Schlagwort: Bauträger

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PROPSTER – Wir erfüllen (fast) alle Wünsche

PROPSTER – der Sonderwunsch Meister hat einen Online-Konfigurator für die Sonderwunsch-Abwicklung im Immobilienbereich entwickelt. Damit hat das Unternehmen einen wunden Punkt der Bauträger getroffen. Die Immobilien-Redaktion sprach mit dem Gründer Milan Zarahdnik über seine bahnbrechende Idee.


Im Interview

Milan Zarahdnik

Milan Zarahdnik hat bereits sehr früh begonnen, sich mit Marketing und digitalen Medien auseinanderzusetzen. Außerdem war er schon immer durch und durch ein Unternehmer. Beim Aufbau seiner digitalen Plattform verfolgt er einen kundenzentrierten Ansatz. Im November 2018 errang PROPSTER im trend@venture-Start-Up-Wettbewerb den Titel des besten Newcomer-Start-Ups 2018.

Was war die Ausgangsposition für PROPSTER?

Zarahdnik: Unsere Kunden stehen vor der Herausforderung, dass Käufer und Mieter individuelle Ansprüche haben und etwa beim Kauf einer Wohnung diese nach ihren individuellen Wünschen konfigurieren wollen. Das bieten die Bauträger auch an, aber damit ist ein enormer Aufwand verbunden. Es gab bis jetzt keine standardisierten Möglichkeiten, diese Sonderwünsche abzuwickeln. Diese Lösung haben wir geschaffen.

Seit wann gibt es das Unternehmen?

Zarahdnik: Vor rund drei Jahren waren wir mit unserer Onlinewerbeagentur zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert und haben gesehen, was für ein Bedarf vorhanden ist. Vor eineinhalb Jahren haben wir dann ein Start-up gegründet und führten, nachdem wir unser Tool konzipiert hatten, ein Pilotprojekt mit BUWOG und PORR durch. Jetzt haben wir aktuell 120 Projekte mit über 5.000 Wohneinheiten und einem Projektvolumen von 1,4 Milliarden Euro. Das Thema brannte tatsächlich vielen Unternehmen unter den Nägeln.

[propster_exclusive]

Wie funktioniert Ihre Lösung?

Zarahdnik: Wir haben eine Plattform entwickelt, die als Kommunikations- und Informationsplattform dient und es dem Kunden gleichzeitig ermöglicht, seine Wohnung nach den Vorgaben des Bauträgers zu konfigurieren. Die Plattform dient auch dazu, die Änderungen abzuwickeln. Der Kunde kann außerdem auch alle relevanten Dokumente einsehen, wie zum Beispiel den Kaufvertrag, und – was ganz wichtig ist – die gesamte Kommunikation zwischen Bauträger und Kunde wird dokumentiert.

Wenn Sie sagen „nach den Vorgaben des Bauträgers“ – wie viele Alternativprodukte werden angeboten?

Zarahdnik: Bauträger und Projektentwickler bieten ihren Käufern meistens zwischen vier und acht Alternativen, etwa bei Fliesen, Parkettböden, Armaturen, Türen und Ähnlichem. Es ist allerdings mit unserem Konfigurator zum Beispiel auch möglich, Steckdosen zu versetzen oder neue zu planen.

Nach der Übergabe lässt sich außerdem das Mängelmanagement über die Plattform abwickeln.

Zarahdnik: Potenzielle Interessenten können sogar schon vor einer Kaufentscheidung die Wohnung entsprechend gestalten. Es ist wichtig, dem Kunden zu zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, und diese durch Visualisierungen zu zeigen. Vor allem in Hinblick darauf, dass wir uns in einigen Segmenten bereits in einem Käufermarkt und nicht in einem Verkäufermarkt befinden, ist die Servicierung der potenziellen Käufer und Käuferinnen enorm wichtig.

Das heißt, es läuft alles digital?

Zarahdnik: Nein. Die Abwicklung läuft digital. Der persönliche Kontakt bleibt weiterhin wichtig. Der Kunde bekommt eine Plattform, auf der er seine Immobilie konfigurieren und sich informieren kann, und der Bauträger kann sich auf Kundentermine vorbereiten, da er ja auch den Plan und die Kundenwünsche kennt und nicht mit Unerwartetem konfrontiert wird. Es haben beide Seiten die aktuelle Version der Wohnung. Ein wesentlicher Punkt ist auch, dass wir sehen, wann die neuen Eigentümer und Eigentümerinnen das Tool nutzen – nämlich dann, wenn der Bauträger nicht erreichbar ist: am Wochenende und am Abend.

