Schlagwort: Proptech

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Die gemeinsame Zukunft von Proptech und der Wohnungswirtschaft

Proptech steht in der Immobilienwirtschaft erst am Anfang, und es wird noch jede Menge neue Ideen geben. Moderne Technologien werden viel Spielraum für den Vermarktungsprozess bieten. Davon ist Jürgen Leger, Geschäftsführer der Findheim GmbH, überzeugt. Diese Entwicklung erfordert aber auch neue Partnerschaften, um die Wertschöpfungskette weiter bedienen zu können.

Auf der EXPO REAL gab es 2019 erstmals die Halle A3 – die Proptech-Szene geballt in einem Raum. Welche interessanten Neuigkeiten waren für Sie dabei?

Leger: Das Interessanteste an der Proptech-Alley war für mich die Diversität der Dienstleistungen. In allen Sparten der Immobilienwirtschaft – von der Planung und Finanzierung über die Vermarktung bis hin zur Unterstützung bei alltäglichen Tasks im Immobilienmanagement – arbeiten Unternehmen daran, mit technologischer Innovation neue Wege aufzuzeigen. Es ist schön zu sehen, dass die EXPO REAL diesem Umstand Tribut zollt.

Glauben Sie, dass die „Proptech“-Szene im Jahr 2020 noch mehr Platz brauchen wird?

Leger: Fest steht: Nicht jeder, der den Brunnen gräbt, wird das Wasser abschöpfen. Trotz des Scheiterns einiger Unternehmen bin ich der festen Überzeugung, dass die Gesamtzahl der Firmen, die technische Innovation im Immobiliensektor vorantreiben, steigen wird. In diesem Sinne: Ja, ich denke, dass die Proptech-Alley ein sehr guter Anfang war, jedoch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange darstellt. Aus vielen Gesprächen mit Immobilienprofis hören wir eine große Bereitschaft heraus, sich technologisch weiterentwickeln und die eigene Produktivität vorantreiben zu wollen.

Sie haben auf der EXPO REAL die „Secret Deals“ vorgestellt und damit kommuniziert, dass Sie die Immobilienvermarktung auf den Kopf stellen. Können Sie noch einmal kurz das Prinzip erklären?

Im Interview

Jürgen Leger

Die Geschicke des Wiener Proptech-Unternehmens Findheim liegen fest in niederösterreichisch-steirischen Händen: Serial Entrepreneur Jürgen Leger führt das operative Geschäft des innovativen Immobilienportals. Unterstützt wird er dabei von Bernd Artmüller, der als CTO alle technischen Belange verantwortet.

Leger: Das Prinzip ist simpel: Im klassischen Vermarktungsprozess listet der Verkäufer seine Objekte und hofft, dass Kaufinteressenten über sein Angebot stolpern. Machen die Kaufinteressenten dann den „ersten Schritt“, kommt es zu einem Dialog, der zu Besichtigungsterminen, persönlichen Treffen und im Endeffekt zu Abschlüssen führen soll. So weit, so gut.

Nun gibt es allerdings eine beträchtliche Anzahl von Objekten, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht öffentlich auf Plattformen gelistet werden können. Teilweise möchten die aktuellen Besitzer dies nicht, teilweise haben einzelne Projekte noch nicht den Status, der eine Listung möglich machen würde. Was auch immer die Gründe sind, ohne Listing wird’s bedeutend schwieriger, Kaufinteressenten zu finden, denn woher will man wissen, für wen ein gewisses Objekt interessant sein könnte?

Hier kommen die Secret Deals ins Spiel. Seit unserer Gründung ist es unser Credo, unsere User und deren Bedürfnisse so gut wie möglich kennenzulernen. Wo wollen sie wohnen? Was ist ihnen wichtig? Die schnelle Verbindung in die Stadt oder die grüne Wiese gleich ums Eck? Ein Garagenparkplatz? Oder gar zwei? Wir erheben all diese Soft Facts und viel mehr. Damit machen wir uns auf die Suche nach Übereinstimmungen zwischen den Wünschen der Suchenden und den Objekten unserer Kunden. Dabei ist es nicht notwendig, dass die Objekte tatsächlich öffentlich gelistet werden. Sobald wir erkennen können, dass ein spezifisches Objekt für ein gewisses Nutzerprofil interessant sein könnte, bieten wir unserem Kunden die Möglichkeit, dieses Objekt – proaktiv und persönlich – genau diesem Suchenden anzubieten. Hierfür zeigen wir dem Immobilienprofi ein teilanonymisiertes Profil an, damit er sich ein besseres Bild des Suchenden machen kann. Erst nach gegenseitigem Einverständnis initiieren wir den Austausch der Kontaktdaten.

Die Secret Deals lassen sich gut mit dem Beauftragen eines Recruiters vergleichen: Basierend auf den Spezifikationen eines Objekts finden wir die bestgeeigneten Kaufinteressenten. Ob einer davon angesprochen wird, entscheidet der Immobilienprofi selbst.

Wir sind in der privilegierten Position, Suchende während dieser Meinungsbildung eng zu begleiten, dabei immer besser kennenzulernen und eventuell Immobilien aufzeigen zu können, die sonst im Verborgenen bleiben würden.

Wie weit und warum haben sich Geschäftsmodelle und Partnerschaften mit der Digitalisierung verändert?

Leger: Bleiben wir im Bereich Immobilienvertrieb. Durch die flächendeckende Einführung von Immobiliensoftwarelösungen und die starke Präsenz von Immobilienplattformen hat sich der Vertriebsprozess ins Internet verlagert.

