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Blockchain-gestützte Co-Investments bei Immobilien

Die Blockchain-Technologie verändert die Art und Weise, wie wir investieren. Auch bei Immobilien. Der Fokus liegt vor allem auf der Beschleunigung und Vereinfachung von Prozessen sowie auf der Handelbarkeit von Investitionen. Martin Cichowski, Head of Product and Technology bei LINUS Digital Finance, über die Zukunft, die schon begonnen hat.

Könnten Sie noch einmal kurz die Blockchain-Technologie erklären?

Martin Cichowski war vor seiner Tätigkeit bei LINUS Mitbegründer einer Reihe von Start-Ups. Er bekleidete diverse Führungspositionen bei etablierten FinTechs, wie etwa Smava und Funding Circle und war bei der Otto Group Digital Solutions GmbH als Venture Lead tätig. Zudem ist er Senior Advisor bei fulfin, einem führenden Anbieter von individuellen Finanzierungslösungen für Onlinegeschäfte in Europa.
Cichowski hält sowohl einen Bachelorabschluss in Wirtschaftsinformatik als auch einen MBA von der Hult International Business School in London.
Bei LINUS wird er die technische Weiterentwicklung und Expansion der digitalen Co-Investment-Plattform vorantreiben.

Martin Cichowski: Unsere Transaktionen finden auf der Ethereum-Blockchain statt. Dabei handelt es sich um eine Art public distributed ledger – auf Deutsch „öffentliches verteiltes Kontobuch“. Dies lässt sich auch als verteilte Datenbank verstehen, die es Teilnehmern ermöglicht, Informationen und Transaktionen nachvollziehbar und auditsicher zu speichern. Die dezentrale Natur dieses Systems macht es manipulationssicher und unabhängig. Blockchain heißt es, weil Informationen in Blöcken gespeichert und verschlüsselt werden, die wiederum in logischer Abhängigkeit von allen vorherigen Blöcken verkettet werden. Dieses Verfahren bietet allen Beteiligten einen extrem hohen Schutz und bildet zugleich die Grundlage dafür, dass sich die Ethereum-Blockchain trotz ihrer Verteiltseins weiterentwickeln kann, ohne dass gewartet werden muss, bis Millionen von Nutzern ein Update installiert haben.

Beim Access Tower in Frankfurt können Anleger jetzt zum ersten Mal ein tokenisiertes Treuhandverhältnis abschließen. Können Sie erklären, wie das abläuft?

Martin Cichowski: Interessierte Investoren stellen zunächst online ihre Investitionsanfrage. Im Nachgang erhalten sie eine Aufforderung, sich entweder online oder offline zu identifizieren. Von uns erhalten sie eine Zusammenfassung aller Angaben und die im Rahmen des Tokenisierungsprozesses digital zu zeichnenden Verträgen vorab zur Ansicht.

Nach erfolgter Prüfung aller Angaben entsprechend unseren Anforderungen an (semi-)professionelle Investoren erhalten Investoren letztendlich Zugriff auf unsere Tokenisierungsplattform.

Auf dieser wird zunächst in wenigen Klicks eine individuelle digitale Geldbörse für Kryptowährungen erstellt. Im Anschluss muss der Investor seine Transaktion durch Herunterladen aller Unterlagen und einer zahlungspflichtigen Bestätigung einleiten. Im Anschluss überweist der Investor die Investitionssumme auf das Konto des Treuhänders und bekommt im Gegenzug Token auf seine digitale Geldbörse übertragen, an deren Besitz das übertragbare Treuhandverhältnis und alle daraus resultierenden Rechte und Pflichten gebunden sind.

Können die Token auch gehandelt werden, also zum Beispiel im „freien Handel“ verkauft werden?