Kann der Kunde während des gesamten Entstehungsprozesses Veränderungen vornehmen?

Zarahdnik: Nein. Wir haben ein Fristenmanagement integriert. Der Bauträger nennt uns seine Fristen, und ab dem jeweiligen Zeitpunkt stehen aufgrund des Baufortschritts gewisse Veränderungsmöglichkeiten nicht mehr zur Verfügung. Das kann man pro Stiege machen, pro Geschoß oder sogar auch pro Wohnung.

Gibt es eine bestimmt Mindestgröße bei den Projekten?

Zarahdnik: Nein, die Projekte unserer Kunden reichen von sechs bis 600 Wohneinheiten.

Das Thema beschäftigt nicht nur österreichische Bauträger, nehme ich an.

Zarahdnik: Wir haben auch bereits mehrere Projekte in Deutschland, da dort die Bauträger vor den gleichen Herausforderungen stehen. Sie büßen bei der Abwicklung der individuellen Wünsche bedeutende finanzielle Mittel ein, und aufgrund der Masse an Anfragen häufen sich Fehler. Der Kunde ist bis zum Kauf der Wohnung und der Unterschrift happy, und dann fangen die Probleme mit der Umsetzung der Sonderwünsche an.

Welche weiteren Schritte sind geplant?

Zarahdnik: Wir wollen unsere Position in Österreich und Deutschland weiter festigen. In der Schweiz haben wir auch bereits ein Projekt, und wir wollen dieses Jahr den Markt in Holland, England und Skandinavien testen. Und dann entscheiden wir, wohin wir expandieren. Wir müssen natürlich schauen, wie wir das Produkt an die lokalen Märkte anpassen und eventuell noch ein wenig adaptieren. Für Ende des Jahres planen wir eine Kapitalrunde für die Erweiterung. Wir suchen in jedem Bereich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sowohl für den Verkauf als auch für das Projektmanagement. Es sind nämlich Experten nötig, um ein Projekt mit dem Kunden richtig aufzubereiten.

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Woran es wirklich krankt

Es wäre zu einfach, die hohen Grundstückspreise als ausschlaggebendes Argument zu verwenden, dass „leistbares Wohnen“ immer schwieriger wird. Hausgemachte Probleme und politische Unvernunft haben schon längst diesen Slogan ad absurdum geführt. Schuld daran sind viele, geändert wird kaum etwas, und wenn, dann sehr, sehr langsam: „Wissen tät ma’s ja scho lang, nur zum Handeln hamma uns no net durchgerungen.“

Inland

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Kostentreibende bautechnische Anforderungen, Normen und Energieeffizienz-Auflagen bringen das Ziel einer Sicherung leistbaren Wohnens immer stärker in Gefahr. Innerhalb von zehn Jahren sind die Baukosten um 46% auf mehr als 2.000 Euro pro Quadratmeter geklettert. Ein Drittel der Erhöhung ist allein auf diesen „Qualitätshype“ zurückzuführen. Und das bei sinkenden Realeinkommen der Klein- und Mittelverdiener– jener Gruppe, von der Demographie-bedingt vor allem eine große Nachfrage nach Mietwohnungen ausgeht. „Für die dringend notwendige Forcierung des Wohnungsneubaus sind daher baukostensenkende Maßnahmen ein Gebot der Stunde“, betont Karl Wurm, Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen. Um kostengünstigeres Bauen zu ermöglichen, plädiert die Plattform dafür, das zuletzt üppig wuchernde Normendickicht zu roden.

Über neun Bauordnungen in einem Land mit acht Millionen Einwohnern muss wohl auch nicht mehr diskutiert werden.

