungen der Wohnbaukrise gewarnt. Der WKO-Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder betonte Mitte Juni, dass der Wohnraum-Neubau fast zum Stillstand gekommen ist, und forderte ebenfalls unter anderem eine Lockerung der KIM-Richtlinie für die Wohnkreditvergabe. Auch die Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE), der Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen Österreichs (GBV) und die Bau-Sozialpartner verweisen auf die drohende Gefahr für Wohnraumversorgung und Arbeitsplätze durch ausbleibende Wohnbauprojekte. 

Georg Bursik, Geschäftsführer von Baumit Österreich, betont: „Für Sommerferien ist keine Zeit. Wir werden unsere Arbeit fortsetzen und trotz der politischen Sommerpause weiterhin das Gespräch suchen. Wenn die Politik jetzt nicht handelt und den Wohnbau endlich wirksam ankurbelt, droht ein Desaster für die österreichische Wohnbevölkerung, für den Arbeitsmarkt und für den Wirtschaftsstandort.“ 

Über „Mehr Zuhaus’ in Österreich!“ 

„Mehr Zuhaus’ in Österreich!“ ist eine Initiative führender Unternehmen und Institutionen der österreichischen Bauwirtschaft und Baustoffindustrie zur Förderung des Wohnungsbaus in Österreich. Sie wurde initiiert, um auf drohende Wohnungsnot, Mieterhöhungen und steigende Arbeitslosigkeit aufmerksam zu machen, die aufgrund des aktuellen Rückstaus beim Wohnungsbau drohen. Zur Absicherung des steigenden Wohnraumbedarfs einer wachsenden österreichischen Bevölkerung hat die Initiative eine Wohnbau-Agenda mit konkreten Lösungsvorschlägen und Forderungen ausgearbeitet, darunter Änderung der Kreditvergabe-Richtlinien für Wohnraumschaffung, Förderreformen, Investitionsanreize und Bürokratieabbau. Initiatoren und Mitträger (Stand: Juni 2024) von „Mehr Zuhaus’ in Österreich!“ sind: Verbund der österreichischen Lagerhaus-Genossenschaften, ACO, ARDEX, Bundesinnung Bau in der WKO, Baumit, DOMOFERM, Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Friedl Steinwerke, hagebau, Holcim, Internorm, J. u. A. Frischeis, PCI, Profibaustoffe, Raiffeisenverband Salzburg, Salzburger Lagerhäuser, Saint Gobain, Schiedel, Sopro, Teubl, Wienerberger Österreich

The Skills Group Kommunikationsdienstleistungen GmbH

Noch keine Beschreibung vorhanden.

Unternehmen

Produkt/Leistung

Jetzt Bewerten Pressemeldungen Öffentliche Seite

02.07.2024

EU AI Act: Wie effektiv ist das neue Gesetz wirklich?

In einer Welt, die zunehmend von Technologie dominiert wird, stellt der EU AI Act einen bedeutenden Schritt dar, um den Einfluss und die Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) innerhalb der Europäischen Union zu regulieren. Als eines der ersten umfassenden Gesetze dieser Art zielt es darauf ab, sowohl Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu fördern als auch den Bürgern Schutz vor potenziellen Risiken zu bieten.

30.06.2024

Der Markt für Datencenter wird deutlich wachsen

Die dynamische digitale Entwicklung mit ihrer stetig steigenden Datenmenge und die immer stärker ins Leben eingreifende künstliche Intelligenz potenzieren die Notwendigkeit von Speicher- und Rechenkapzitäten. Die dafür benötigten Immobilien erleben einen Boom.

27.06.2024

Wohnbaukrise – die Appelle werden drängender

Bereits in den letzten Wochen hat die WKO klare Worte zu der aktuellen Situation rund um den Wohnbau gefunden. Jetzt werden die Stimmen vielfältiger und lauter – und die Aufforderungen deutlicher, dass Politik, Behörden und Bauwirtschaft zusammenarbeiten müssen.

Dieser Inhalt:
  • Erschienen am:
    28.06.2024
  • um:
    11:00
  • Lesezeit:
    4 min
  • Aufrufe:
              
  • Bewertungen und Kommentare:
    0
  • Jetzt bewerten

Newsletter Abonnieren

Abonieren Sie unseren täglichen Newsletter und verpassen Sie keine unserer redaktionellen Inhalte, Pressemeldungen, Livestreams und Videos mehr.

Bitte geben Sie Ihren Vor- und Nachnamen ein, es sind exakt 2 Worte beginnend mit Großbuchstaben erlaubt.

Vielen Dank! Ihre Daten wurden gespeichert. Damit Ihre Anmeldung gültig wird klicken Sie bitte den Link in dem Bestätigungsmail das wir Ihnen gesendet haben.

Keine weiteren Inhalte in dieser Pressemappe.

Werbung

Das Immobilien-Redaktion Unternehmen der Woche 26/2024

Wir Gratulieren ALVAREA Immobilien GmbH zu erreichten 32 Punkten!

ALVAREA Immobilien GmbH

Bauernmarkt 10, 1010 Wien

Als eigentümergeführtes Immobilienunternehmen sind wir Ihr verlässlicher Partner für die Vermarktung von Immobilien. Unser Fokus liegt in der diskreten Vermittlung von Investmentimmobilien wie Zinshäuser, Büro- & Gewerbeobjekte, Bauträgerliegenschaften sowie Eigentumsimmobilien.

Unternehmen

Produkt/Leistung

Profil News

Platz 2

Reinberg & Partner Immobilienberatung GmbH

Schönbrunner Straße 108, 1050 Wien

DIE FÜHRENDE UNABHÄNGIGE BEWERTUNGSGESELLSCHAFTErfahren Sie warum wir seit über 20 Jahren nationalund international erfolgreich tätig sind.

Unternehmen

Produkt/Leistung

Hiring Profil News

Platz 3

EHL Immobilien Gruppe

Prinz-Eugen-Straße 8-10, 1040 Wien

EHL Immobilien ist einer der führenden Immobiliendienstleister Österreichs und auf Gewerbe-, Investment-, und Wohnimmobilien spezialisiert. Das Spektrum reicht von Immobilienvermittlung über Immobilienbewertung, Asset- und Portfolio Management bis zu Market Research und Investmentberatung. Die exklusive Partnerschaft mit dem globalen Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate sichert der EHL-Gruppe ein globales Netzwerk und Markt Know-how in 23Ländern.

Unternehmen

Produkt/Leistung

Profil News