Das Glorit-Konzept: Wie aus einer Fertighausfirma ein Gesamtunternehmen für Wohnbau wurde

In einem Management-Buy-out übernahm Stefan Messar im Jahr 2013 die Fertighausfirma Glorit. Innerhalb weniger Jahre hat der neue Eigentümer das Konzept des eingesessenen Unternehmens verändert. Glorit ist inzwischen Bauträger, Baufirma und Fertighausproduzent in einem – und das ist einzigartig in Wien und Umgebung. Die Abläufe und Prozesse sowie der Firmenstandort wurden um sieben Millionen Euro umgebaut und das Unternehmen in neue Höhen katapultiert. Die Umsätze stiegen um das Fünffache. Im Interview sprechen der Eigentümer und Geschäftsführer Stefan Messar und der Co-Geschäftsführer Lukas Sattlegger über die vergangenen erfolgreichen Jahre und die aktuelle Situation.

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© Glorit

Was haben Sie nach der Übernahme 2013 im Unternehmen verändert?

Stefan Messar: Glorit hatte für mich seit jeher ein unglaubliches Potenzial. Dennoch war mir damals schon klar, dass wir einige grundlegende Systeme im Unternehmen verändern mussten, um am Markt erfolgreicher zu sein. Nach dem Management-Buy-out im Jahr 2013 haben wir das gesamte Werk saniert und fast sieben Millionen Euro in den Standort investiert. Zusätzlich zum Fertighausbau haben wir den Wohnbau organisatorisch auf neue Beine gestellt. Wir haben vor 2013 zwar auch Wohnbauten errichtet, aber unser Fokus lag auf dem Hausbau. Wir haben den Wohnbau inzwischen als gleich starkes Standbein etabliert, aber beide Standbeine organisatorisch getrennt: Den Hausbau erledigen wir selbst von A bis Z – in Holzriegelbauweise. Die Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser werden bei uns im Werk produziert. Den Wohnbau in Massivbauweise vergeben wir an Generalunternehmen. Die Planung der Projekte erfolgt im eigenen Haus, dafür haben wir eigene Planungsbüros und eigene Architekten.

Lukas Sattlegger und Stefan Messar

Lukas Sattlegger: Außerdem haben wir bei unseren Projekten von belagsfertig auf schlüsselfertig umgestellt, d. h. für die Kunden „wirklich bezugsfertig“ – und damit sehr viel Mehrwert geboten. Rund 95 Prozent aller Kunden kaufen inzwischen eine schlüsselfertige Variante. Unser „Alles-aus-einer-Hand-Service“ ist mittlerweile so weit gereift, dass bei Einfamilienhäusern auch Zaun, Pflasterung, Parkplatz, Garten und Außenanlage in unserem Leistungsspektrum inkludiert sind. Unser Ziel ist außerdem, dass bei 15 bis 20 Einheiten pro Jahr auch bereits eine Tischlerküche eingebaut ist, damit die Kunden sich wirklich um überhaupt nichts mehr kümmern müssen – und das wird sehr gut angenommen. Wir verstehen uns als Premium-Bauträger und verbauen ausschließlich hochwertigste Materialien und Marken.

Stefan Messar: Die Kunden haben keine Zeit, sich um die Bauabwicklung oder gar den Innenausbau selbst zu kümmern, oder wollen es oft auch gar nicht. Sie möchten ein fertiges Haus beziehen und interessieren sich für ein qualitativ hochwertiges Gesamtprodukt – sie möchten sich nicht im Detail verlieren. Wir halten den gesamten Prozess für die Kunden so einfach wie möglich.

Wie stellt sich derzeit das Angebot von Glorit dar?

Lukas Sattlegger: Als Premium-Bauträger errichten wir ausschließlich Häuser und Eigentumswohnungen in besonders nachgefragten Lagen mit ausgezeichneter Infrastruktur in und um Wien. Unsere Schwerpunkte liegen einerseits im Hausbau – wir errichten im Jahr etwa 100 Häuser – und andererseits im „mehrgeschoßigen Wohnbau“, also in der Errichtung von Projekten mit Eigentumswohnungen. Im Wohnbau haben wir im Jahresschnitt acht bis zehn Projekte. In Summe schaffen wir so über 20.000 Quadratmeter Wohnfläche pro Jahr.

Sie sagten: in besonders nachgefragten Lagen. Wo sind diese?

Lukas Sattlegger: Wir haben uns Toplagen in Wien im 21., 22. und 23. Bezirk fokussiert sowie auf Klosterneuburg, Langenzersdorf und Groß-Enzersdorf. Das hat viele Vorteile: Wir kennen die Vorzüge und die genauen Gegebenheiten dieser Gebiete, und wir bauen grundsätzlich nur auf eigenen Grundstücken. Also auf Grundstücken, die wir gekauft haben und diese dann entwickeln. Auch bei den Einfamilienhäusern.