Martin Cichowski: Der Investor darf seine Token im regulatorischen Rahmen an Dritte übertragen. Hierzu muss der neue Investor dem Treuhänder, der gleichzeitig auch Betreiber der Plattform ist, benannt werden. Erfüllt der neue Investor alle Kriterien, wird er für den Empfang besagter Token freigeschaltet. Kaufvertrag und Abwicklung müssen nach heutigem Stand jedoch direkt zwischen Alt- und Neuinvestor erfolgen. Diese Transaktion bedarf keiner weiteren Zustimmung unsererseits. Mit der Übertragung des Tokens wird dann auch das neue Treuhandverhältnis etabliert. Auch eine partielle Übertragung ist möglich. Aktuell prüfen wir die regulatorischen Anforderungen, um einen Handel direkt auf unserer Plattform, aber auch über andere Kanäle zu ermöglichen. Wir stehen hier vor der Herausforderung, dass unsere Investoren in der Regel solch lukrative Investments eher halten als verkaufen. Da ist eher der Faktor „Ich könnte, wenn ich wollte“ ausschlaggebend. Nichtsdestotrotz setzen wir uns gerade sehr intensiv mit dem Thema auseinander.

Warum sehen Sie die Zukunft der Immobilienfinanzierung in digitalen Plattformen?

Martin Cichowski: Die Welt von heute ist schnelllebiger denn je und somit Zeit ein immer wichtiger werdender Faktor. Hier punkten digitale Plattformen und digitale Prozesse. Langwierige Kommunikation und der gesamte Entscheidungsprozess werden signifikant verkürzt. Jetzt schon machen wir einen Großteil der Finanzierungsdeals, weil wir einfach schneller als andere sind.

Darüber hinaus wird der Zugang signifikant vereinfacht und der Markt transparenter. Während heute noch ein Großteil der Finanzierungen über persönliche Beziehungen angebahnt wird und von Intransparenz geprägt ist, wird sich das Geschäft langfristig über die Entkoppelung von Kundenbeziehung und Finanzierung sowie die Demokratisierung von Informationen nachhaltig zugunsten digitaler Plattformen entwickeln. Bei zunehmend gleicher Informationslage werden die gewinnen, die zum einen Risiken besser einschätzen können und zum anderen einfach schneller sind.

Welche Vereinfachungen könnte es in Zukunft geben, wenn sich die Blockchain-Technologie beim Immobilienkauf durchgesetzt hat?

Martin Cichowski: Wir stehen noch vor einer Großzahl an regulatorischen Herausforderungen und Novellen, können uns jedoch gut vorstellen, dass die Blockchain-Technologie eine Reihe notarieller Prozesse drastisch vereinfachen wird. Auch ein Grundbuch würde sich problemlos digital und um ein Vielfaches effizienter über die Blockchain abbilden lassen. Wir hoffen daher auf mehr Vertrauen in die Technologie auf regulatorischer Seite und auf den Mut, ineffiziente Strukturen wie das Notariatswesen in seinen Grundsätzen zu modernisieren.

Glauben Sie, dass die aktuelle Zurückhaltung der Banken der Technologie bzw. der Nutzung noch mehr Dynamik verleihen wird – oder ist diese Entwicklung davon unabhängig?

Martin Cichowski: Banken sind typischerweise nicht die Early Adoptors und First Mover, wenn es um Technologie geht. Die Tatsache, dass sich jedoch mittlerweile fast jede Großbank mit Blockchain auseinandersetzt, zeigt, dass die Technologie kurz vor dem Mainstream-Status steht. Wir reden hier vielleicht noch von zwei bis drei Jahren, bis Blockchain oder breiter gefasst Distributed-Ledger-Technologie zum Alltag gehören wird. Die Position von Banken wird hier definitiv richtungsweisend sein. Wir glauben nicht, dass sich diese den Markt aus der Hand nehmen lassen werden, gehen aber davon aus, dass wir um ein Vielfaches effizienter werden. Eine Reihe von Intermediären in der Wertschöpfungskette von Finanzprodukten wird absehbar verschwinden.

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