Die digitale Wertschöpfungskette ist höchst komplex geworden. Es sind sehr viele Erfüllungsgehilfen involviert, die nicht unbedingt aktiv an der Transaktion teilnehmen. Zu allem Überfluss beschleunigt die Digitalisierung die Kommunikation und damit auch die Entscheidungsfindungen. Der Immobilienprofi braucht selbst digitale Profis, um in diesem System bestehen zu können. Dies erfordert logischerweise Partnerschaften, um die Wertschöpfungskette weiter bedienen zu können.

Hier hat sich in Österreich in den letzten Jahren recht wenig getan. Ein Blick auf andere Märkte – etwa in Großbritannien oder jenseits des Atlantiks – zeigt, dass hier noch viel mehr möglich ist und dass eine sinnstiftende Änderung auch rasch als Standard etabliert wird, sobald sie einmal Fuß gefasst hat.

Welche Auswirkungen auf die betroffenen Proptechs sehen Sie, wenn das Bestellerprinzip in Kraft tritt?

Leger: Das Geschäft der Proptechs wird wachsen. Wenn sich einzelne Marktteilnehmer den Obolus für eine persönliche Betreuung aus Fleisch und Blut nicht mehr leisten wollen, wird es eine Software geben, die diese Aufgaben übernimmt und das Geld verdient. Wer das alles negiert, kann sich gerne mal mit einem Buchdrucker unterhalten oder versuchen, in einer Bankfiliale Geld beim Schalter abzuheben.

Wie sieht Findheim die Entwicklung des Vermarktungsprozesses von Immobilien? Wo sehen Sie das größte Potenzial für Plattformen?

Leger: Hier schließt sich der Kreis. Moderne Technologien würden viel Spielraum für den Vermarktungsprozess bieten. In den letzten Jahren hat sich allerdings im deutschsprachigen Markt wenig getan. Plattformen haben dennoch extrem hohe Zugriffszahlen, und Immobilien sind aufgrund der aktuellen Zinssituation ein noch attraktiveres Feld für Investitionen als früher.

Dennoch fokussieren sich Plattformen zum größten Teil darauf, ihre Reichweite zu monetarisieren. Sie lassen sich von Verkäufern dafür bezahlen, ihre Objekte zu listen. Zusätzlich verkaufen sie Werbeflächen und kosmetische Upgrades für die Listings. Das ist die 1:1-Übersetzung der alten Inseratenlogik der Zeitungen. Wohnungssuchende kennen den daraus resultierenden Suchprozess, und mangels Alternativen leben sie auch damit – doch die Anzahl der Suchenden, die sagen, dass ihnen das tägliche Jagen nach ihrer Traumimmobilie Freude macht, ist überschaubar. Kennen Sie jemanden, der nach drei Monaten Immobiliensuche noch meint, Spaß daran zu haben?

Wie kann man das Problem lösen?

Leger: Beispiele gibt es genug – sehen wir uns kurz Google an: Warum klickt niemand auf die vierte oder fünfte Suchergebnisseite? Weil die Ergebnisse für die gestellte Suchanfrage nicht mehr relevant sind! Warum ist die erste Seite hingegen so beliebt? Auch hier lautet die Antwort: aufgrund ihrer Relevanz. Und wie wird entschieden, was auf Seite eins und was auf Seite fünf kommt? Google nimmt die massenhaft eintrudelnden Signale und Informationen aller Nutzer auf und kann damit sehr gut einschätzen, was für bestimmte Personen bei bestimmten Anfragen relevant ist und was nicht. Selbiges könnte auch auf Immobilienplattformen passieren. Personalisierung, maßgeschneiderte Empfehlungen, individuelle Ansprache, Feedbackloops und ein Dialog auf Augenhöhe mit dem Nutzer – all das sind „Werkzeuge“, die in anderen Industrien bereits Einzug gehalten und sich dort bewährt haben. Auch der Kaufimmobilienmarkt und insbesondere der Bereich der Anlegerwohnungen wird hier nicht außen vor bleiben.

Der Zeitfaktor spielt im Immobilienvertrieb die Hauptrolle. Ist die Qualität nur noch Nebensache?

Leger: Warum sollte die Qualität leiden, nur weil Prozesse schneller werden? Im Gegenteil: Die Qualität hat sich erhöht. Heutzutage gibt es beispielsweise 360-Grad-Videos von Objekten – wo waren die vor zehn Jahren? Auch Termine können immer häufiger direkt online vereinbart werden. Mag sein, dass die Qualität bei der Beratung gesunken ist, weil der Wettbewerb aufgrund von mehr Marktteilnehmern größer geworden ist, aber ich wage zu behaupten, dass Wohnungssuchende gar nicht so viel Beratung, sondern vor allem Vergleichbarkeit brauchen. Konsumenten vertrauen in einem Online-Shop den Bewertungssternen unter einem Produkt mehr als den Angaben des Herstellers.

Heutzutage können Suchende zu jeder Tages- und Nachtzeit den gesamten Markt im Internet überblicken und sind nicht mehr vom Gutdünken einzelner Gatekeeper abhängig. Das sind „Qualitäten“, die aktuell vom Markt gefordert werden.

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© Jana Madzigon/apti

Neue Denkmodelle und Durchstarter auf der FuturePropTech

Durchgängige Lösungen locken die Immobilienwirtschaft in die Proptech-Welt. Die Trägheit des Marktes könnte aber für einige Start-ups ein Grund fürs Scheitern sein.

Die Masse der heimischen Branchenvertreter war nicht anzutreffen bei der FuturePropTech in Wien. Umso bemerkenswerter ist das Engagement einzelner, die sich dem Thema widmen. „Ich gehe bei einem ernst zu nehmenden Proptech davon aus, dass es mein altes Geschäftsmodell demontieren möchte“, sagt Oliver Brichard über sein Engagement bei iDwell. Die Immobilienerfahrung des Gründers sei nicht so entscheidend, wenn das Vertrauen da ist und ein Partner wie er das ohnedies einbringt.

