2021 – was erwartet uns? Die Meinungen aus der Immobilienbranche [II.Teil]

Sie wollen wissen, wie es 2021 mit den Immobilienmärkten weitergeht? Dann lesen Sie die große Umfrage unter den heimischen ImmobilienexpertInnen. Wir präsentieren die ganz Woche Meinungen zur aktuellen Situation und zu den einzelnen Märkten.

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Markus Arnold, Arnold Immobilien, über Investment und den Zinshausmarkt

Auch 2021 kann die Immobilienbranche aufgrund des Wunsches nach Sicherheit in ganz Europa mit hohem Interesse rechnen. Österreich hat in letzter Zeit in mittlerweile zwei große Krisen – der Finanzkrise 2009 und nun Corona – den Beweis angetreten, eine preisliche Nachhaltigkeit darstellen zu können. Dies ist einer der Hauptgründe, weswegen wir auch vermehrt das Interesse von ausländischen Investoren identifizieren können. Wer Geld gegen Steine tauscht, um eine sichere Währung für alles, was nun auf uns zukommt, zu wählen, hat aufgrund der Entwicklung in der Vergangenheit wenig zu befürchten, so das Feedback unserer Kunden. 

Wer eine sichere Währung für alles, was nun auf uns zukommt, wählt, liegt beim Zinshaus sehr oft richtig. Zudem ist festzustellen, dass aktuell Renditen bei der Entscheidung eines Immobilieninvestments weniger gewichtet werden. Beides stärkt das in Österreich traditionell stark verankerte klassische Zinshaus. Besonders nachgefragt werden sanierte und gut vermietete Häuser in Wien. Aber auch in anderen Landeshauptstädten besteht Interesse. Dazu kommt, dass neu gebaute Zinshäuser zunehmend für ausländische Investoren attraktiv werden. Der Wunsch nach Sicherheit wertet somit gerade in Krisenzeiten die Assetklasse Zinshaus als sicheren Hafen auf. Aus unseren Niederlassungen in Prag und Berlin, wo das Zinshaus ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, werden ähnliche Entwicklungen berichtet.

Michael Baert, IFA AG, zum Thema Wohnimmobilien und Investments

Aktuelle wirtschaftlichen Turbulenzen, die Unberechenbarkeit der Finanzmärkte und lang anhaltend niedrige Sparzinsen stellen Anleger vor Herausforderungen. Stabile Anlagemöglichkeiten sind daher auch 2021 gefragt. Reale Sachwerte – vor allem direkte Immobilieninvestments – bewähren sich als stabiler Anker. Die wichtigsten Argumente für Anleger sind weiterhin, krisenresistent für die eigene Pensionsvorsorge anzulegen bzw. Kinder und Enkelkinder finanziell abzusichern.

Wir bemerken aber bei privaten Immobilieninvestments eine Verschiebung hin zu Barzeichnern. Der Anteil liegt derzeit bei deutlich über 30 Prozent. Ein Indiz, dass Investoren ihre Anlageentscheidung nicht nur im Hinblick auf die Rendite oder steuerliche Begünstigungen treffen, sondern auch größten Wert darauf legen, ihr Kapital langfristig sicher und stabil veranlagt zu wissen.

Stark nachgefragt werden weiterhin langfristige Investments in Bauherrenmodelle. Auch aus gesellschaftlicher Sicht sind Investments in Bauherrenmodelle nachhaltig. Denn über die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum hinaus stärken diese die heimische Wirtschaft und sichern damit Arbeitsplätze.

Stefan Brezovich, ÖRAG Immobilien, über die allgemeine Lage und Investments

An das Jahr 2020 werden wir uns zeit unseres Lebens erinnern: Ausgangssperren, Maskenpflicht, geschlossene Geschäfte und Restaurants, eingeschränkte Sozialkontakte, gesundheitliche und wirtschaftliche Sorgen haben alle betroffen. Die Immobilienwirtschaft bildet da keine Ausnahme. Die Auswirkungen in den einzelnen Segmenten waren jedoch sehr unterschiedlich.

Einerseits zeigt sich die Attraktivität von stabilen Sachwerten – wie Immobilien – gerade in Krisenzeiten. Die Veranlagung in Immobilien ist angesichts von Negativzinsen und gewaltigen staatlichen Stützungsmaßnahmen (und den vielfach befürchteten Folgen für die Geldwertstabilität) so attraktiv wie nie. 

