Banken überlassen ihre Filialen – Immobilien Redaktion
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Banken überlassen ihre Filialen

Nicht immer leicht verwertbare Räume, aber in guten Lagen hinterlassen Banken, wenn sie ausziehen.



Das Bankenwesen hat sich nicht erst durch die Finanzkrise vor fünf Jahren verändert. Übernahmen mit Filialstreichungen gab es schon in den 90er-Jahren, als die Länderbank aufgelöst wurde.Der Verkauf derBA-CA an die HVB, die wiederum von der Unicredit geschluckt wurdewar ein weiterer Einschnitt. Dann gab es die BAWAG-Affäre, und heute spricht man von derHypo Alpe-Adria-Bank.Sowohl die Bankzentralen als auch die Filialen befinden sich im Umbruch, und Neustrukturierungen, Verlegungen und Zusammenlegungen sind an der Tagesordnung. Die Bank-Austria-Zentrale am Schottentor ist das jüngste prominente Beispiel. Ein anderes ist die ehemalige Länderbankzentrale Am Hof. Noch in diesem Juni wird hier das Park Hyatt Hotel, eines von nur wenigen in Europa, fertiggestellt. Mit viel Aufwand sind 142 Zimmer und Suiten mit dem entsprechenden Luxus in den früheren Bankräumen eingerichtet wurden. Viel Prunk war schon da, und was einmal ein Kassenraum war – na bitte – das wird eben nun ein Ballroom! „Es kommt darauf an, was für ein Hotel man hier macht“, stellte Dietmar Ploberger vom Investor Signa Holding im Vorfeld fest und war sich sicher, einigermaßen konkurrenzlos zu sein. Marmor und hochwertige Holzvertäfelungen prägen die Erscheinung im Inneren, und bis zu 600 Personen arbeiteten auf der Baustelle, um Luxusquartiere bis unters Dach einzubauen.

Vintage-Store statt Filiale

Schauplatzwechsel zum Währinger Kutschkermarkt: Hier befindet sich eine Vintage-Galerie in einer ehemaligen Filiale der Creditanstalt mit Mobiliar und Gegenständen aus der klassischen Moderne des letzten Jahrhunderts. Der Inhaber nutzt das Erdgeschoß als Ausstellungsraum und überlegt, was er mit den speziellen Räumlichkeiten sonst anfangen könnte. Simon Tyrell ist gebürtiger Brite, und er hat für sein Ecklokal Ausbaupläne: „Unten im Keller gibt es einen Raum, wo sich noch Bankschließfächer befinden. Zuerst habe ich an ein Kino gedacht, jetzt denke ich eher an einenKaffeehausbereich und dafür unten einen Showroom.“ Tief ins zweite Untergeschoß dringt der Bau hier vor, was ungewöhnlich ist, aber auch interessante Möglichkeiten bietet. Nicht weit entfernt im gleichen Bezirk befindet sich der Szenetreff Aumann Café, und auch hier hatte sich in prominenter Lage eine Bankfiliale befunden. Heute dient der Tresorraum als WC, und die Türen mit dem riesigen Drehschloss lässt man besser hinter sich offen stehen. Eine solche Nachnutzung ist naheliegend, denn das stille Örtchen braucht man in der Gastronomie schließlich auch abseits der Speiseräume. Die Wiener Büchereien wiederum haben am Liesinger Platz schon vor Längerem Quartier in einer ehemaligen Bankfiliale bezogen. In der Nachbarschaft sind nicht weniger als fünf Banken vertreten, jedoch hat sich die Tätigkeit der Banker ins neue Einkaufszentrum verlagert. Der alte Tresorraum diente danach als Depot für entleihbare filmische und musikalische Schätze. Durch eine gut 25 Zentimeter starke Tresortür gelangt man in den Hinterraum, wo man heute ungestört Musik zum Entleihen aussuchen kann.

Flagshipstore in die Hauptfiliale

In der Wiener Laxenburger Straße ist eine Erste Bank aufgegeben worden, ebenso wie in der Oberlaaer Straße, und die prominenten Ecklokale suchen nun Nachfolgenutzungen. Nicht selten stehen sie eine Zeit lang leer, weil sich nichts Passendes findet oder zumindest keiner, der die Vorgängermieten bezahlen kann. Für Dienstleister mit geringem Büroflächenbedarf füllen sich hier aber auch Lücken im Angebot. Aus der Not eine Tugend machten die Schweizer Betreiber der Trendboutique Tally Weijl, die eine jugendliche Zielgruppe hat. Auf mehreren Geschoßen errichteten sie den größten Shop der Kette in einer ehemaligen Hauptfiliale der Zentralsparkasse und bauten stilsicher alles so um, dass auch der Denkmalschutz sein Okay gab. Das musste er besonders für den Kassenraum tun, und die Modekette mit dem rosa Häschen machte etwas daraus, demonstrierte Innovationsgeist, übernahm den Tresorraum mit einem Augenzwinkern als Hintergrundkulisse und fügte noch Überwachungskameras dazu.

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Peter Matzanetz ist Raumplaner, Journalist und Entrepreneur. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er für Branchenmedien in den Bereichen Bau, Architektur, Immobilien und Raum. Mit der Agentur branchenfrei at und dem zugehörigen Blogformat setzt er sich schon länger mit Themen zur Transformation der Stadt und Nachnutzung von Gebäuden auseinander. Vor fünf Jahren hat er gemeinsam mit dem Institut für Stadt- und Regionalforschung an der TU Wien begonnen, eine Ortesuchmaschine mit Lagescoring zu entwickeln. Mit Beginn 2020 wurde das Start-Up Place Qu ausgegründet, welches die Technologie als Schnittstellenlösung zur Integration anbietet.



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