Für Makler Thilo Boerner war die Veranstaltung wichtig, um einen Überblick über die Möglichkeiten in einem sich wandelnden Umfeld zu bekommen: „Die Zahlungsbereitschaft der Kunden ist am Sinken, und der Aufwand wird mehr.“ Um Ressourcen zu sparen und die Kunden trotzdem abzuholen, sei es notwendig, umzudenken.

Schlüsseltechnologien

Marc Gille, der mit Thing-it eine Plattformlösung für die Gebäudenutzung vertreibt, sieht die Komplexität der Branche als hinderlich: „Es gibt viele unterschiedliche Interessen entlang der Wertschöpfungskette.“ Da sei es nicht möglich, Prozesse einfach umzustoßen. Auch wenn ein Mehrwert einer innovativen Lösung evident ist, sei nicht klar, wer diesen am Ende abschöpft. Das richtige Einstiegsszenario ist laut Gille daher der Schlüssel zum Erfolg: „Bei neueren Gebäuden macht es vielleicht keinen Sinn, alles mit Sensoren nachzurüsten, anders als beim Retrofitting.“

Die Trägheit des Marktes

Solcherart Uraltbüros nach vorne zu bringen, das bietet Offezio an, eine Ausgründung der Rhomberg-Gruppe. Per Komplettservice mit Umbau- und Vermietungsstrategie sowie mit App für die Gebäudenutzung soll die Marktfähigkeit von Renovierungsfällen mit einem Schlag gewährleistet sein. Placense ermittelt für Projektentwickler und Vermieter die Standortfrequenz per Handydaten. CEO Dan Gildoni sieht in der Trägheit des Marktes für Start-ups „a la longue“ einen Grund fürs Scheitern: „Die Aufwendungen, die laufen, um das Unternehmen nach oben zu bringen, können es dann auch umbringen.“ Brancheninsider seien daher wichtig, um einen in Phasen der Ungewissheit wieder mitzunehmen. Umgekehrt würden diese am Ende am meisten profitieren, weil sie die Schlüsseltechnologien als Erste nutzen können.

Ultimative Vergleichsinstrumente

Mit einem neuen Produkt speziell für Bauträger versucht man es derzeit bei Checkmyplace. Ein standardisierter digitaler Prozess soll den Vorlauf vereinfachen, indem, ähnlich wie in einem CRM-System, unterschiedliche Daten über Liegenschaften hereingeholt, analysiert und verwaltet werden. Neu am heimischen Markt ist Pricehubble aus der Schweiz.

Das Instrument zur schnellen Preisbestimmung bedient sich diverser Angebotsvergleiche und nutzt maschinelles Lernen über Objekt und Lage, um die Daten valide zu machen. „Nur wer den Marktpreis kennt, kann die Preisspanne festlegen“, sagt Deutschland-Geschäftsführer Christian Crain, der mit dem Produkt Großkunden über die Grenze nach Österreich begleitet. Dank lernender Algorithmen wären Preise auch in die Zukunft abbildbar, und Verwertungsabsichten würden sich damit per Mausklick evaluieren lassen.

Makler im Visier

Ein Geschäftsmodell für Makler hat Pavel Hilman, Gründer von Ready Estate, vorgestellt: „Auf unserer Plattform sind alle Prozesse integriert, um das Geschäft mit Endkunden schnell und problemlos abzuwickeln.“ Das Proptech-Unternehmen mit Standort in London bietet Maklern 70 Prozent Provision beim Abschluss. Wenn auch das Verhältnis den Makler begünstigt, so hat das Unternehmen das Provisionsmodell zu seinen Gunsten gekippt.

Über den Prozess wird verraten, dass der Endkunde über eine App einsteigt und bis zur Transaktion begleitet wird. Das Geschäftsmodell wird aktuell über bedeutende Großstädte ausgebreitet, und auch Wien steht auf der Liste. Das Proptech mit einer deklarierten Bewertung von 25 Millionen englischen Pfund rechnet mit zwölf Millionen Pfund Einnahmen pro Jahr und mehr.

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MIPIM PropTech Europe – Technologieschub für Immobilien

In Paris gezeigte PropTechs bestechen mit reifen Lösungen sowie mehr Breite und mehr Tiefe im Angebot.

Robomanager

Assetmanagement
ohne Brüche ins digitale Zeitalter zu holen, das verspricht „Proda.ai“ mittels
automatisierter Datentransformation. Ausgehend vom Lebenszyklus technischer
Anlagen, unterstützt „Accruent“ die Entscheidungsfindung. „Alhambra“ stellt
hingegen das Mietermanagement in den Mittelpunkt und bietet Alarmfunktionen in
Echtzeit. Den Arbeitsfluss verbessern wollen diese PropTechs alle. „eFront“ tut
das über Leistungs- und Risikoauswertungen gegenüber anderen Assetklassen.
„Tower360“ aus Deutschland ist eine webbasierte Schnittstellenlösung und wertet
Kennzahlen über die Bewirtschaftung von Objekten aus, inklusive Benchmarking.
Übersicht übers Portfolio auf allen Geräten, über Grenzen und Zuständigkeiten
hinweg, soll das in Finnland gegründete „Assetti“ bieten.

Investieren
und Blockchain

Ebenfalls aus
Finnland kommend, versetzt „bitofproperty“ die vielen „kleinen Investoren“ in
die Lage, via Blockchain in den Handel mit Bestandsimmobilien einzusteigen. Bei
Bauprojekten wiederum ermöglicht „Walliance“ aus Italien erstmals der Crowd die
Beteiligung an Projekten auch über Kontinente hinweg.