Stefan Messar: Wir bauen bewusst nicht mehr auf fremdem Grund. Entweder gehört uns das Grundstück oder es ist im Baurecht vergeben. Das war ebenfalls eine maßgebliche Umstellung in unserem Unternehmen. Bei uns kaufen die Menschen nicht bloß ein Haus oder eine Wohnung, sondern ein fertiges Projekt.

Lukas Sattlegger: Wenn Sie zum ersten Mal ein Haus bauen, gibt es so viele Themen, die mit dem Grundstück zu tun haben, Themen, an die Sie im ersten Moment gar nicht denken. Mit unserer Erfahrung haben die Käufer die Garantie, dass gewisse Fehler, die sie vielleicht machen würden, ausgeschlossen sind. Wir passen die Planung des Hauses an die jeweilige Grundstückssituation an.

Die Grundstücke werden knapp in den Regionen, in denen Sie bauen.

Stefan Messar: Geeignete Grundstücke zu finden ist derzeit sicherlich eine der großen Herausforderungen. Trotzdem kaufen wir im Schnitt ein Grundstück pro Woche. Wir leben stark von der Mundpropaganda und werden oftmals direkt von Verkäufern kontaktiert, die etwa durch einen Nachbarn vom reibungslosen Ablauf des Grundstücksverkaufs an uns gehört haben.

Dabei spielt natürlich eine große Rolle, dass wir uns auf bestimmte Gegenden konzentriert haben. Außerdem wissen die Verkäufer, dass wir Grundstückskäufe sehr schnell, problemlos und fair abwickeln. Wir haben aktuell einen sehr schönen Vorrat an Grundstücken für die nächsten drei bis vier Jahre.

Wie viele Einheiten errichten Sie pro Grundstück?

Lukas Sattlegger: Das hängt natürlich von der Größe des Grundstücks ab, aber wir vermeiden allzu große Projekte. Wir glauben, dass die Bewohnerinnen und Bewohner auf Dauer in Projekten mit nicht zu vielen Wohneinheiten leben wollen. Pro Grundstück sind es im Schnitt bei den Häusern drei Einheiten und beim Wohnbau 15 Einheiten. Unsere Wohnungen haben großzügige Grundrisse und im Schnitt 95 Quadratmeter Wohnfläche. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung hat bei uns rund 55 Quadratmeter.

Sie haben trotz Corona im letzten Jahr ein Rekordergebnis erzielt.

Stefan Messar: Das hat mit unserer grundsätzlichen Einstellung zum Wohnen zu tun. Wir sind im Hausbau klarer Marktführer in Wien und haben im Wohnbau eine spezielle Nische besetzt – mit architektonisch sehr ansprechenden Bauten und durchdachten Raumkonzepten. Wir setzen bei unseren Projekten auf einen sehr hohen Qualitätsstandard. Wir gehen immer eine Spur weiter, als wir müssten, und das hat sich im vergangenen Jahr besonders bezahlt gemacht. In den letzten zwölf Monaten haben sich einige „neue Wohnwünsche“ herauskristallisiert oder verstärkt, die wir schon längst in unseren Wohnbauten umgesetzt haben. So zum Beispiel der Trend zu Freiflächen. Daher haben wir von Jänner 2020 bis Jänner 2021 ein Anfrageplus von 62 Prozent verzeichnet und 2020 einen Umsatz von knapp 85 Millionen Euro erzielt.

Lukas Sattlegger: Wir legen Wert auf eine durchdachte Planung und natürlich auf eine entsprechend hochwertige Ausführung. Das ist – sehr kurz gesagt – unsere Strategie. Wir achten darauf, dass die Grundstücke verkehrstechnisch gut angebunden sind und trotzdem viel Grün in der Umgebung ist. Wir bieten sehr große Terrassen und große Glasfronten und Schiebelemente, die den Wohnbereich vergrößern. Wir haben daher zwar eine kleinere Zielgruppe – aber diese weiß zu schätzen, was wir bieten können.

Stefan Messar: Bei uns ist die Architektur die Komponente, bei der wir sehr schnell etwas ändern können. Da wir weniger Wohneinheiten pro Projekt haben, konnten wir auch sehr schnell die Wohneinheiten noch einmal entsprechend der geänderten Nachfrage anpassen. Sei es durch ein Zusatzzimmer, etwa für das Homeoffice, oder noch größere Freiflächen oder Verglasungen.

Auch das laufende Jahr kristallisiert sich für unser Unternehmen bereits jetzt als sehr erfolgreich heraus.

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