Slow City

Die Langsamkeit nimmt Fahrt auf. Unser Leben soll „slow“ werden, und das auch in der Stadt. Das heißt aber nicht, dass es fad wird.

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Am Anfang standen Genuss und Lebensqualität. Es begann beim Essen. Was vor rund drei Jahrzehnten mit der Slow-Food-Bewegung in der Toskana in Italien begann – mit dem Wunsch nach höchster Qualität, sinnlicher Bereicherung und individuellem Geschmackserlebnis –, hat längst Einzug in andere Gesellschaftsbereiche gehalten. Slow Food wurde von der gleichnamigen Organisation als Begriff für genussvolles, bewusstes und regionales Essen geprägt und bezeichnet eine Gegenbewegung zum uniformen und globalisierten Fastfood.

Mittlerweile erstreckt sich die „Slow“-Bewegung bereits auf viele Bereiche unseres Lebens und macht selbst vor der Stadt nicht mehr halt. Slow City heißt das Schlagwort, und eigentlich ist es gar nicht so neu. Cittàslow (langsame Stadt; ital. città = Stadt, engl. slow = langsam) ist laut Wikipedia eine Bewegung, die 1999 in Italien gegründet wurde. Sie wurde inspiriert von der Slow-Food-Bewegung. Hauptziele sind die Verbesserung der Lebensqualität und das Verhindern der Vereinheitlichung und Amerikanisierung von Städten, in denen Franchise-Unternehmen dominieren.

Was vielleicht damals noch ein wenig nach Sozialromantik aussah, hat mittlerweile immer stärker Bedeutung. Schon heute tragen weltweit über 210 Orte aus 30 Ländern das „Cittaslow“-Label. In Österreich gehören übrigens Horn, Enns und Hartberg zum Citta-Slow-Netzwerk. Und die Liste wird zunehmend um Städte außerhalb Europas ergänzt – von Australien über China bis nach Südafrika und Nordamerika wächst die Zahl der Mitglieder im Club der Langsamkeit.

Grund ist die Sehnsucht der Menschen nach einem vereinfachten Leben, geprägt von Naturnähe, Nachbarschaft und Nachhaltigkeit. Die Slow-City-Bewegung ist heute ebenfalls zum Treiber innovativer Konzepte in der Stadt- und Regionalentwicklung geworden. Gefragt sind Städte, die ihre Identität und ihre Seele behalten haben. Die Städte sollen nicht gleichförmig werden. Der Slow-City-Ansatz will die lokale und regionale Charakteristik urbaner Räume verteidigen. Die Nachfrage nach solchen Orten spricht eine eindeutige Sprache. Slow City betrifft aber nicht nur regionale oder Kleinstädte, sondern die Städte allgemein sollen anders „gelebt und belebt“ werden. So kann mitten im hektischen Treiben einer Großstadt durchaus ein Viertel entstehen, in dem vereinfachtes Leben und Nachhaltigkeit – soweit dies in der Großstadt möglich ist – ihren Raum finden. Nachbarschaft sowieso.

Und wer ist nicht stolz darauf, in einem Grätzel zu wohnen, in dem man einander einfach kennt, und das „wie ein Dorf ist“. Nicht umsonst wird bei einigen Stadtentwicklungsprojekten in Wien die „Dorfgemeinschaft“ beschworen, und es werden eigene Dorfplätze kreiert, wo sich die dort wohnenden und arbeitenden Menschen treffen können. Aber nicht während hektischer Mittagspausen, sondern in Ruhe. Slow eben.

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