Energie
greifbar

Bei „Hello
Energy“ aus den Niederlanden stellt man bewusste Energieeinsparung in den
Mittelpunkt. Bei großen Gebäudeeinheiten hänge es nämlich letztlich vom
Verhalten der Nutzer ab, ob tatsächlich gespart wird. „Dabbel“ aus Deutschland
misst über Sensoren nach und setzt lernende Systeme ein.

Datengebäude

Den digitalen
Türsteher gibt es mit dem berührungslosen Handscanning von „Idemia“, einer
alteingesessenen Technologiefirma. „Bluebolt“ aus Polen ist ebenfalls Teil
eines Konzerns und bietet digitale Zugangs- und Administratorenlösungen fürs
Co-Working. Soft Facts in Daten umwandeln, das kann „Kandu“, ein universales
Desktop-Gerät für Licht, Luft und Wärme sowie Lautstärke. Dieses Start-up
gehört dem Weltkonzern Saint-Gobain.

Immobilienvertrieb
4.0

„Flatsy“ bietet
in Frankreich Erstbesichtigungen über eine Art Outsourcing. Subagenten werden
für Besichtigungen vermittelt, um damit Leerläufe für die Professionisten zu
reduzieren. „Archisketch“ bringt Vermessungen und Visualisierungen per
Handytool, und beides kann der Makler nun selbst durchführen. „Realko24“ aus
Polen produziert Marketingleads per Matching mit Suchwünschen.
Kurzzeitvermietung über Grenzen hinweg bietet „Plannr.eu“, als Teil eines
One-Stop-Shops für Auswanderungswillige. „Apimo“ ist ein CRM für Makler der
nächsten Generation mit „Kunden-Matching“ im Kern. Wem die friktionsfreie
Wohnungsübergabe ein Anliegen ist, dem wird „mashroom“ gefallen. Das Portal
bringt Nachmieter und Vormieter zusammen und präsentiert dies den Vermietern
als komfortable Übergabelösung ohne eigentlichen Vermittler.

Digitale
Räume

Zugangssysteme
über die Cloud bietet zum Beispiel „Salto“. Elektronische Schlüssel mit
Zutrittsverwaltung übers Netz sollen moderne Arbeitswelten implementieren
helfen. Am Konsumenten nah dran ist „Sesame Technology“ mit dem Türöffner per
Handy. Mit „Spaceti“ ist die Raumnutzung per Indoortracking analytisch erfasst.

Mieterservices

„Juumo“, ein
belgischer Anbieter, ist dabei, die Hausverwaltung inklusive Vertragsabwicklung
zu digitalisieren. „Askporter“ aus dem UK soll per Sprachassistent sogar wie
ein Portier funktionieren, um damit eine Art digitales Facility-Management
aufzuziehen. Mit dem Google-Konzern im Rücken gewann das PropTech in Paris die
MIPIM PropTech Challenge. Den „Wohlfühlfaktor“ in Bürogebäuden zu heben, soll
mit „Wisebuilding“ aus Frankreich gelingen. Ähnliches leistet „Monbuilding“ und
zwar dank digitalem Helpdesk, schwarzem Brett oder integriertem Bezahlen
online. Neue Co-Working-Flächen will man europaweit bei „Workero“ aus Belgien
mit der passenden Community versorgen. Das absolut innovative Konzept
konzentriert sich aufs Vernetzen potenzieller Co-Worker und verknüpft sie mit
leeren Flächen in Bürogebäuden.

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MIPIM PropTech Europe – die Start-up-Szene und die Immobilien

Exklusiv von der MIPIM PropTech Europe in Paris: Ein Kundenportfolio sowie Finanzierungen sind Voraussetzungen fürs Durchstarten.

Ziemlich genau 1.700 Personen waren zur zweiten
Ausgabe der MIPIM PropTech Europe in Paris erschienen. Rund 500 davon kamen als
Vertreter von Technologiefirmen und Start-ups. Spaceflow heißt ein
Softwareentwickler, der eine Komplettlösung für den Gebäudebetrieb anbietet.
Caroline Monast, beim tschechischen Jungunternehmen für strategische
Geschäftsentwicklung zuständig, beschreibt die Erfahrungen: „Wir sind seit zwei
Jahren am Markt und haben uns von ,Zero to Hero‘ entwickelt.“ Für 15
Immobilienfirmen ist man mittlerweile tätig, die wiederum 50 Gebäude
bearbeiten. Apps für Nutzer und Dashboards für das betriebliche Management
werden geliefert. Was beim Markteintritt geholfen hätte, wäre die sofortige
Anwendbarkeit: „Plug and Play erleichtert den Zugang zur Immobilienwirtschaft.“
Für den Fall, dass man selbst nicht weiterkommt, wie bei der smarten
Gebäudetechnologie, hat man Partner an Bord.

Zählbare
Ergebnisse

Weiterkommen würde man bei den Kunden nur mit
wirklichen und vor allem auch überprüfbaren Verbesserungen. Darunter kann man
höhere Auslastungen oder Einsparungen im Betrieb verstehen. Bei Hxperience,
einem französischen Start-up, will man zum Beispiel per vorausschauender
Wartung bis zu 70 Prozent Kosten sparen und mit smartem Gebäudebetrieb 30 Prozent
mehr an Auslastung herausholen. „Man muss an den Schmerzpunkten der Kunden
ansetzen“, erklärt der Co-Founder Didier Lamy den Schlüsselfaktor, um von den
Großen der Branche ernst genommen zu werden. Perfekt müsse eine Lösung am
Anfang gar nicht sein. Partner spielen auch hier eine wichtige Rolle, in diesem
Fall beratend und beim Design. Um das Produkt auszurollen und ein
Geschäftsmodell am Markt zu platzieren, brauche es das. Dann könne man sich
voll auf die Kunden konzentrieren, zu denen hier die französische Bahn SNCF
oder der Chemieriese Merck zählen.