ÖVI-Vizepräsident Klaus Wolfinger: „Anstelle sich beim Abbau der mannigfaltigen Standards zu verzetteln, wäre es sehr heilsam, von Grund auf neu zu definieren, welche Qualitäten als Mindeststandards für den Wohnbau wirklich unerlässlich sind. Ausgehend von einem neuen und deutlich geringeren Basis-Standard sollte es dann den Planern und Errichtern des konkreten Bauvorhabens überlassen sein, die je nach Standort und Positionierung angemessenen baulichen Merkmale und Ausstattungen auszudifferenzieren.“

Wie es damals funktionierte …

Wie es ganz einfach geht, zeigt schon die Wiener Bauordnung von 1859, übrigens erst die zweite offizielle Bauordnung in Wien. In dieser wurden erstmals „umfangreichere“ Rahmenbedingungen vorgeschrieben: Dabei wurden als Eckpunkte die maximale Gebäudehöhe von 24,7 Metern sowie eine Mindeststraßenbreite von 15,2 Metern festgelegt, die Raumhöhe musste mindestens 3,16 Meter betragen. Diese maximale Bauhöhe sowie die Generalbaulinie der breiten und rechtwinkelig zueinander laufenden Straßen, die in einem Raster angelegt wurden, gaben das klare Korsett für die Bauherren vor.

In Paragraph 27 der Bauordnung wurde noch kurz auf die Qualität eingegangen: „Bezüglich der Nachhaltigkeit wird festgehalten, dass der Bauführer (ausdrücklich) gute und dauerhafte Materialien verwenden soll.“

Und die Häuser stehen immer noch. Funktionell und flexibel.

Weitere Probleme

„Die Flächenwidmung gehört geändert und endlich vom Schrumpfen der Bevölkerungszahl auf Verdichtung der Stadt angepasst. Wiener müssen sich daran gewöhnen, dass Häuser höher gebaut werden, auch in der Stadt“, so Hans Jörg Ulreich, Ulreich Bauträger und Bauträgersprecher in der Wiener Wirtschaftskammer. „Baukosten gehören gesenkt und unnötige Normen bei Brandschutz, Stellplätzen und Ähnlichem endlich abgeschafft und in Bezug auf Kosten, Sicherheit und Praxisnähe neu geregelt.“

Noch zwei weitere Punkte wären laut Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL Immobilien, im Wesentlichen anzugehen: „Wir brauchen schnellere Baubewilligungen, und wir müssen den Amtsschimmel reduzieren.“

Die „Lösung“ Mietzinsobergrenze

So einfach es vielleicht in der einen oder anderen Amtsstube erscheinen mag, aber Mietobergrenzen sind nicht das geeignete Mittel, um für leistbares Wohnen zu sorgen. „In dieser Mangelsituation mit z.B. einer Mietobergrenze zusätzlich zu regulieren, führt zu einer weiteren Reduktion der Mietwohnungen, Verschlechterung der Qualität und zu einem neuen Miet-Adel“, so Michael Pisecky, Geschätsführer der sReal: „Das kann niemand wirklich wollen!“ Auch laut dem „Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt“ (PDF, 1MB) der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY vertreten die Investoren einen klaren Standpunkt: Drei Viertel sehen eine Mietzinsobergrenze als „Bremse“ bei der Schaffung von neuem Wohnraum. Unabhängig davon darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel in Wien fast 60% der Mietwohnungen dem sozialen Wohnbau unterliegen und damit die Mietpreise gedeckelt sind.

Überholte Gesetze

Dass Gesetze ihre Zeit brauchen, sei dahingestellt, aber die Realität überholt diese schon lang und immer schneller. Angesichts völlig veränderter Lebensformen (man denke nur an Patchwork-Familien und Homeworking) stellen sich Planer und Bauträger zum Beispiel die Frage, warum Zimmer unter 10 m2 verpönt sind (faktisches Kriterium für geförderten Wohnbau in Wien). „Teils aus paternalistischer Beharrlichkeit werden den Menschen Grundrisse vorenthalten, die deren wahren Bedürfnissen viel besser gerecht werden könnten“, so Wolfinger. „Angesichts der wachsenden Bedeutung temporärer Wohnformen erscheinen die in einzelnen Landesvorschriften noch existierenden Mindestgrößen für Wohnungen sowie die Verknüpfung des Mietrechtsgesetzes mit der Schwelle von 30 m2 inzwischen überholt.“

Was zu tun wäre

Mittlerweile haben auch Bundes- und Landespolitik erkannt, dass die Neubaukosten deutlich zu hoch geraten sind, und dass dringend notwendige Maßnahmen gesetzt gehören. „Ein neues Wohnrecht wird nicht genügen, sondern ein nationaler Aktionsplan erforderlich sein, um eine ausreichende Versorgung mit Wohnraum zu ermöglichen“, erklärt Michael Pisecky, Geschäftsführer von sReal. ÖVI-Vizepräsident Wolfinger lobt zwar „die in diversen Regierungsübereinkommen und ersten legislativen Projekten erkennbaren Bemühungen um ein Wohnbauprogramm, das die Schaffung von Wohnraum und Konjunkturimpulse unterstützen will“, aber bis auf das Drehen von kleinen Stellschrauben ist noch nicht viel passiert.