Andererseits führen steigende Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Abschwung zwangsläufig zu Herausforderungen auf Nutzerseite. Die befürchteten Szenarien für 2020 – Stillstand und massenhafte Zahlungsausfälle – haben sich letztlich nicht bewahrheitet. Die ambitionierten Hilfspakete der Regierungen waren sicher ein Schlüsselfaktor. Die Überwindung der mittel- und langfristigen (wirtschaftlichen) Folgen der Corona-Pandemie wird die große Aufgabe der nächsten Jahre sein. 

Der Stellenwert der eigenen Wohnung – egal, ob Miete oder Eigentum – ist gestiegen. Kein Wunder, weil wir dort auch mehr Zeit verbringen.

Auch wir werden 2021 die – durchaus gegenläufigen – Auswirkungen der Corona-Pandemie im Maklergeschäft spüren. Auf der einen Seite besteht das Interesse an Immobilien als Anlageform ungebrochen weiter. Auf der anderen Seite hätte ein längerfristiger Konjunktureinbruch einen dämpfenden Effekt auf Wohn- und Büromieten. Die milliardenschweren Hilfspakete ersetzen in erster Linie Umsatz- und Einkommensausfälle und fließen nur anteilig und deutlich zeitverzögert in den Immobilienmarkt. Mittelfristig werden sich diese Hilfszahlungen allerdings bei anziehender Konjunktur durch eine höhere Inflation bemerkbar machen, die sich klarerweise auch auf Mieten und Immobilienpreise auswirken wird. Kurzfristig sehen wir im Investmentbereich steigende Renditen bei Hotel- und Retail-Immobilien, da Covid-19 das größere Risiko dieser Assetklassen im Vergleich zu Wohnen und Büro in Erinnerung gerufen hat. 

Michael Ehlmaier, EHL Immobilien, über Investments und die allgemeine Situation

Generell werden die Investoren weiterhin versuchen, Risiken so weit wie möglich zu vermeiden. Wir glauben daher, dass Wohn- und Logistikimmobilien nach wie vor besonders nachgefragt sein werden, wobei das Angebot an Wohnimmobilien wesentlich liquider ist. Das Angebot an Logistikimmobilien wird auch 2021 weit hinter der starken Nachfrage zurückbleiben.

So wie die Investoren weiterhin an österreichischen Staatsanleihen zu Niedrigstzinsen interessiert sind, wird auch das Interesse am österreichischen Immobilienmarkt bestehen bleiben. Ende 2020 haben es die Reiserestriktionen internationalen Investoren äußerst schwer gemacht, österreichische Immobilien zu analysieren und zu kaufen. Da davon auszugehen ist, dass sich die Situation für Geschäftsreisen 2021 sukzessive normalisieren wird, werden auch nicht deutschsprachige Investoren nach Wien zurückkehren und hier kaufen.

Im Bürobereich wird sich die Nachfrage auf langfristig an Mieter bester Bonität vermietete Immobilien konzentrieren, wobei die sonstigen Kriterien (Lage, technische Ausstattung, Nachhaltigkeit etc.) natürlich ebenfalls erfüllt sein müssen. Wir sprechen auch schon wieder mit einigen Investoren, die sich für Stadthotels interessieren, und gehen davon aus, dass wir im ersten Quartal 2021 bereits wieder die ersten größeren Transaktionen sehen werden.


Im Großen und Ganzen blicken wir aber zuversichtlich ins neue Jahr, da ein Ende der Pandemie absehbar ist, auch wenn das nicht bedeutet, dass bereits zu Beginn des Jahres 2021 alles wieder so sein wird wie vor dem ersten Lockdown. Mit der Zulassung der ersten Impfstoffe ist aber jedenfalls das Fundament für die Gesundheit der Gesellschaft und die Gesundung der Wirtschaft gelegt. 
Die umfangreichen Hilfsprogramme der Regierung werden der Wirtschaft weiterhin über diese äußerst herausfordernde Zeit hinweghelfen. Auch wenn 2021 noch nicht alle Immobiliensegmente diese Situation vollkommen überwinden werden, blicken wir doch sehr positiv gestimmt ins neue Jahr.