Fit für die
Zukunft

Auch rund 200 gewerbliche oder institutionelle
Immobilieninvestoren und Vertreter von Venture Capital (VC) Funds suchten auf
der Pariser Veranstaltung ihre Chancen. Mancher sieht die Jungunternehmer, die teilweise gar nicht
so jung sind, in der bedeutenden Rolle von Katalysatoren. „Einfach rausgehen und die besten
Partner finden, um mit ihnen das Geschäft zu machen“, lautet die Empfehlung von
Roelof Opperman, Vertreter des Kapitalgebers Fifth Wall. Eine Beraterin aus dem
United Kingdom, auf den Zweck ihres Besuchs angesprochen, tat genau dies: „Ich
bin hier, um für meine Kunden aus der Immobilienwirtschaft geeignete Lösungen
im Bereich Gebäudeverwaltung auszusuchen.“

Partner
für den Erfolg

Einige
Branchenvertreter sehen sich also um, und der Orientierungsbedarf ist groß.
Charles Boudet, Leiter von JLL Frankreich, weiß, warum: „Wir müssen
heute eine Vorstellung davon gewinnen, welche Form unsere Dienstleistung in
Zukunft haben wird.“ Beim größten europäischen Softwarehaus SAP schätzt man die Agilität der kleinen
Unternehmen. „Wir bilden gezielt Partnerschaften mit PropTechs und designen
gemeinsam Lösungen“, sagt Marco Hofmann, Leiter der Entwicklungsabteilung Real
Estate beim Konzern. Offene Prozesse brauchen allerdings auch eine
entsprechende Bereitschaft. Pierre de Milly von Schoolab rät daher, konsequent
zu sein: „Wenn man sich dazu entschließt, sollte man die Zeit nicht damit
verschwenden, mit den Start-ups um ein paar Schreibtische zu feilschen.“

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MIPIM PropTech Europe – die Gebäude und das Datengold

Exklusiv von der PropTech Mipim in Paris, die letzte Woche stattfand. Technologischer Fortschritt macht vor den Immobilien nicht halt, und Datennutzung geht damit einher.

Am zweiten Tag der MIPIM PropTech Europe erwartete die Teilnehmer vor dem Veranstaltungsort eine Gruppe Demonstranten. Globale Finanztransaktionen würden ohne Rücksicht auf lokale Bewohner erfolgen, so deren Befürchtung. Was das mit PropTech zu tun habe, wurde mit dem Verweis auf die Nutzenmaximierung mit Daten und die Ausgrenzung von Bewohnern begründet. „PropTech ist nur Teil des größeren Ganzen, wo auch Govtech ein Rolle spielen wird“, entgegnete einer der Veranstaltungsteilnehmer, Jack Sibley von Nuveen Real Estate. Als Innovationsbeauftragter eines global agierenden Konzerns auf dem Podium darauf angesprochen, äußerte er die Hoffnung: „Technologie kann für alle sein.“ Trotzdem konnte er nicht ausschließen, dass die zukünftigen Smart Cities mit Datensilos privater Konzerne in den USA oder auch staatlich verwaltete in China einhergehen. Korrekturbedarf, so die Schlussfolgerung, sei generell zu erörtern und ließe sich nicht auf die Immobilienwirtschaft reduzieren.

Globaler Datenschatz

Beim Datenspezialisten Placense, der weltweit über eingekaufte
Handy-App-Daten via Massenströme Standortentscheidungen ableitet, betont man
die totale Anonymität sowie die Datenschutz-Konformität. Ähnlich argumentiert
man bei Cloud-Services, die nebenbei rund um den Globus Daten sammeln. Mit
„Mapwize“ wird Indoor-Navigation massentauglich gemacht. Ein ähnliches Segment
mit anderem Anwendungsfall deckt „Matterport“ ab. Das Unternehmen ermöglicht es
dank AI-Software jedem und jeder, in der Cloud mittels 3D-fähiger
alltagstauglicher Kameras 360-Grad-Rundgänge zu produzieren. Über eine Million
Visualisierungen sind über die Plattform schon erfolgt, hundert Millionen
lautet das nächste ambitionierte Ziel. Auch wenn in Österreich noch die
wenigsten davon gehört haben werden, steht dem Vernehmen nach der Markteintritt
im DACH-Raum bevor.

Vernetzte Arbeitswelten

Wachstum ist auch beim Co-Working-Marktführer WeWork das Um und Auf.
500.000 flexible Desks hat das Unternehmen weltweit an Kapazitäten mittlerweile
aufgebaut. „Im nächsten Jahr sollte sich der Bestand schon auf eine Million
verdoppelt haben“, kündigt Nicolas Maciocia an, der im Konzern Leiter des
Immobilienbereichs ist. Demnächst würden 50 neue Standorte hinzukommen. Am
Ende, so die ultimative Vision, könne man möglicherweise auch auf 500 Millionen
Schreibtische kommen. Mit Datenanalyse und Heat-Maps werden nicht nur die
Standorte ermittelt, sondern auch die Akzeptanz von Einrichtungselementen.
Außerdem steht das Unternehmen über eine App mit den Kunden immer in Kontakt,
und man verweist auf eine Auslastung von 95 Prozent. Diese könnte freilich
zulasten des traditionellen Geschäftsmodells in der Bürovermietung gehen, dann
nämlich, wenn vermehrt große Unternehmen mit flexiblen Kapazitäten operieren. Hannah
Prideaux von District Technologies empfiehlt, als Vermieter Antworten zu geben:
„Statt Raum unvermietet leerstehen zu lassen, kann man auch geteilt vermieten.“
Ihr Unternehmen bietet Softwarelösungen an, mit denen herkömmliche Büros ins
neue Zeitalter geholt werden. Gebäude bekommen eine Art Betriebssystem mit App
für die Nutzer und mit Sensoren für die Technik, dank derer sich am Ende alles
smart abstimmen lässt.