„Insgesamt ist nun aber jedenfalls der Zeitpunkt gekommen, das Problem an der Wurzel zu packen“, meint Wolfinger und spricht aus, was sich die gesamte heimische Immobilienbranche denkt.

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Valentin, Kafka und die Projektentwicklung

Wenn man so manche Sachen liest, dann kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich um einen Fake handelt. In diesem Fall dürfte es aber eine „Magistrats-Groteske“ sein, und sie spielt nicht in Wien, sondern in München. Sie wirkt wie der Einfall eines Kabarettisten.

Es geht um einen Wohnbau in einer Stadt, in der die Preise nach oben gehen und in der Wohnraum dringend gebraucht wird. Das Wohnprojekt, über das ich in einem Newsletter eines deutschen Immobilienberatungsunternehmens gelesen habe, sollte in München errichtet werden. Es soll allerdings 11 Jahre gedauert haben, bis die 680 Wohnungen auch tatsächlich fertig waren.

Allein wenn man sich drei von zahlreichen Verzögerungen, die in dem Newsletter aufgelistet sind, in Ruhe zu Gemüte führt, dann darf man sich schon einmal wundern.

Der Wohnbau sollte auf einem ehemaligen Gewerbegebiet errichtet werden, weshalb der Bauträger eine Gewerbeausgleichszahlung von letztendlich 3,087 Millionen Euro zahlen musste. Die Ermittlung der Höhe der Ausgleichszahlung dauerte vom Januar 2012 bis zum März 2015, da immer wieder neue Zahlen berechnet wurden. Ganz am Schluss bemerkte man, dass man eine Null vergessen hatte, und die Summe wurde von 3,87 auf 3,087 Millionen reduziert.

Vor Einleitung des Bebauungsplanverfahrens muss außerdem in München noch der Schulbedarf sicher gestellt sein. Sicherheitshalber stellte man im September 2011 die Anfrage an das Schulreferat und bekam nach ziemlich genau 3,5 Jahren die Antwort: Ja, der Schulbedarf sei sichergestellt. Auf die Frage nach dem Grund der doch auffälligen Verzögerung: Bei der Stadt München war lange Zeit nur eine Person für die Berechnung des Schulbedarfs zuständig.

Das absolute Highlight dürfte aber eine sogenannte Habitatuntersuchung gewesen sein, die sich vom März 2011 bis zum Juni 2015 erstreckte. Es gab ein offizielles Gutachten, wie viele Zauneidechsen sich auf dem Gelände befinden. Fünf Begehungen durch einen anerkannten Spezialisten ergaben, dass es zwei Zauneidechsen gäbe. Da man vermutete, es seien wahrscheinlich 30, und da jede Zauneidechse 150 Quadratmeter Lebensraum braucht, kam man zum Ergebnis, dass auf dem Grundstück 4.500 Quadratmeter nicht bebaut werden dürfen. Die Beamten zweifelten die Untersuchung an, sie vermuteten eine Population von 50 Tieren– mit einem Flächenbedarf von 7.200 Quadratmetern. Im April 2015 gab es dann einen Zauneidechsengipfel der Behörden, des Gutachters und des Projektentwicklers. An der dreistündigen Sitzung nahmen 11 Personen teil. Im Mai 2015 kam es zu Nachkartierungen mit je zwei gefundenen Zauneidechsen. Im Juni 2015 wurde das ursprüngliche Gutachten durch die Behörde dann doch akzeptiert.

Ich selbst kenne den Fall nicht, sondern habe das auch nur gelesen, aber es dürfte sich dabei nicht um einen Einzelfall handeln. Dass Bestimmungen und Gesetze eingehalten gehören, stelle ich außer Frage. Was mich aber wundert, ist die Tatsache, dass es nicht möglich ist, einen normalen Umgang– und Zeitablauf– zu finden, um Wohnprojekte zu ermöglichen.

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Expert explaining changes in data while making report

Mut zur Veränderung!

