Neue Perspektiven – laufende Veränderungen bei den Büroflächen

Die Menschen haben gelernt, dass Büroarbeit von überall aus möglich ist, wo es WLAN gibt – sei es im Büro, zu Hause, in einem Café oder an einem anderen geeigneten Ort. Damit müssen sich die Büroflächen verändern – ständig.

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Covid-19 hat in vielerlei Hinsicht einen Wandel eingeleitet und Trends im Hinblick auf unsere Arbeitsgewohnheiten beschleunigt, die bereits vor der Krise erkennbar waren. Stefan Wundrak, Head of European Research bei Nuveen Real Estate, sagt: „Diese Veränderungen werden epochale Folgen für Immobilieninvestoren haben, insbesondere die Perspektive hybrider Arbeitskonzepte, die sowohl die Menge als auch die Verteilung der Büroflächen auf den Kopf stellen.“

Unsichere Zeiten für Unternehmen

Es ist keine leichte Zeit für die Firmen, meint Andreas Polak-Evans, Managing Partner, Modesta Real Estate: „Unternehmen sind sehr unsicher durch die die letzten zwei Jahre der Pandemie gegangen. Internationale Unternehmen waren auf hold oder sehr verhalten bei ihrer Standortentscheidung.“ Auch die geringe Fertigstellungsleistung und die geringe Leerstandsrate von 4,2 Prozent halten viele Unternehmen vorerst von einem Standortwechsel im Jahr 2022 ab. Viele sind sich noch nicht sicher, wie viele Büroflächen sie in den kommenden Jahren überhaupt benötigen werden, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder ins Büro zurückkehren. „Hybrid-Lösungen und Flächenoptimierungen sind weiter im Trend“, so Polak-Evans. Nach zwei Jahren ist Homeoffice für viele keine Alternative mehr. Felix Zekely, Gründer und Geschäftsführer von OPTIN Immobilien, unterstreicht das sehr deutlich: „Ich arbeite mit IT-Companies zusammen, und die sehen in ihrer Kultur ganz klar das Office als Herz des Unternehmens. Das wurde durch Homeoffice nie infrage gestellt.“

Qualitätsoffensive am Büromarkt

Am Büromarkt zeigt sich eine große Qualitätsoffensive, „da das physische Büro als gebaute Unternehmenskultur gilt“, erklärt Zekely. Zum einen werden – da die Büroarbeitsplätze reduziert sind – großzügige Allgemeinbereiche geschaffen, zum anderen höherwertigere Flächen gesucht. Diese Veränderungen bringen, gemischt mit neuen Bürokonzepte, die Chance, bessere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu gewinnen. „Das Bürobusiness wird sich in den nächsten Jahren laufend verändern“, ist Katrin Gögele-Celeda, Country-Managerin Operations Austria bei der Immofinanz, überzeugt: „Die Laufzeiten der Mietverträge werden kürzer, Planbarkeit wird schwieriger, neue Konzepte werden gesucht, und im Remote Work müssen sich die Unternehmen erst finden. Hauptziel ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. „Diese sind das größte Asset, das ein Unternehmen hat, und irgendwann sollte sich die Unternehmenskultur dorthin entwickeln“, so Gögele-Celeda.

Beste Chancen für Coworking-Anbieter

Für die Coworking-Anbieter ist jetzt die Zeit gekommen, meint Marcus Weixelberg, Gründer von andys.cc, einem Anbieter von flexiblen Arbeitsplätzen und Büros: „Coworking wird sich in den kommenden Jahren in den unterschiedlichen Konzepten wiederfinden.“ Innerstädtisch, am Rande der Stadt, im Speckgürtel oder exponiert in kleineren Gemeinden. Weixelberger ist überzeugt, dass sich eine Vielzahl von neuen Konzepten entwickeln wird, „die alle ihre Berechtigung haben werden“. Aber egal ob Coworking oder Büro: „In Zukunft werden keine Quadratmeter mehr angeboten, sondern Konzepte.“

Ökologisches und soziales Bewusstsein

Nebenbei sorgt die ESG-Taxonomie für mehr Nachhaltigkeit sowie ökologisches und soziales Bewusstsein bei Mietern und Vermietern. Aber es gibt auch noch zwei weitere Aspekte der Nachhaltigkeit, die sich – sozusagen nebenbei – herauskristallisiert haben. Auf der einen Seite werden derzeit zahlreiche Refurbishments durchgeführt, da es wenig Neubauten gibt. Der Anteil bei den Fertigstellungen soll 2022 einen Rekordwert von fast drei Vierteln der Flächen erreichen. Auf der anderen Seite wird beim Standortwechsel eines Unternehmens die Bürostruktur nicht mehr verändert, wie es früher der Fall war. Vorbei sind die Zeiten, in denen ewige Diskussionen geführt wurden hinsichtlich der Flächenbelegung bzw. des Abreißens und Entsorgens von Wänden, die für den Vormieter noch wenige Jahre zuvor aufgestellt wurden. „Es wird individualisierte Sozialbereiche geben, der Rest ist Office“, meint Katrin Gögele-Celeda, und alles wird mithilfe stimmiger Konzepte für die potenziellen Kunden gefüllt.

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  • 24.03.2022
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Geschrieben von:

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit über 24 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen. Sein Motto: Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative.

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