Auf das „Wie“ kommt es an

Was umstrittene Datenfragen betrifft, wächst marktseitig der Druck auf
Immobilienmanager, von Informationen möglichst auch Gebrauch zu machen. Jörg
Flecker, Forscher für IT-Arbeitssoziologe an der Uni Wien, forderte zuletzt
auf, das mit Bedacht zu tun: „Technologie entwickelt sich nicht von selbst so,
wie sie sich entwickelt.“ Sie könne auf den Menschen ausgerichtet sein oder
auch Selbstzweck bleiben. Im besseren Fall sollte sich der menschliche Gestaltungsspielraum
durch weniger Routinearbeit erhöhen, und das, ohne andere Menschen unter Druck
zu setzen. Hier sei wesentlich, dass demokratisch mitgestaltet wird, da der
Spielraum ansonsten anders genutzt wird.

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MIPIM PROPTECH EUROPE 2018 - ATMOSPHERE - EXHIBITION AREA

MIPIM PropTech Europe, professionelle Startups die gekommen sind um zu bleiben

Auf der MIPIM PropTech in Paris zeigten Start-ups durchgängige Lösungen. Technologische Marktreife und ein reifer Markt begegneten sich (fast) auf Augenhöhe.

Professionalität überzeugt, und darin standen die Start-ups, die auf der in Paris abgehaltenen MIPIM PropTech Europe, vertreten waren, den Immobilienprofis um nichts nach. Aus dem Start-up-Wettbewerb der Veranstaltungspremiere mit stark französischem Einschlag gingen zwei Anwendungen als Sieger hervor. Spaceti und Sensorberg liefern jeweils eine All-in-one-Lösung für offene Büro- bzw. Gebäudeumgebungen.

B2B2C

Mit SHARRY und CityLity gibt es hier auch bereits ein breites Angebot. Nicht nur Immobilieneigentümer, sondern auch Endkunden werden für neue, offene Arbeitsweisen und Arbeitswelten unterstützt. Mit der Kombination von Hard- und Software und eben ohne den reinen B2B-Fokus sind es durchschlagende Lösungen, und das ganz ohne aufdringliche Technik. Nutzer sollen einfach mit dem Handy ihre Dinge im Griff haben. Sensoren und Zutrittsysteme sind abgestimmt. Damit ist von der Garage bis zur Raumbuchung für Meetings mit Kollegen und Kunden alles vernetzt, was räumlich oder zeitlich vernetzt sein soll.

Digitales Facility-Management

Marktgängige Produkte, die das Facility-Management unterstützen, sind ebenfalls im Kommen. Mit Datapole soll das Energie- und Abfallmanagement dank künstlicher Intelligenz nochmals effizienter werden. Außerdem ließe sich die Wartung der Gebäudetechnik vornehmen, bevor sie akut wird.

Der absolute Liebling der Franzosen ist allerdings WeMaintain , ein Vermittler von Aufzugsservice. Zuletzt hat man als Gewinner eines Wettbewerbs im „Business“-TV vor breitem Publikum bewiesen, dass das Geschäftsmodell hält. In Europa und Asien wolle man aktiv sein und das Aufzugsservice von den Produzenten entkoppeln. Den Immobilienmanagern wird es recht sein, wenn für das gleiche Service Einsparungen bis zu 50 Prozent zu erwarten sind.

Digitales Immobilienmanagement

Produkte, die das Immobilienmanagement unterstützen, werden mehr und auch leistungsstärker. Neuheiten wie Assetti , EP , Deepki oder Explore bereiten Daten auf, analysieren, selektieren und leiten Handlungsbedarf ab. Markttransparenz, Portfoliomanagement oder Standortanalyse werden ebenfalls geboten, wobei hier inhaltliche Überschneidungen vorhanden sind.

Die vorerst nur in Französisch vorhandene Plattform Lafoncierenumerique bietet objektbezogen eine „Rundumlösung“. Marktdaten, aber auch Juristisches, Notarielles und Finanzielles sowie BIM und Sensorik sind Teil des großen Ganzen. Damit ist plötzlich eine einzige Plattform da, mit der sich die ganze Wertschöpfungskette abbilden lässt. HBS Research ist ebenfalls für den französischen Investmentmarkt tätig und arbeitet bereits intensiv an der Implementierung von Blockchainlösungen. Brickblock und Drooms sind international aktive Firmen, die schon bald den gesamten Verkaufsprozess digitalisieren könnten.

Direkte Vermittlung

Eine Vermittlungsplattform, die darauf bereits zugeschnitten ist, heißt oward . Das Neue daran ist, dass der Makler kaum mehr gebraucht wird. Die Vergabe erfolgt an den Bestbieter, und Informations- sowie Prozessstandards sorgen für transparente Abläufe. Beim CRM für Vermittler sind allerdings auch Produkte in Entwicklung, mit denen Makler ihre Position stärken können. Apimo bietet eine „Matching“-Funktion, die algorithmisch Kunden und Angebote verknüpft und übrigens auch in Deutsch zu haben ist.

