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Das Leben nach der Krise spielt sich im Glücksdorf ab

Bei aller Vorsicht können wir davon ausgehen, dass sich die gesundheitlichen Gefahren durch das Virus langsam verdünnen. Jetzt geht es um eine ungeheure Kraftanstrengung der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter, um auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten halbwegs zu übertauchen.

Da haben Spekulationen, ob die einen oder anderen als Gewinner aus der Krise hervorgehen könnten, noch überhaupt keinen Platz. Auch die Entwicklung des Quadratmeterpreises in Sankt Irgendwo hat jetzt keine Priorität.



Den besorgten Menschen, auch unseren Kundinnen und Kunden, 
die wieder vermehrt bei uns anfragen und Orientierung suchen, können wir aber versichern: Immobilien haben sich schon oft als verlässliche Krisenwährung erwiesen.

Wir können davon ausgehen, dass es auch diesmal so ist. Je stärker die 
Gesamtwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, je stärker die Rezession ausfällt, desto niedriger werden die Kreditzinsen wohl sein müssen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Nicht überraschend hat die EZB kürzlich den Leitzinssatz von 0,0 Prozent bestätigt. So schwierig dieses Niedrigzinsniveau für die Banken auch sein mag, so fördert es immerhin die Bereitschaft, in Immobilien zu investieren. 

Die scheint ungebrochen. 
 
Bezeichnenderweise hat sich die Zahl der jährlichen Immobilientransaktionen im letzten Jahrzehnt, also seit Lehman Brothers und dem Finanzdebakel von 2008, um zwei Drittel (von rund 85.000 auf zuletzt rund 138.700 Kauffälle pro Jahr) gesteigert. Da ging es oft um einen Umstieg von undurchsichtigen Finanzprodukten zu soliden Werten, etwa Vorsorgewohnungen. 

Aus den panischen Reflexen von damals ist eine solide Entwicklung geworden, die anhält. Das vergangene Jahr brachte mit einem Immobilienkaufpreis-Volumen von 34,34 Milliarden Euro überhaupt einen neuen österreichischen Rekord. Kärnten legte beinahe zweistellig auf 9.800 Transaktionen zu, und die Preise am See galoppierten weiter. In der Steiermark wurden 21.200 Kaufgeschäfte mit einem Rekordwert von erstmals über vier Milliarden Euro abgewickelt. 2,7 Milliarden Euro flossen dabei in die Landeshauptstadt Graz und ihr Umland. 

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Graz hat sich allen „Immobilienblase“-Rufen zum Trotz als Immobilien-Hotspot weiter etabliert. Scheinbar sind also alle Signale auf „Boom“ gestellt. Dennoch scheint Nachdenklichkeit angebracht. Gute Stimmung ist die halbe Konjunktur, erst recht, wenn es um große Summen oder gar um Lebensentscheidungen geht. Wer von Arbeitslosigkeit oder großen Umbrüchen bedroht ist, scheut große Investitionen. Alles soll so bleiben, wie es ist.

Sicher ist: Das wird nicht möglich sein …

Glücksdörfer statt Stadt?

Vielleicht hat uns Mutter Erde ja in das Homeoffice geschickt, damit wir uns in ein paar ruhigen Momenten Gedanken über die Zukunft machen …

Diesmal steht nämlich nicht nur die Finanzanlagestrategie auf dem Prüfstand, sondern auch unser Lebensstil. Neben kurzfristigen Reaktionen wird es auch um neue Denkweisen gehen: Unsere Arbeits- und Wohnwelten sind wohl unwiderruflich im Umbruch. Das hat Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Fahren wir alle auch in der neuen Telko- und Viko-Ära noch quer durch Stadt und Land zu durchschnittlich wichtigen Besprechungen, Meetings, Präsentationen? 

Muss man dauernd „a dabei“ sein, wenn zum Event geladen wird? Wie viel Bürofläche braucht das Unternehmen im gerade anbrechenden Zeitalter des Teamsplittings und Desksharings? Wird Arbeit in der Social Distance noch in Stunden und Minuten bemessen? Wird Online-Shopping die Einkaufszentren überflüssig machen? Wird das sinnlich-gemütliche Einkaufsvergnügen in den Stadtzentren und Ortskernen eine Renaissance erfahren? Ist natürliche Energie, ob wir sie nun von der Sonne, aus der Erde, durch Wind, aus Wasser oder Holz gewinnen, nicht hundertmal sicherer und behaglicher als über tausende Kilometer angeliefertes Öl und Gas? 

Möglicherweise verstärkt sich eine Gegenbewegung zur Urbanisierung, nämlich ein Trend zum ländlichen Lebensraum.  Zwei Drittel der Summe aus Immobilienverkäufen in der Steiermark fließen nach Graz und Graz-Umgebung. Verstärkt sich das weiter? Bleibt das so? Pendelt das zurück? Glücksdörfer statt Stadt? 

Natürlichkeit, Nachhaltigkeit, regionale Produkte, heimische Materialien, ehrliches Handwerk, sanfte Mobilität, kurze Wege, Überschaubarkeit, gelebte Nachbarschaft, sparsamer Umgang mit den Ressourcen – das gewinnt wohl wieder an Bedeutung. Grundstücke, Wald, Forst, Gartenwohnungen, das Haus im Grünen sind jetzt besonders stark nachgefragt. 

Die Isolation daheim hat den Wert eines lebenswerten, gemütlichen, komfortablen Zuhauses noch verdeutlicht. Wohnhaussanierungen, Modernisierungen, Attraktivierungen der momentanen Wohnsituation werden wohl vermehrt in Angriff genommen. Wir erleben eine Rückbesinnung auf das gepflegte Private. My home is my castle. Im Übrigen schätzt man neuerdings auch nette Nachbarn und verlässliche Mieter …

Auch wenn früher oder später wieder Normalität in unseren Alltag einziehen wird, so werden tendenziell auch höhere Werte als Quadratmeterpreis, Mietzins oder Bruttoanfangsrendite in das Denken der Immobilienwirtschaft Einzug halten. 

Ein Glück im Unglück.


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Nikolaus Lallitsch, geboren im oststeirischen Empersdorf, war Österreich-Chef von s REAL und leitet seit 2000 das Geschäftsfeld Immobilien-Bauen-Wohnen-Bewerten der Raiffeisen Landesbank Steiermark AG. Mit „Green Village“ oder „Smart City Graz Mitte“ entwickelt er immer wieder zukunftsfähige Projekte, die über die steirischen Landesgrenzen hinaus Beachtung finden und mehrfach ausgezeichnet wurden.