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Lobbyismus in Reinkultur

vor 9 Jahren

2 Minuten

Die Immobilienbranche in Österreich hat ein Problem mit dem Lobbyismus. Er ist faktisch allgegenwärtig und beeinträchtigt die Immobilienwirtschaft. Das liegt daran, dass die heimische Immobilienbranche nicht selbst Lobbyismus betreibt, sondern unter dem anderer leidet.

Gesetzliche Bestimmungen, die regelmäßig erlassen werden, erschweren Projekte im Allgemeinen immer mehr, anstatt sie zu erleichtern. Von „Abgleich“ wird im freundlichsten Fall gesprochen, sehr oft handelt es sich aber um direkte Intervention.

Das lässt sich am besten am Beispiel Bauen zeigen. Es ist vor allem durch Normen und gesetzliche Vorgaben teurer geworden. Die Bau- und der Arbeitskosten sind seit vielen Jahren gleich geblieben. Die Gründe für Preissteigerungen um die 40% sind den ausufernden Vorschriften anzulasten.

In den USA, dem Land des Lobbyismus, hat jede Vereinigung ihre Lobby– und nützt diese Einflussnahme auch aus. Wo auch immer es notwendig scheint, wird interveniert.

Die Frage ist nur, wo liegen die Grenzen?

Walter Senk:

Wir sprechen in Österreich immer wieder davon, dass die Immobilienbranche keine Lobby hat. Wir haben zwar viele Verbände, aber eine Lobby in diesem Sinne besteht nicht. Da kann man von den Amerikanern noch etwas lernen. Hier wird Lobbyarbeit großgeschrieben, und in den USA weiß man: Lobbyarbeit ebnet den Weg, und niemand findet etwas daran, Lobbyismus zu betreiben.

Die Basis in den USA im Bezug auf die Immobilienwirtschaft ist schon längst geebnet. Wie aber das System jetzt funktioniert, ist faszinierend. Nehmen wir als Beispiel die nationalen Maklerverbände – wobei ja alle faktisch ähnlich agieren. In den USA arbeiten Leute für diese Verbände, und die sind damit beschäftigt, darauf zu achten, ob es Entwicklungen geben könnte, die die Makler in irgendeiner Form negativ beeinflussen könnten.

Das reicht von lokalen Entscheidungen in Städten bezüglich Bauprojekten bis hin zu den Agenden der Regierung. Ob es zum Beispiel Veränderungen durch Gesetze oder Novellen geben könnte, die für die Branche schädlich sein könnten.

Ist das der Fall, so werden alle davon Beeinträchtigten oder Betroffenen raschest informiert, um hier entgegenzuwirken. Dann wird – teilweise auch – viel Geld in die Hand genommen, um – wie auch immer – gegen diese Bewegung zu arbeiten und das wieder zu planieren, bevor es eine größere Dimension annimmt.

Die Frage ist natürlich, wie weit Interessensvertretung gehen darf und ob das nicht schon zu viel ist, aber ein bisschen mehr Lobbyismus könnten wir in der österreichischen Immobilienwirtschaft schon gebrauchen.

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