Expansion

Nieschenplayer wie Nestpick , eine Berliner Plattform für Kurzzeitwohnen, oder der Retailvermittler eLocations gaben sich bei der MIPIM PropTech Europe expansiv. Spezialservices wie Picterra aus der Schweiz, die Satellitenbilder in Hausinformationen umwandeln, machten erstmals auf sich aufmerksam. Aus Österreich hatte sich der „Bau-Digitalisierer“ PlanRadar als Besucher eingefunden. Die heimische Immobilienwirtschaft war einzig durch die S+B-Gruppe vertreten. Ansonsten wurde deutlich, dass auf europäischer Ebene vieles passieren könnte, was derzeit noch auf Länderebene hängen bleibt.

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1.500 Besucher auf der ersten MIPIM PropTech in Paris

Technologischer Wandel wird nun auch in der Immobilienwirtschaft als Thema immer konkreter. Auf Start-ups aktiv zuzugehen könnte sich daher langfristig bezahlt machen, hieß es bei der ersten MIPIM PropTech Europe in Paris.

Aller Anfang ist schwer. Um es Start-ups und der Immobilienwirtschaft Europas leichter zu machen, wurde die MIPIM PropTech in Paris ins Leben gerufen. Frankreich mit seinen 400 Immobilien-Start-ups bot das richtige Ökosystem für die zweitägige Veranstaltung in Paris. „Momentan ist Innovation eigentlich gar nicht notwendig, um am Markt erfolgreich zu agieren“, weiß Robin Rivaton. Er ist Co-Autor des Buches „Make Real Estate Great Again“ und Mitbegründer der französischen Start-up-Vereinigung Real Estech. Im Gespräch mit der Immobilien-Redaktion rät er, Start-up-Partner zu suchen: „Wer sich vorwagt, wird in Zukunft profitieren können.“ Der digitale Weg würde Zugänge zu neuen Märkten eröffnen.

Hubs und Sensoren, verwertbare Smart Home Produkte gefragt

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Bridget Wilkins, Beraterin von CBRE in UK: „Die Start-ups arbeiten an zukünftigen Werten, und das kann ein starkes Motiv sein, um deren Produkte auch aufzugreifen.“ Besonders ambitioniert sind die Innovation-Hubs des Smart-Building-Projektentwicklers EDGE Technologies aus Holland. „Kapital in der Höhe von einer Milliarde Euro steht uns für weitere Projekte zur Verfügung“, erklärt Firmenchef Cees van der Spek in Paris, dessen Gebäude mit von Sensoren erfassten Daten auch das Wohlbefinden steigern sollen. Peter Bommel von Ankermieter Deloitte: „Es musste auch ein inspirierender Ort für unsere Angestellten werden.“ Das Hauptmotiv, sich einzumieten, sei gewesen, für Top-Arbeitskräfte der Digital Natives eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Bedeutung von Soft Facts und Service steigt – Coworking kein Nischenprodukt mehr

Auf die wachsende Bedeutung solcher Soft Facts verwies auf der Proptech-Veranstaltung auch Valérie Britay, Direktorin des börsennotierten Immobilienunternehmens Gecina: „Wir finden uns in einer B2B2C-Welt wieder und müssen vom Raumvermittler zum Serviceunternehmen werden.“ Sie sieht Coworking daher auch nicht als Nischenprodukt, sondern als etwas, was die Endnachfrager von morgen mit ihren Arbeitsweisen generell benötigen. Diese sind bekanntermaßen ebenfalls digital, und in einer sich verändernden Welt müsse das Immobilienangebot dem entsprechen.

Künstliche Intelligenz und aufgeräumte Oberflächen laden zur Benutzung ein

Technologie gilt als Treiber für Veränderung, wird aber laut Experten selbst immer unauffälliger. Ein Rundgang mit Blick auf die Anwendungen im Ausstellungsbereich der Veranstaltung bestätigt den Eindruck. Aufgeräumte Bildschirmoberflächen mit künstlicher Intelligenz im Hintergrund laden zur Benützung ein. Was neue Technologien für etablierte Unternehmen leisten können, darauf gab Tanguy Quero, bei Jones Lang Lasalle (JLL) für Wissensmanagment zuständig, einen Hinweis: „Im täglichen Geschäft auftretende Herausforderungen mithilfe von Start-ups besser meistern zu können, schafft eine Win-win-Situation.“ JLL ist ein weltweit aktiver Immobiliendienstleister aus den USA, der soeben einen Start-up-Fonds mit 100 Millionen Dollar an Venture-Kapital neu aufgelegt hat.

Daten nutzen statt besitzen, so werden Potentiale gehoben

Ziemlich genau 1.500 Besucher aus 47 Ländern haben an der MIPIM PropTech in Paris teilgenommen, wobei auch 188 Start-up-Firmen dabei waren. 150 größere und kleinere Investoren und Entwickler hatten Vertreter geschickt, um Technologien kennenzulernen. Öfters war in den Podiumsdiskussionen von unterschiedlichen „Mindsets“ die Rede, die aufeinandertreffen. Schwer vergleichbare Standards würden noch viele länderübergreifende Kooperationen unterbinden. Digitalisierung könnten Unternehmen nicht im Alleingang betreiben, und darum – so eine Erkenntnis – müssten große Unternehmen einen Schritt voraus machen. Daten nutzen statt sie besitzen sei in Zukunft sinnvoll. Gute Produkte damit zu entwickeln, das würden die Start-ups leisten können, um gemeinsam Potenziale zu heben.

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Thoughtful young woman in interior with city sketch on whiteboard

MIPIM 2018. Urbanität und andere Entwicklungen

„Mapping World Urbanity”, also die Darstellung der weltweiten Urbanität, ist das zentrale Thema der heurigen MIPIM – dazu gibt es noch die Schwerpunkte Proptech und Afrika. Damit sind wichtige Trends vorgegeben, aber viele Besucher sind auch auf der Suche nach ihren eigenen Trends oder bringen diese mit.

