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Am Wiener Büromarkt mehren sich die Signale für eine leichte Erholung von der Corona-Krise. Im zweiten Quartal wurden am gesamten Büromarkt knapp 30.596 Quadratmeter Büroflächen, gemäß den Qualitätsstandards des Vienna Research Forums (moderne Büroflächen, ab 1990 gebaut/generalsaniert mit gewissen Qualitätskriterien), vermietet. Dies ist zwar der geringste Wert der vergangenen vier Jahre im selben Vergleichszeitraum. Allerdings: Im ersten Quartal 2020 lag die Vermietungsleistung gar nur bei 12.977 Quadratmetern – das sind rund 65 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019. „In Anbetracht dessen bin ich mit der positiven Dynamik seit Anfang Juni sehr zufrieden. Der Büromarkt ist mit einem blauen Auge davon gekommen und wir rechnen derzeit mit einer Vermietungsleistung von 100.000 Quadratmetern für das Jahr 2020,“ sagt Steven Bill Scheffler, Teamleiter Bürovermietung bei OTTO Immobilien.

Es liegt zwar die Annahme nahe, dass sich die niedrige Vermietungsleistung auf die Ausgangsrestriktionen der vergangenen Monate oder potenzielle wirtschaftliche Folgen für die Unternehmen zurückführen ließe. Dies sei jedoch nur die halbe Wahrheit, so Scheffler: „Die unterdurchschnittliche Fertigstellungsleistung aus 2019 hatte bereits massive Auswirkungen auf das erste Quartal dieses Jahres“. Tatsächlich betrug das Fertigstellungsvolumen an Neubauflächen im Bürosegment 2019 lediglich etwa 36.000 Quadratmeter, während es 2018 noch rund 256.000 Quadratmeter waren. Daher werde die geringe Leerstandsquote von knapp unter vier Prozent auch noch die nächsten Monate spürbar sein.

Pharma, Telekom und IT suchen neue Flächen

„Die Projektpipelines sind für 2020 mit 155.000 Quadratmetern und 2021 mit 137.000 Quadratmetern gut gefüllt“, sagt Scheffler, der den nächsten Monaten „vorsichtig optimistisch“ entgegen schaut. Denn die allgemeine Stimmung am Markt sei positiv. „Viele Unternehmen haben seit einigen Wochen die Büroflächensuche wieder aktiv auf der Agenda“, so Scheffler. Vor allem die Pharmabranche, aber auch Telekommuniktations-, IT- sowie Infrastrukturunternehmen sind derzeit auf der Suche nach neuen Flächen.

An einen grundlegenden Rückgang des Büroflächenbedarfs angesichts von Home Offices und Teleworking glaubt Scheffler daher nicht. „Das Büro wird auch weiterhin seine Daseinsberechtigung haben. Aber es wird sich neu erfinden“, ist er überzeugt. Etwa, indem es zum Ort für prozessbasiertes Arbeiten werde. „Dabei wird je nach der zu erledigenden Aufgabe der Arbeitsort gewählt“, erklärt Scheffler. Gewechselt wird nicht nur zwischen Büro und Home Office, sondern auch innerhalb des Büros. „Statt der bisherigen All-in-one Arbeitsplätze könnte es künftig Workzones für konzentriertes Arbeiten, ähnlich den Ruheabteilen in den Zügen, sowie Worklounges für Arbeiten, die auch einen informellen Austausch oder Telefonate zulassen, geben“, sagt Scheffler. Allerdings unter der Vermeidung enger Belegungen, um den Abstandsregelungen gerecht zu werden.


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