Seit beinah 40 Jahren beschäftige ich mich mit dem Bau und mit der Sanierung von Häusern. Regelmäßig musste ich meine Firma neu erfinden, weil gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ständigen Änderungen unterworfen sind. Das politische Geschehen ist für Menschen, die mitten in der Wirtschaft stehen, mitunter eine Provokation. Niemand haftet für verschleppte Reformen, Untätigkeiten bleiben sanktionsfrei.

Wenn man – so wie ich und mein Unternehmen – Wohnungen baut, kennt man das Leben der Bewohner, ihre Wünsche und Vorstellungen, ziemlich genau. Vieles davon ist für den sogenannten „Normalbürger“ auch umsetzbar. Mit einem guten Grundriss der Wohnung, mit großen Fenstern, die viel Licht spenden, mit einer guten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, mit einer Infrastruktur, die das Wohnhaus zu einer sozialen Gemeinschaft werden lässt, das kinderfreundliche Aufenthaltsbereiche aufweist und auch umweltfreundlichen Anforderungen entspricht. Das alles lässt sich realisieren und wird auch erfüllt.

Was allerdings fehlt, sind jene zeitgemäßen Rahmenbedingungen, die die Politik setzen muss, damit das „Wohnen der Zukunft“ auch für jene leistbar bleibt, die keine Erbschaften dafür einsetzen können und die von ihrem monatlichen Haushaltseinkommen keine 40–50 % fürs Wohnen ausgeben können.

Wir erleben als Bauer von Häusern und Wohnungen fast täglich neue technologische Innovationen, neue Materialien, ökologisch sinnvolle Alternativen, aber wir sehen seit Jahren – von ein paar Ausnahmen in Wien abgesehen – keine sozialen Innovationen in der Wohnungspolitik des Bundes. Die Wohnbauförderung der Länder wird für den Bau von Kreisverkehren verwendet, die Grundstücks- und Mietpreise sind extrem nach oben geschnellt.

Wir haben letztes Jahr einen Wahlkampf erlebt, in dem das Thema „Wohnen“ von der Politik groß angekündigt wurde. Auch im aktuellen Regierungsprogramm wird vergleichsweise umfangreich auf notwendige Reformen, etwa im Wohnrecht, eingegangen. Die langjährige Erfahrung mit in Regierungsprogrammen festgeschriebenen Zielen lehrt allerdings Skepsis. Denn die Programme der Jahre 2000, 2003, 2007 und 2008 haben bereits dieselben Ziele formuliert – geschehen ist wenig bis nichts.

Warum das so ist, weiß ich auch nicht, ich halte aber verschiedene Antworten für möglich:

  • Es gibt in Österreich den gern verwendeten Abwehrsatz vom „Jammern auf hohem Niveau“ – meist begleitet von einem kalmierenden „Es geht uns doch gut“ und einem in leicht vorwurfsvollem Ton vorgebrachten „Schauen Sie sich doch bitte in den anderen europäischen Ländern um, da ist die Lage viel schlimmer“. Ob damit nun die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsleistung, die Staatsverschuldung oder die Wohnversorgung gemeint ist, ist austauschbar. Wesentlich ist die Grundhaltung: Wir sind so gut, wir müssen nichts ändern, nichts öffentlich debattieren, wir bleiben sowieso besser.
    Es ist sehr schwierig, gegen diese politische Stillstandsrhetorik und paternalistische Beruhigungspolitik anzugehen oder sie aufzubrechen.
  • Ja, Österreich ist im internationalen Vergleich tatsächlich ein bestwohnversorgtes Land. Die einzige Großstadt des Landes bietet ihren Bewohnern in Form von Gemeindewohnungen und gefördertem Wohnbau so viele leistbare Wohnungen wie keine andere europäische Hauptstadt. Noch dazu ist die soziale Durchmischung Wiens bislang noch vorbildlich.
  • Dennoch: Alle näher mit der Materie Wohnen Befassten konstatieren seit Jahren enorme Ungerechtigkeiten im Wohnungsmarkt, die ihre Ursachen paradoxerweise in der Gesetzgebung haben. Eine Reform des Wohnrechts, die den Namen Reform tatsächlich verdient, müsste radikal sein. Das widerspricht dem österreichischen Geist, dem Radikalität zutiefst fremd und der vielmehr dem kunstsinnigen Verfassen von immer neuen kleinen Novellen und fein ziselierten Rechtsverästelungen zugetan ist.
  • Und dann noch das Ziel der Schaffung leistbaren Wohnraums. Warum wurde dem nicht konsequenter nachgegangen? Vielleicht, weil die Kluft zwischen Reich und Arm in Österreich seit den 90er-Jahren tatsächlich wieder größer geworden ist? Und damit gleichzeitig das Verständnis der Mächtigeren für die Lage der weniger Mächtigen abgenommen hat? Ich kann mir die Untätigkeit in diesem Bereich nur mit einer gewissen Abgehobenheit der Entscheidungsträger erklären, die über die Höhe eines österreichischen Durchschnittsgehalts nicht wirklich Bescheid wissen.