 

Die MIPIM ist wieder der perfekte Rahmen, um über den Tellerrand zu blicken und auf internationaler Ebene die neuesten Branchentrends sowie die Stimmung der gesamten Immobilienwirtschaft einzufangen. Die Messe ist, wie dem Programm zu entnehmen ist, wieder voller interessanter Diskussionen und Vorträge. „Ich bin schon gespannt, was im ,PropTech Lab‘ präsentiert wird, da die BUWOG in diesem Bereich selbst sehr aktiv ist“, meint etwa CEO Daniel Riedl: „Ich finde es auch sehr wichtig, dass die MIPIM heuer ein Afrikaforum ausrichtet. Eigentlich verwunderlich, dass dieses Forum erst jetzt ins Leben gerufen wurde.“

Die weltweite Urbanität

Das Überthema der weltweiten Urbanität bietet für Riedl bereits genügend Diskussionsstoff. „Wie gehen die unterschiedlichen Städte bzw. deren Planer mit diesem Megatrend um?“, fragt Riedl: „Wie sehen die jungen Leute die Stadt der Zukunft und welche Antworten haben wir Immobilieninvestoren auf die Wünsche der jungen Menschen?“ Vor allem geht „aus Sicht der S IMMO das Thema Urbanität mit einem steigenden Wohnraumbedarf in den großen Städten Hand in Hand“, so S IMMO Vorstand Friedrich Wachernig. Der steigende Bedarf hat aber nicht nur mit dem Zuzug und der Demografie zu tun: „Wir beobachten einen Trend hin zu mehreren Wohnsitzen pro Person – sei es aus privaten oder beruflichen Gründen.“ Diese Entwicklung verläuft parallel zu einer stärkeren Nachfrage nach kleinerem Wohnraum und zusätzlich gemeinschaftlich genutzten Flächen. Derartige Tendenzen müssen für Wachernig sowohl in der Städteplanung als auch in aktuellen und zukünftigen Projektentwicklungen verstärkt Berücksichtigung finden. Ein weiterer Faktor, der für die weltweite Urbanität entscheidend sein wird, ist die „Integration von öffentlichen und privaten Nutzungen, die sich miteinander verzahnen und offene Grenzen schaffen“, ist Winfried Kallinger, Kallinger Projekte, überzeugt: „Damit wirkt man Gated Communities entgegen.“ Was die Zukunft betrifft, so wird immer stärker das Gemeinsame statt des Trennenden hervorgehoben, und die „Gemeinsamkeit auf allen Ebenen“ sieht St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (übrigens der einzige offizielle heimische Politiker auf der Messe) als Turbo der Stadtentwicklung: „Städte müssen aufhören, etwas FÜR die Wirtschaft zu tun, und müssen anfangen, Standortpolitik MIT der Wirtschaft zu machen.“

Der Hotelmarkt verändert sich drastisch

Der Hotelmarkt ist in starkem Wandel begriffen, und die klassische Hotelkategorisierung wird obsolet. „Hier liegt mein derzeitiger Schwerpunkt“, meint Rupert Simoner, Vorstandsvorsitzender von Vienna House: „Starre Raum- und Restaurantkonzepte gehören für mich der Vergangenheit an. Es geht um Mobilität, Trends, Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und Wandelbarkeit.“ Simoner sieht das neue Konzept der Vienna-House-Gruppe zwischen Hotelrevolution und -evolution. Die Vorteile von Hotels, Guesthouses, individuellen Reisewohnerlebnissen und jungen lifestyligen Cityquartieren werde in einem Haus vermischt, kombiniert mit der digitalen und analogen Ausstattung. „Ich gehe davon aus, dass dieses Konzept bzw. diese neue Art des Hotelerlebens alte sowie neue Gästegruppen anzieht“, blickt Simoner in die Zukunft der City-Hotellerie.

Investoren und Politik

Die Immobilienbranche ist in Zeiten historisch hoher Preise, massiver Nachfrage und immer knapper werdenden Angebots für alle Investoren eine Herausforderung. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie die verschiedenen Investoren darauf reagieren“, konkretisiert der Vorstandsvorsitzende der CA Immo AG, Andreas Quint, seinen Informationsschwerpunkt auf der Messe. Seine Überlegungen schließen politische Entwicklungen in den verschiedenen Ländern – von den USA über Großbritannien, Italien und Deutschland bis hin zu den EU-Beitrittskandidaten – ebenso ein wie die Diskussion über die zukünftige Entwicklung makroökonomischer Faktoren wie Wachstum, Inflation und Zinsen.

Regulierungen und Recht

Investoren sind für Rechtsanwalt Alfred Nemetschke, NHK Rechtsanwälte, ebenfalls ein spannendes Thema: „Welche Investmentkategorien sind gefragt? Welche Richtlinien haben sie, wie weit geht ihre Risikobereitschaft im Zusammenhang mit Forward Deals?“ Auch die „neuen Spieler, die in Wien ante portas stehen“, wecken das Interesse des Anwalts – und natürlich die rechtlichen Entwicklungen. Im Forum „Regulierung und Recht“ diskutieren Rechtsanwälte und Juristen, wie sich der europäische Rechtsrahmen und nationale Gesetze auf die Immobilienbranche auswirken. Während die Städte überlaufen werden, dünnen die Regionen aus, und der Regelungsbedarf in „hochverdichteten Innenstädten und am flachen Land wird sich entsprechend den Bedürfnissen weiterentwickeln“, blickt Nemetschke schon einmal in die juristische Zukunft.

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