Evgeni Gerginski, HUSS HAWLIK Architekten, über die derzeitige Situation

Meiner Einschätzung nach wird sich im Q1/2021 nicht wahnsinnig viel ändern. Die Regierungen werden versuchen, so viele Leute wie möglich für die Impfung zu begeistern, und im Q2 vorsichtig die Maßnahmen lockern. Zeitgleich werden die Covid-Hilfen auslaufen, und dann gibt es für mich zwei Szenarien:

1. Die Covid-Hilfen werden nicht verlängert, und die Wirtschaft erholt sich nicht so schnell wie erhofft. Die Arbeitslosenzahlen steigen, die übriggebliebene Kaufkraft und Kauflust sinkt so weit, dass die Wirtschaftskrise alle Bereiche trifft. 

2. Die Covid-Hilfen werden nur sukzessive zurückgenommen – bei gleichzeitig langsamer Wirtschaftserholung im Q3/Q4. Danach beginnt das große Zurückzahlen der Schulden inkl. Inflation. 

Das erste Szenario bedeutet auch für die Immobilienwirtschaft im Allgemeinen keine gute Entwicklung. Da die Auftragslage bei Wohnimmobilien derzeit aber gut aussieht, wage ich mal zu behaupten, dass diese 2021 keinen großen Schaden davontragen werden. Logistik ebenfalls.

Beim zweiten Szenario sehe ich eher eine positive Entwicklung für die Immobilien, da Geld, bevor es verpufft, in Beton fließen wird bzw. die Menschen die Zukunftsangst überwinden und wieder tiefer in die Tasche greifen werden. Der Tourismus wird 2021aber weiterhin stocken.  

Corona wird auch im Jahr 2021 das bestimmende Thema sein, wobei es Konflikte um die Impfpflicht geben wird und in Bezug auf die Frage, welche Schutzmaßnahmen dauerhaft beibehalten werden sollen.   

Zu guter Letzt erwarte ich jedoch mehr soziale Interaktionen, eine Reduzierung des Homeoffice und eine Befriedigung des Bewegungsdrangs der Menschen, wenn auch noch nicht über tausende Kilometer mit dem Flugzeug.

Michael Pisecky, s REAL, zum Wohnungsmarkt

Das Jahr 2020: So hatte es sich wohl niemand vorgestellt! Die Corona-Pandemie stürzte nicht nur die heimische Wirtschaft in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, auch die gesamte Weltwirtschaft erlitt einen selten dagewesenen Einbruch. Trotz in Rekordzeit entwickelter Impfstoffe wird uns Covid-19 noch in den nächsten Monaten, wirtschaftlich voraussichtlich sogar noch jahrelang, begleiten und dramatisch beeinflussen. 

Vor diesem Hintergrund ist Österreichs Immobilienwirtschaft bisher im Vergleich zu anderen Sektoren einigermaßen gut durch die Krise gekommen, denn auch in Krisenzeiten bleiben Immobilien als Anlage- und Investitionsobjekte begehrt. Besonders bei Wohnimmobilien ist das Interesse nach wie vor hoch – und das Wohnen an sich hat einen neuen, noch wichtigeren Stellenwert gewonnen. 

Auch mit und in der Corona-Krise: Nach wie vor steht die Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren noch vor vielen anderen großen Herausforderungen. 

+ Es gibt noch nie dagewesene Rekordzahlen in der Neubauleistung, vor allem in Wien und Graz. 

+ Gleichzeitig ist zukünftig der übergroße Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren. Dies kann vor allem durch die Nachverdichtung erreicht werden, schon um das Problem der sterbenden Ortskerne zu entschärfen, aber auch um die bestehende Infrastruktur und viele Gebäude besser und umweltschonender zu nutzen. 

+ Im Sinne der Umweltverträglichkeit muss auch die Anzahl der Sanierungen von Gebäuden wesentlich gesteigert werden. 

+ Neu errichtete Gebäude müssen multifunktionell angelegt und für mehrere Zwecke nutzbar gemacht werden. Anforderungen, die heute an Immobilien gestellt werden, ändern sich meist rasch, die Gebäude müssen sich an diese schneller anpassen können, als dies bisher der Fall war. 

+ Immobilien sind wesentliche Faktoren für die Erreichung der Ziele in der Umweltpolitik. Daher wird sich die Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren stärker darauf konzentrieren müssen, mit welchen Maßnahmen sie dazu entscheidend beitragen kann bzw. welche Rahmenbedingungen seitens des Bundes und der Länder dafür erforderlich sind. 

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