Lassen Sie mich kurz umreißen, wie ich die Lage sehe:

  • Wir bauen zu viel am falschen Ort. Es ist hoch an der Zeit, der Vergeudung und Zerstörung des wertvollen Gutes Boden Einhalt zu gebieten. Und zwar auf dem Land und in der Stadt.
  • Es muss nicht bloß langfristig, sondern in Wirklichkeit ab sofort der Nachverdichtung der unbedingte Vorzug vor dem Neubau gegeben werden.
  • Wohnbau muss ökologischer werden. Und das nicht nur hinsichtlich Niedrigenergiestandards oder Passivhaustechnologien. Es geht ebenso um die infrastrukturelle Einbettung – Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Nahversorgung, Bildungseinrichtungen etc.
  • Der Wohnungsmarkt muss gerechter werden. Dazu muss aber nicht nur das Mietrecht reformiert werden, das ja im Wesentlichen nur den privaten Wohnungsmarkt regelt. Eine gelungene Reform des Wohnrechts muss berücksichtigen, dass es sich bei allen Teilmärkten – privater Wohnungsmarkt, gefördertes Mietwohnungssegment, Gemeindewohnungen etc. – um kommunizierende Gefäße handelt und jede Maßnahme in einem Teilmarkt zwangsläufig Auswirkungen auf die anderen hat. Es müssen Privilegien repariert und die Schaffung von neuen verhindert werden. Wohnungsqualitäten müssen in Mietverträgen zukünftig transparent und vergleichbar dargestellt werden. Ein funktionierender, politisch gestalteter Gesamtmarkt, wo das Preissetting aller Marktsegmente aufeinander abgestimmt und klagbar dargestellt ist, wäre ein lohnendes Ziel für die aktuelle Legislaturperiode.
  • Über die Zukunft der Wohnbauförderung sollte ohne Tabus diskutiert werden dürfen. Brauchen wir sie überhaupt noch? Wenn ja, wer braucht sie? Wenn nein, wofür könnte das Geld besser verwendet werden? Die freie Entscheidung der Bundesländer über die Verwendung der Fördergelder ist jedenfalls dringend zu hinterfragen.
  • Wir müssen leistbaren Wohnraum schaffen. Ja, das stimmt. Aber nicht über den Neubau. Eine neu gebaute Wohnung kann keine günstige Wohnung sein. Dazu sind die Grundstückspreise und die Baukosten derzeit zu hoch. Letztere unter anderem auch deshalb, weil die Qualitätsansprüche an den (geförderten) Wohnbau in den letzten 20 Jahren unglaublich in die Höhe geschraubt worden sind. Neu gebaute Wohnungen könnten nur dann wieder billiger werden, wenn an den eben genannten Schrauben gedreht wird – es macht zum Beispiel durchaus Sinn, zu diskutieren, welche Qualitäten wir uns weiter leisten wollen.
  • Der leistbare Wohnraum muss und kann nur durch eine Reform des gesamten Wohnrechts gewonnen werden. Wenn das Recht wieder gerecht wird, werden auch die einkommensschwachen Schichten der Bevölkerung wieder Wohnungen finden.

So weit ein Überblick aus meiner Warte – natürlich ist auch mein Blickfeld eingeschränkt, und natürlich weiß auch ich es nicht besser. Aber woran ich glaube, ist Folgendes, und das wurde vom Europäischen Forum Alpbach sehr treffend formuliert:

„In jedem Bereich gibt es Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen und sich bemühen, die entsprechenden Probleme zu lösen.“

Der Text dieser Rede ist außerdem zu finden unter:http://blog.immobranche.at/2014/03/12/das-war-mutig-herr-wippel

Informationen zu den beiden Veranstaltungen, die Anfang März auf Initiative von Hans Jörg Wippel stattgefunden haben und in deren Rahmen er die Rede gehalten hat:www.alpbach.org

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