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Wie Nachhaltigkeit messbar wird

Philipp Kaufmann hat im September 2009 die österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft gegründet, und mittlerweile hat der Verein über 180 Mitglieder. Ziel ist es, die Nachhaltigkeit von Immobilien transparenter zu machen. Warum Zertifikate wichtig sind, aber es letztendlich doch um viel mehr geht, erklärt er im Interview mit der unabhängigen Immobilien-Redaktion.

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Wofür dienen Zertifikate bei Immobilien?

Im Interview

Kaufmann: Mit Zertifikaten lässt sich die Nachhaltigkeit eines Gebäudes transparent machen und auch mit anderen Immobilien vergleichen. Sowohl bei der Errichtung als auch bei der Nutzung. Um das auf ein Auto umzulegen: Ein Auto, das Sie kaufen und das vom ÖAMTC geprüft wurde, ist eine bessere Investition als eines, das man am Straßenrand kauft.

Es gibt in Europa unterschiedliche Zertifikate, die angewandt werden.

Kaufmann: Ja, wir haben drei große: das DGNB-Zertifikat, LEED und BREEAM.

Worin liegt der Unterschied?

Kaufmann: Bei diesen drei Zertifizierungssystemen werden zum Teil sehr unterschiedliche Kriterien für eine Entscheidung herangezogen beziehungsweise haben die Kriterien einen unterschiedlich hohen Stellenwert. Während sich das LEED an einem Punktesystem orientiert, wird beim DGNB oder BREEAM nach einem Prozentsystem gewichtet. Beim DGNB werden zum Beispiel soziofunktionale Qualitäten wie Barrierefreiheit oder Flächeneffizienz sowie Prozessqualität und Standortqualität stark berücksichtigt, was hingegen bei den anderen beiden Systeme kaum der Fall ist. Außerdem haben alle drei Systeme unterschiedliche Messmethoden, was zum Beispiel die Energie betrifft.

Warum haben Sie sich für das DGNB entschieden und nicht für ein anderes Zertifikat?

Kaufmann: Einerseits ist das DGNB ein Zertifikat der zweiten Generation, also doch um einiges weiter entwickelt als die beiden angloamerikanischen. Es ist 2008 eingeführt worden und stellt die meisten Anforderungen an Gebäude, entspricht also dem „state-of-the-art“. Andererseits kommen im österreichischen Büro- und Gewerbemarkt die meisten Käufer heimischer Immobilien, neben den österreichischen Investoren, aus Deutschland. Da lag das doch sehr nahe.

Welches ist das bessere System?

Kaufmann: Ich vertrete die ÖGNI, aber letztendlich geht es um nachhaltiges Bauen und alle Bestrebungen, die in diese Richtung gesetzt werden und zu einem Paradigmenwechsel führen. Das ist wichtig. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen und denjenigen, die es besser machen– also ihre Immobilie zertifizieren lassen– wollen wir eine Bühne bieten, auf der sie sich präsentieren können.

Wenn Sie sagen: denjenigen, die sich zertifizieren lassen, dann geht daraus hervor, dass es nicht alle tun.

Kaufmann: Ja. Es gibt leider immer noch mehr nicht zertifizierbare Projekte als zertifizierbare. Das ist schade, denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir das Produkt Immobilie nachhaltiger machen müssen. Ziel ist es, dass wir alle Gebäude so bauen.

Sie meinen, dass nicht nachhaltig gebaute Gebäude keine Zukunft haben?

Kaufmann: Ja, absolut. Es ist auch auf Dauer eine ökonomische Entscheidung und außerdem eine ethische.

Inwiefern?

Kaufmann: Alleine wenn man sich die Preisentwicklung bei den Energieträgern ansieht, dann ist das unumgänglich. Jedes Gebäude, das weniger Kosten im Betrieb verursacht, ist für Mieter und für Investoren interessant. Wenn ich Nachhaltigkeit ernst nehme, dann ist es eine Maxime, eine Überzeugung und sollte den gesamten Prozess einer Immobilie betreffen: von der Planung über die Errichtung und den Betrieb bis zum Abriss. Und in allen Punkten soll so ökologisch wie möglich gehandelt werden.
Und es geht ja auch darum, dass die Menschen gute Arbeitsverhältnisse vorfinden müssen.

Ihr Credo für die ÖGNI?

Kaufmann: Wir wollen nicht Verzicht lehren, sondern Gewinne ermöglichen. Uns geht es nicht um Beschränkung, sondern um Verantwortung; nicht um Gängelung, sondern um Freiheit.
Wir wollen lustvoll bauen, bewirtschaften und leben.

Danke für das Gespräch.

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