Louis Frühbauer

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© arrivipartenzeit via Twenty20

Freizeitwohnungen im Naturparadies – ein Match zwischen Nachfrage und öffentlicher Hand

Spanien, Belgien, Schweiz, Italien, stehen im Viertelfinale der Europameisterschaft. Genauso könnten Menschen aus diesen Ländern in den österreichischen Grundbüchern stehen. Wie viele Zweitwohnsitze vertragen die Bundesländer?

Inland

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Vom renovierten Häuschen am Waldesrand bis zum Neubau-Penthouse mit Blick auf die Tiroler Nordkette: Der Wunsch vieler nach einem (Ferien-)Zweitwohnsitz hat eine Dynamik am Immobilienmarkt geschaffen, die von der Corona-Pandemie zusätzlich befeuert wurde. Nicht nur Tirol wehrt sich nun gegen die „Zuagroasten“ und setzt der ungeliebten Zweitnutzung einen Deckel auf. Tiroler Gemeinden definieren per Prozentsatz, wie viele Objekte im Ort als Feriensitz genutzt werden dürfen. Die Spannung zwischen Angebot und Nachfrage steigt. Was der Natur der Marktwirtschaft entspricht, macht vor höchster österreichischer (Sport-)Prominenz nicht halt – und verweist auf eine grundsätzliche Frage.

David Alaba gegen Tirol

Er trägt die Kämpfe nicht nur am Rasen aus: Vergangenen Samstag noch einer der tragischen Helden von Österreichs Niederlage gegen Italien im Achtelfinale der UEFA-Fußball-Europameisterschaft, ist der Fußballer David Alaba schon länger im Fokus der Tiroler Behörden. Also nicht Österreich gegen Italien, sondern Alaba gegen Tirol. Der Weltstar hatte bereits 2018 ein Luxus-Penthouse in Kirchberg (Bezirk Kitzbühel) gekauft – ein Neubau, fünf Garagenplätze inklusive, kolportierter Kaufpreis 3,5 Millionen Euro. Weil solche Immo-Deals in bester Lage (ruhiges Umfeld, atemberaubende Naturkulisse) zuletzt aber mehr Regel denn Ausnahme wurden, musste sich Alaba dem Gericht erklären. Denn nicht nur Kirchberg erlebt den Trend, Wohnraum an „Auswärtige“ zu verlieren, welche die Objekte oft nur als (im besten Falle) Zweitwohnsitz verwenden. Historische Ortskerne würden so zu Geisterstädten, die nur mehr zur Hauptsaison belebt seien, lautet das Argument.

In Tirol gilt: Sind in einer Gemeinde mehr als acht Prozent der Immobilien als Ferien-wohnsitz gewidmet, ist Schluss. In Kirchberg sind es mehr als 21 Prozent. Die Frage lautet also: Nutzt Alaba das Penthouse widmungskonform? Im Kaufvertrag verpflichtete er sich laut „Tiroler Tageszeitung“, dort keinen Freizeitwohnsitz zu errichten. Er muss dort nicht zwingend hauptgemeldet wohnen – müsste das Penthouse in diesem Fall aber vermieten, sodass dort jemand seinen Hauptwohnsitz hat. Laut Alaba wohnt ein Familienmitglied in dem Objekt.

Das große Aufeinandertreffen zwischen Immobilienentwicklung und Schutz vor Überfremdung

Das wirft eine grundsätzliche Frage für die Branche auf: Entwickler investieren viel Geld in das Renovieren und Schaffen attraktiven Wohnraums in guten Lagen, sie setzen sich damit – um im Fußballsprech zu bleiben – in den Mittelkreis beim Match Angebot gegen Nachfrage. Eine aktuelle Umfrage von „willhaben“ beweist: Immer mehr Menschen suchen aktiv nach Zweit- und Ferienwohnsitzen und sind bereit, Geld zu investieren (die Immobilien-Redaktion berichtete).

Da ließe sich eine Parallele zum Fußball ziehen: Wenn die Dorf-Equipe ihren Strafraum gegen die zusammengekaufte Millionärstruppe aus der großen Stadt verteidigt, wenn „die Leidenschaft“ gegen „den Kommerz“ spielt, dann ist die Sympathiefrage (zumindest im Stadion) rasch beantwortet. Aber greift das Argument nicht doch zu kurz? Sind es nicht die Großen im Sport, die investieren und damit für alle Möglichkeiten schaffen, von der Jugend- bis zur Kampfmannschaft? Die neue Infrastruktur generieren mit einem Trainingsgelände, das alle Stückerln der Sportmedizin spielt? Manchmal muss dafür die geliebte Vereinskantine weichen.

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